Die Gier nach DNA in Großbritannien - Montag, 5. November 2007 Die Daily Mail ruft den Briten im Artikel Big Brother UK: Police now hold DNA 'fingerprints' of 4.5m Britons und der Guardian im Artikel Lib Dems attack policy on children's DNA records ins Gedächtnis, dass die britische Regierung das Sammeln von DNA Profilen in der Nationalen DNA Datenbank NDNAD unvermindert vorantreibt.Die Daily Mail schreibt, dass in den letzten zehn Monaten mehr als eine Million DNA Profile der NDNAD hinzugefügt wurden, was nicht stimmt. Von Januar bis September 2007 wurden insgesamt 433514 und 2006 - 2007 667738 DNA Profile durch Polizeibehörden in England und Wales aufgenommen. Die Daily Mail hat die Zahlen des Innenministeriums also einfach addiert. Dennoch sind die Zahlen beeindruckend, besonders, wenn man sich die Entwicklung anschaut, die zu mittlerweile viereinhalb Millionen individueller DNA Profile in der NDNAD geführt hat: 1995-96: 33533 1996-97: 80198 1997-98: 125053 1998-99: 230787 1999-2000: 192994 2000-01: 375765 2001-02: 470971 2002-03: 444395 2003-04: 431727 2004-05: 480288 2005-06: 625797 2006-07: 667738 2007: 433514 (bis September) Schenkt man der Aussage des Innenministeriums Glauben, dass 13,7 Prozent der Datensätze Duplikate sind, weil das gleiche DNA Profil mit verschiedenen Namensschreibungen gespeichert wurde, kommt man "nur" auf ca. 3,8 Millionen DNA Profile. Interessant ist besonders, dass sich unter den Millionen laut des Sprechers für Innenpolitik der Liberalen Demokraten Nick Clegg 150000 DNA Profile von Jugendlichen und Kindern unter 16 Jahren befinden und zwar von Kindern und Jugendlichen, die keines Vergehens angeklagt und verurteilt wurden. Laut des Daily Mail Artikels sollen insgesamt ein Drittel der DNA Profile von Personen stammen, die keines Verbrechens angeklagt wurden und keinen Eintrag im Strafregister aufweisen. Das ist auch kein Wunder, denn die Polizeibehörden können sich nach Polizeirichtlinien und Gesetzen wie dem Police and Criminal Evidence Act von jeder Person das DNA Profil verschaffen, die laut Aussage von Vertretern des Innenministeriums für ein Vergehen in einer Polizeistation festgehalten wurden. Es ist aber längst bekannt, dass die Polizei generell DNA Proben von allen Personen nimmt, die Gegenstand einer polizeilichen Maßnahme wurden, worunter selbst die Opfer einer Straftat fallen. Die Richtlinien der britischen Polizeivertreung ACPO sehen vor, dass DNA Profile generell 100 Jahre gespeichert werden, eben auch von einer Personen, "von der im Rahmen einer polizeilichen Ermittlung noch kein DNA Profil genommen wurde." Im britischen Innenministerium zirkulierte zudem vor einem Jahr eine Richtlinie, die vorsah, von allen Familienmitglieder einer Person DNA-Proben zu nehmen, die bereits von der Polizei "behandelt" wurde. Den Zweck und die hinter der DNA Politik stehenden Wunschvorstellungen formulierte im September Sir Stephen Sedley, Richter am Appellationsgericht ihrer Majestät:
"Going forwards has very serious but manageable implications. It means that everybody, guilty or innocent, should expect their DNA to be on file for the absolutely rigorously restricted purpose of crime detection and prevention."
Für Sir Sedley stellt sich die Frage nach dem Prinzip der Unschuldsvermutung oder dem Recht, vom Staat in Ruhe gelassen zu werden, solange man nicht gegen Gesetze verstößt, jedenfalls nicht mehr.Der Independent berichtete am 11. Oktober 2008 im Artikel Record growth in DNA database über den aktuellen Pegelstand der DNA Proben, die von der britischen Polizei allgemein (verurteilt oder nicht verurteilt, Minderjährige) erhoben wurden. Nach den Zahlen im Jahresbericht 2006 - 2007 der britischen National Policing Improvement Agency (NPIA) über die Nationale DNA Datenbank ergeben sich laut des Independent folgende neu erfasste DNA Profile in der NDNAD: 2004-05: 520757 2005-06: 700825 2006-07: 722464 Insgesamt laut Independent geschätzt gespeichert: ca. 4,8 Millionen DNA Profile. Das würde laut der geschätzten Bevölkerungszahl am 11.10.2008 ca. 7,87 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Damit ergibt sich, dass laut der letzten Zahlen des britischen Innenministerium (s. o.) bis Ende 2007 nochmals 54726 DNA Profile hinzugekommen sind, mal dem Independent unterstellt, dass er richtig gerechnet hat. Im Vergleich zum Innenministerium zeigen sich Abweichungen: Für den Zeitraum 2004 - 2005 weist die NPIA 40469, für den Zeitraum 2005 - 2006 75028 mehr DNA Profile aus als das britische Innenministerium. Das hängt wohl damit zusammen, dass im Bericht des Innenministeriums nicht die Zahlen aus Nordirland und Schottland auftauchen wie im Bericht der NPIA. In Tabellen und Grafiken des NPIA Berichts stellt sich die Ausweitung, der Nutzen und die Verhältnismäßigkeit der DNA Erfassung so dar: Die steigende Anzahl der DNA Profile, die in die NDNAD geladen werden:
Was in Großbritannien von Teilen der Justiz und Innenpolitiker angedacht und erstrebt wird, ist die langfristig systematische Erfassung der DNA der Bevölkerung – vom Kind bis zum Greis, von der Wiege bis zur Bahre.![]() ![]() Dem standen die Anzahl gefundener Übereinstimmungen von DNA Profilen mit in der NDNAD gespeicherten Tatort DNA Spuren und die Anzahl der DNA Spuren, die an Tatorten erfasst werden konnten (die sich schon allein wegen des Fortschritts auf dem Gebiet der DNA-Forensik erhöht) gegenüber: ![]() Insgesamt ![]() Für den Zeitraum 2006 - 2007. Der Beschluss des Europäischen Gerichtshofes vom 4. Dezember 2008 gegen die staatliche DNA-Gier Der illegalen Sammelei und Speicherung der DNA Profile unbescholtener Bürger in polizeilichen DNA Datenbanken durch den britischen Polizeistaat setzte der Europäische Gerichtshof am 4. Dezember mit einer Entscheidung Grenzen, die befand, dass der britische Polizeistaat gegen Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention verstoßen hat. Der Big Brother in Gestalt der Innenministerin Smith protestierte und zeigte sich enttäuscht. Darüber berichtete Out-Law im Beitrag DNA retention policy breaches human rights, rules ECHR und die BBC im Beitrag DNA database 'breach of rights' am 4. Dezember 2008 und EDRi in der Zusammenfassung Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte gegen die britische DNA-Datenbank am 17. Dezember 2008. Über den Hergang der Entscheidung, für die von der britischen Regierung eine Armee von Juristen aufgeboten wurde, um ihr genehme Entscheidungen herbeizuführen, die sie auch von allen Instanzen in Großbritannien bekam (so viel zur Unabhängigkeit nationaler Gerichte), berichteten die beiden Anwälte und Vertreter der Kläger Stephen Cragg und Peter Mahy im Beitrag European Court judgment on DNA retention der Law Society Gazette am 8. Januar 2009. Zur Bedeutung des Beschlusses des Europäischen Gerichtshofes, der in allen rechtsstaatlichen EU-Mitgliedsländern in Zukunft die präventive Erfassung und Speicherung der DNA Daten von Unschuldigen in Datenbanken auf Lebenszeit ausschließt, heißt es in dem Beitrag:
The effect of the ruling will be global. This is the leading judgment on the issue of the expansion of biometric data, especially DNA databases. Several other countries and US states were expected to follow where the UK led, but will now have been stopped in their tracks.
Fasst man die DNA eines Menschen als höchstes biomatrisches Merkmal auf, das sie aufgrund der in ihr "gespeicherten" Informationen über die Identität, Persönlichkeit, Physis und Gesundheit mit der Möglichkeit der nahezu absoluten Identifizierung einer Person ist, hat der Beschluss des Gerichtshof erst recht für alle weiteren biometrischen Merkmale (Fingerabdruck, Augeniris, Gesicht, Körpergeruch, Gang) zu gelten. Auch ihre nicht zweckgebundene, unbegründete oder beim geringsten Anlass erfolgende Erfassung, Speicherung, langfristige oder missbräuchliche Nutzung durch staatliche Institutionen und Private müsste damit generell untersagt sein.Im Interview mit der Nature vom 8. Dezember 2008 sprach Alec Jeffreys, der Entwickler des "DNA Fingerprintings", anlässlich des Beschlusses des Europäischen Gerichtshofs noch einmal an, dass es dem britischen Staat bei der Speicherung der DNA Profile von so viel unschuldigen Bürger wie möglich um die Vorwegnahme einer möglichen zukünftigen Schuld aller Bürger ging, also um die Umkehrung des Prinzips der Unschuldsvermutung und vor allem um die Schaffung einer Grundlage, um über die in der DNA gespeicherten Verwandtschaftsinformationen DNA-basierte Abfragen nach "Familienbeziehungen" durchführen zu können, so dass der Staat über die Identität eines Subjekts, dessen DNA bereits in der Datenbank vorliegt, zum Beispiel über Verhöre auf alle Verwandte zugreifen kann, deren DNA Profile sich (noch) nicht in der Datenbank befinden. Eine Stoßrichtung, die der Europäische Gerichtshof auch erkannt hatte. Jeffreys sprach zudem die Stigmatisierung und Diskriminierung an, die sich daraus ergibt, dass die illegal gespeicherten DNA Profile keinen Querschnitt der britischen Gesellschaft abbilden, sondern sich auf bestimmte Bevölkerungsgruppen wie Jugendliche und ethnische Minderheiten konzentrierten. Siehe auch: beck-blog - Weit sind wir gekommen - Verkehrskontrollen mit DNA-Entnahme (im Raum Ludwigsburg-Heilbronn) (11.01.2009)
Geschrieben von Kai Raven
in Biometrie, Bürgerrecht, Data Mining / Fusion, Datenschutz, DNA, Geheimdienst / Polizei, Gesellschaft, Grundrecht, Politik
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Emotionen und Gefühle für Big Brother - Sonntag, 28. Oktober 2007
Über das Forschungsprogramm "Feel Europe" im Rahmen des 6. Forschungsrahmenprogramms der EU, das der Grundlagenforschung zur Verbesserung des Verständnisses und der Entwicklung von Techniken zur Erfassung und Nutzung menschlicher Gefühle und Emotionen dient, berichtet der Forschungsinformationsdienst der EU im englischsprachigen Artikel Europäische Expertenplattform befasst sich mit dem Messen menschlicher Emotionen mit einer passenden Abbildung, die dem Artikel beigefügt ist:
Hauptbeteiligte des mit 195395 € geförderten Programms, das vom 1. Februar 2007 bis 31. Juli 2008 läuft, sind die Abteilung für Medizintechnik und Neuroprothetik am Fraunhofer Institut für Biomedizinische Technik und die Medizinische Fakultät der spanischen Universität Miguel Hernandez.
Das Resultat des Programms bzw. Workshops soll aus einem White Paper bestehen, das neue Ideen und wissenschaftlich-technische Möglichkeiten aufzeigt, um das zu entwicklen, was die Fraunhofer Forschungsabteilung als ihren Forschungsgegenstand beschreibt:
Der Forschungsgegenstand der Abteilung ist die Entwicklung und Anwendung von intelligenten invasiven und nichtinvasiven Schnittstellen zum Nervensystem und ihre Nutzung sowohl für die Stimulation als auch Erfassung bioelektrischer Potenziale.
Das White Paper soll außerdem als Grundlage dienen, um Anknüpfungspunkte für Anschlussförderungen aus dem Topf des 7. Forschungsrahmenprogramms der EU zu finden.Die dafür benötigten Hard- und Softwarekomponenten werden entwickelt und gefertigt. Dabei reicht das Spektrum von miniaturisierten, implantierbaren Elektroden über Monitoringsysteme und Signalverarbeitung bis hin zur Applikation. Zu den Möglichkeiten der Nutzung menschlicher Emotionen zählen Anwendungen für Roboter- und Computersysteme, die einerseits die Systeme dazu befähigen sollen, menschliche Emotionen, die sich in Gestik und Gesichtsmimik ausdrücken, besser zu erkennen bzw. zu interpretieren und andererseits dazu beitragen, dass Robotersysteme selbst künstliche Emotionen ausdrücken können, die mit der Situation und den erkannten Emotionen des menschlichen Gegenübers übereinstimmen. Praktische Anwendungsfeldern wären zum Beispiel Service-Roboter, die medizinische oder betreuende Aufgaben in Haushalten wahrnehmen, deren Einsatz vor allem in Japan bereits bei älteren oder hilfebedürftigen Personen erprobt werden. Ein anderes Gebiet sind neue Computer-Mensch "Schnittstellen", die einem direktern und weniger technischen "Dialog" zwischen Computer und menschlichem Anwender dienen sollen, was zum Beispiel für comutergestützte e-Learning Systeme interessant wäre. Weitere Anwendungsfelder mit kritischerer Zielsetzung werden nur im "Vision Paper" der Forschungsgruppe genannt und nicht auf den Webseiten um das "Feel Europe" Projekt. Als relevant für die kommerzielle Verwertung stellen sich die Forscher Werbeplattformen vor, die anhand der emotionalen Reaktionen der Konsumenten bewerten, ob eine Werbung beim Konsumenten erfolgreich einschlägt, was man zum Beispiel für neuartige Werbedisplays und Werbetechniken nutzen könnte. Weitere Beispiele der Forscher sind PKWs, die automatisch besänftigende Musik einspielen oder erst gar nicht starten, wenn ihre "Emotionssensoren" starken Ärger oder Stress erkennen, PCs, die passend zur Emotion des Nutzers entsprechende Wallpaper einblenden (welch zivilisatorische Errungenschaft) oder CD-Player, die Friede-Freude-Eierkuchen Sound abspielen, wenn sie eine traurige Gemütsverfassung feststellen. ![]() Feel Europe Logo. Was den Forschern zuerst einfällt ist natürlich die "intelligente "Verhaltens-Videoüberwachung: ![]()
In öffentlichen Umgebungen wird Videoüberwachung zur Aufzeichnung von Personen und ihrer Aktivitäten angewendet, um vor allem Sicherheit zu bieten. Neue Methoden, Algorithmen und die wachsende Rechenkraft von Computern erlauben zu diesem Zweck die Auswertung von Videodaten in Echtzeit. Eine aktuelle Anwendung mit biometrischem Hintergrund ist die Identifizierung von Terroristen in öffentlichen Räumen und in diesem Zusammenhang die Analyse der Gesichtsausdrücke von Menschen, die in Verbindung zu Emotionen stehen. Weitere Forschungsaktivitäten decken die kontaktlose Aufzeichnung des Pulses mittels Thermografie und des EGG mittels Sensorik für elektrische Felder ab. Diese Beispiel sind noch nicht für den öffentlichen Einsatz geeignet, zeigen aber die Möglichkeiten und die Bedeutung des Messens von Biosignalen auf.
Was den Forschern außerdem einfällt, sind natürlich Lügendetektor-Systeme für Verdächtige "oder gar zur Kriminalitätsprävention", wie die Forscher zur kriminalistischen Relevanz ihrer Forschung ausführen:
In der Kriminalistik könnte eine zuverlässige Möglichkeit zur Messung von Emotionen eines Verdächtigen Polizeibeamte in die Lage versetzen, Lügen eines Verdächtigen zu durchschauen oder gar einem Verbrechen vozubeugen. Heutige Lügendetektoren messen nur Parameter wie den Puls oder den elektrischen Hautwiderstand. Um die daraus resultierenden Daten zu interpretieren, bedarf es einer speziell ausgebildeten Person. Deswegen ist so ein Test sehr kostenintensiv. Abseits davon sind diese Tests nicht sehr exakt und weisen die hohe Wahrscheinlichkeit von Fehlinterpretationen auf. Diese Tatsachen und die damit einhergehenen großen Auswirkungen auf das Leben eines Verdächtigen muss die Frage aufwerfen, ob solch ein Test ethisch gerechtfertigt ist. Man hat also auf der einen Seite den Wunsch der Gesellschaft nach Sicherheit und Schutz und auf der anderen Seite die Befürchtung, zu einer komplett gläsernen Person zu werden. Wegen dieser ehtischen Fragen sind diese Tests in den meisten Ländern als Beweismittel vor Gericht unzulässig.
Wie man an den Ausführungen zur kriminalistischen Relevanz und der Gesamtbeschreibung des Projekts ablesen kann, sollen im Rahmen von "Feel Europe" auch die ethischen Fragen und Konsequenzen eine Rolle spielen, die sich beim invasiven Messen von Emotionen, Gefühlen bzw. "Biosignalen" stellen. Aus meiner Sicht dient die ethische Bewertung mehr dazu, zu entwickelnden (und vermarktungsfähigen) biometrischen Techniken für die Ausbeutung menschlicher Emotionen direkt am Anfang den Ausweis ethischer Unbdenklichkeit ausstellen zu können und sie hinsichtlich ihrer Übereinstimmung mit rechtlichen Bestimmungen abzuklopfen.![]()
The project aims at developing a modular, robust, multimodal biometric security authentication and monitoring system which utilizes a biodynamic physiological profile, unique for each individual, and advancements of the state-of-the art in behavioural and other biometrics, such as facial, speech, gait recognition and seat based anthropometrics. HUMABIO also aims at creating the necessary enhanced security framework for the integration of the biometric authentication system to a corporate security grid or other controlled and monitored ambient intelligence environments, in order to guarantee trust and privacy concerning the citizen's personal biometric template and data.
Für die Öffentlichkeit wurde als praktische Anwendung ein Sensor-Sessel in den Vordergrund gestellt, der in PKWs und LKWs die Merkmale des Fahrers misst und auswertet, um zum Beispiel Warnungen bei Ermüdungserscheinungen auszugeben und so zu mehr Fahrsicherheit beizutragen. Die langfristige Vision der Wissenschaftler und Auftraggeber besteht aber darin, von jedem Individuum einer Bevölkerung ein vollständiges Set aller internen und externen Merkmale zu besitzen und als Profil in einer biometrischen Datenbank zu speichern, das dann mit einem umfassenden Sensor-System, welches für das Individuum möglichst unbemerkt im Hintergrund an jedem beliebigen Ort arbeitet, mit den aktuellen Merkmalen, Verhaltens- und Gefühlsäußerungen zur Identifizierung und Authentifizierung abgeglichen wird und für Prozesse verwendet werden kann, mit denen signifikante Auffälligkeiten und Abweichungen erkannt und aufgedeckt werden können. Ein weiteres Motiv besteht darin, auch die Individuen erfassen und überprüfen zu können, deren externe biometrische Merkmale sich nur schwer oder gar nicht auswerten lassen, wie es zum Beispiel bei Fingerabdrücken der Fall sein kann.The main objective of the project is to enhance the security infrastructure in the industry and generally in information sensitive environments, through the use of new types of biometrics that describe the person's internal rather than external physiology. The idea behind this new approach is that each person can be physiologically characterised by a set of internal physiological indicators, such as EEG or ECG features, that range between specific limits that differ for each individual. By knowing the variation range of all these physiological indicators or even detecting baseline features that show intra-personal stability and inter-personal variability, we can create a profile, a unique biodynamic signature of the individual. The project also plans the fusing of the individual's physiological signature with non-obtrusive voice, face and gait recognition systems and an anthropometric system that is based on pressure sensors integrated in seats, in order to enhance the security and reliability of the system but also increase its applicability to scenarios where the physiological profile of an individual cannot be obtained. This modular nature of HUMABIO will allow the creation of non-stop authentication systems that are transparent to the subject and can be part of a generic ambient intelligence security environment. ... Alles noch Zukunftmusik, aber im Raum der Überwachung und Kontrolle kann die Zukunft schneller eintreten, als man denkt. Zur "Einstimmung" am Ende eine kleine Auflistung der Individualmerkmale, die über Forschungsprogramme, Prototypen und Systeme im Einsatz für Sicherheitstechniken erschlossen werden bzw. sind:
Danger Room - Pentagon Explores 'Human Fear' Chemicals; Scare-Sensors, 'Contagious' Stress in the Works? über eine Studie der U. S. Army, die sich auf die Frage konzentriert, wie man menschliche "Alarm Pheromone" für "Angst-Sensoren" nutzbar machen könnte, um Kriminelle und Terroristen an ihrem "Geruch" zu erkennen. Telepolis - Computer liest Gedanken – fast
Geschrieben von Kai Raven
in Anonymität, Biometrie, CCTV / Video, Chips, DNA, Gesellschaft, Ökonomie, Politik, Terror, Wissenschaft
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11:03
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Rühr meine DNA nicht an - Samstag, 20. Oktober 2007
Zur Ergänzung des Beitrags Frankreichs Immigranten als Versuchskaninchen für die DNA-Erfassung berichtet das Electronic Privacy Information Center (EPIC) im Beitrag "French Protest DNA Database Law" des letzten Newsletter 14.21 über eine Demonstration gegen die DNA-Tests an Immigranten, die am 14. Oktober Paris stattfand.
![]() Demonstration gegen DNA-Tests in Paris. Foto links: AFP/Jean Ayissi. Foto rechts: AFP. Während an der Demonstration in Paris 6000 Franzosen teilnahmen, beteiligten sich an der Petition bis jetzt 262312 Franzosen.
![]() Abbildungen auf der Website der Petition. Die Maßnahmen gegen Immigranten und die DNA-Tests riefen bei der Demonstration auch Erinnerungen an die Kollaboration des Vichy-Regimes mit den Nazis wach. Ein Blick in die französischen Google News mit ADN (DNA) zeigt, dass in französischen Zeitungen wie Le Figaro, Le Monde oder Libération die rassistisch-faschistoiden Pläne der Sarkozy-Administration weiter ein großes Thema sind. Die Sarkozy-Administration wartet die Proteste ab, lässt dann Gras über die Sache wachsen und versucht es dann noch einmal, wie aus dem Daily Mail Artikel Illegal immigrants to be DNA tested under new crackdown in France vom 26. Januar 2009 hervorgeht. Siehe auch (vom 23.10.07): Deutsche Welle (tos) - Pariser Parlament beschließt Gentests für Einwanderer AP - 250.000 Franzosen wollen Gentests für Einwanderer verhindern TAZ - Frankreich entdeckt Einwanderer-Gen EDRi-gram - Französisches Immigrationsgesetz wird im Hinblick auf DNA und Biometrie aktualisiert
Geschrieben von Kai Raven
in Anti-Überwachung, Biometrie, DNA, Gesellschaft, Grundrecht, Politik
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19:38
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Portable DNA Analyse mit dem NEC Koffer - Mittwoch, 17. Oktober 2007
Als Optimum biometrischer Feststellung und Überprüfung der Identität gilt derzeit neben der Iriserkennung der Abgleich eines DNA "Fingerabdrucks". In DNA Datenbanken der Sicherheitsbehörden tummeln sich bereits Millionen von DNA Mustern, ID-Smartcards, die statt der aktuell diskutierten Fingerabdrücke Muster von DNA Sequenzen in ihren Chips vorhalten, gibt es schon seit Jahren, an polizeiliche Massengentests im Zuge von Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden hat sich die Bevölkerung fast gewöhnt und mobile Erhebungsgeräte, die Bio-Chips integrieren, auf denen ein Labor in Miniaturform nachgebildet ist, werden in den Labors entwickelt.
Auf diesem Gebiet hat der IT-Konzern NEC ein neues Produkt vorzuweisen, der ja auch auf allen anderen Gebieten der Sicherheitstechnik mehr als rege ist, seien es Videoüberwachungslösungen, die Gesichts- oder Fingerabdruckerkennung. Vorgestern stellte NEC das weltweit erste voll integrierte und portable DNA Analysegerät vor, das in handlicher Kofferform daherkommt und "Strafermittlungen wie auch der Kriminalitätsprävention" dienen soll: ![]() NEC DNA Analyse Koffer Foto: NEC. Das ist eine bemerkenswerte Zeitdauer, denn gerade der Zeitfaktor, das umständliche Prozedere durch das Einsenden von DNA Proben in forensische Labors und die dortige Analyse sind neben dem invasiven Charakter, die der DNA Erfassung anhaftet, stellt ein Hindernis dar, um die DNA als taugliches biometrisches Merkmal für die Massenanwendung zu nutzen. Mit höherer Integration, d. h. kleineren Analyseeinheiten, die eines Tages zu portablen Erfassungs- und Analysegeräten führen könnnen, die eine ähnliche Größe wie mobile Fingerabdruck- und Gesichtserfassungsgeräte erreichen und der weiteren Verbesserung der Verarbeitungsgeschwindigkeit wird sich der Präventionsstaat auch die DNA als letztes Merkmal für seine Identifizierungs- und Kontroll-Infrastrukturen nutzbar machen.
Geschrieben von Kai Raven
in Anonymität, Datenschutz, DNA, Gesellschaft, Ökonomie, Überwachung, Wissenschaft
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09:55
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Die Voight-Kampff Maschine für den Überwachungs-Komplex - Sonntag, 7. Oktober 2007
Zum wissenschaftlichen Forschungsprojekt zur biometrischen Überprüfung potentieller Terroristen, also uns allen, das ich später vorstelle, fällt mir eine Szene direkt am Anfang des Sci-Fi Films Blade Runner ein.
In der wird das Exemplar "Leon" der genetisch und künstlich gezüchteten Menschen, die die Bezeichnung "Replikanten" tragen, über ein Testverfahren mit der "Voight-Kampff Maschine" in einer typischen Verhörsituation von "Holden", einem Verhörspezialisten des Tyrell Konzerns, der die Replikanten herstellt, daraufhin überprüft, ob er ein echter Mensch ist oder ein Replikant. ![]() ![]()
Sie sind in einer Wüste. Sie gehen so durch den Sand. Sie gucken nach unten und sehen eine Chelone (Schildkröte), die auf Sie zukriecht. Sie bücken sich, greifen nach unten und drehen die Schildkröte auf den Rücken. Die Schildkröte liegt auf dem Rücken, ihr Bauch brät in der heißen Sonne. Sie strampelt mit den Beinen bei dem Versuch sich selbst umzudrehen, aber sie kann nicht. Nicht ohne Ihre Hilfe, aber sie helfen nicht. Wieso?
Dann kommt die Voight-Kampff Maschine zum Zuge, die u. a. Veränderungen der Augeniris, des Puls und Geruchsmoleküle der Transpirationen des Delinquenten misst und dem Verhörer mit ihrem Resultat anzeigt, ob es sich um einen Menschen oder Replikanten handelt:
![]() ![]() ![]() ![]() Laut der Pressemitteilung Technology Would Help Detect Terrorists Before They Strike der Universität von Buffalo wollen Wissenschaftler einer interdisziplinären Forschungsgruppe am Zentrum für vereinheitlichte Biometrie und Sensoren (CUBS) die erweiterte Form der "Voight-Kampff Maschine" konstruieren. Nur das deren Bezeichnung UB-STARS Plattform ("Unobtrusive Biometric - Sense, Transmit, Assess, and Respond System") lautet, mit der keine potentiellen Replikanten, sondern potentielle Terroristen überprüft und erkannt werden sollen. Das Forschungsteam beschreibt UB-STARS so: Unser Team konzentriert sich auf die Entwicklung einer ganzheitlichen biometrischen Plattform, die Gesicht, Stimme, Fingerabdrücke, Gangart, Handschrift, Reaktionen auf Stimulationen und den inneren wie äußeren chemischen Aufbau (z. B. DNA, Biomarker [Blutbestandteile, Hormone usw.], Restspuren explosiver Substanzen) eines Individuums in Echtzeit erkennen und beurteilen kann. Wir nennen diese neue Plattform das "unaufdringliche biometrische Abtastungs-, Übertragungs-, Bewertungs- und Beantwortungs-System (UB-STARS)".
Was alle Hersteller biometrischer Kontrollsysteme mit "Multi-Modaler Biometrie" umschreiben, beschränkt sich bisher auf den parallelen und gleichzeitigen Einsatz zweier oder dreier Biometrietechniken, zum Beispiel der Iriserkennung mit der Gesichtserkennung oder Gesichtsabgleich mit Fingerabdruckabgleich. Die Wissenschaftler in Bufallo wollen mehr erreichen, was nicht weniger ist als die Anwendung aller bekannten und neuen Biometrietechniken, die auch die Analyse des Verhaltens und der Psyche, also psychologische und Verhaltens-Biometrie einschließt.Das wird schon daran deutlich, dass am Biometrie-Zentrum zwei Hauptverantworliche Wissenschaftler aus zwei verschiedenen Disziplinen sind: Der Computerwissenschaftler und Gründer des Biometrie-Zentrums Dr. Venugopal Govindaraju, Experte für die Entwicklung von Algorithmen zur Musterkennung, maschinellen Selbstlernprozessen für Computer und Data-Mining Techniken am Zentrum für Analyse Zeichenerkennung von Dokumenten des Instituts für Computer Science and Engineering mit biometrischer Musterkennung als Steckenpferd und der Sozial- und Verhaltenspsychologe Dr. Mark Frank, Professor an der Fakultät der Kommunikationswissenschaften. Frank hat dort deshalb eine Position, weil sein Steckenpferd die Analyse nonverbaler Kommunikation als Mittel zur Aufdeckung von Lügen und die Erstellung von Verhaltensprofilen über die Analyse mikroskopischer Muskelbewegungen im Gesicht ist, mit der er nach Anzeichen von starker Nervosität fahndet, die auf Täuschung und Lüge hindeuten. Zu Mark Franks Forschung, die er in den Dienst des US-Heimatschutzministeriums und amerikanischer Sicherheitsbehörden stellt, gibt es vom Sender CBS das Kurz-Portrait Weeding Out Terrorists. In der Pressemitteilung der Universität erklären die beiden Partner Motivation, Anwendung und Ziele ihrer Forschung. Dr. Venugopal Govindaraju:
Das Ziel ist die Identifizierung des Täters in einer Überprüfungs-Situation, bevor er oder die Chance hat, den Angriff auszuführen.
Dr. Mark Frank:
Wir entwickeln einen Prototypen, der ein Video einer Anzahl von Überprüfungs-Situationen untersucht, um automatisch einen einzigen intergierten Schätzwert über die Wahrscheinlichkeit eines gesetzwidrigen Verhaltens produziert. Sobald eine Person zur Vernehmung hereinkommt, wird unser Programm damit beginnen, sein oder ihr Verhalten zu überwachen und spontan für das Individuum einen Grundwert zu berechnen. Keine einzelne biometrische Technik ist für alle Anwendungsbereiche geeignet. Hier im CUBS verfolgen wir den einzigartigen Ansatz, Technologien zu entwickeln, die verschiedene biometrische Techniken kombinieren und abstimmen, um besonderen Anforderungen zu entsprechen. In diesem Projekt konzentrieren wir uns auf die Frage, wie man verschiedene Verhaltensweisen analysieren und einen einzelnen Indikator für rechtswidriges Handeln erhalten kann. Keine Verhaltensweise garantiert immer, dass jemand lügt, aber Verhaltensweisen sagen Emotionen und Denken voraus und das kann dem Sicherheitsbeamten helfen zu entscheiden, ob er näher hinschauen muss.
In der Pressemitteilung werden als Anwender Grenz- und Zollbeamte, Polizeibeamte, Flughafenüberwacher wie die Verhaltensdetektive der SPOT-Teams, über die auch Telepolis in TSA setzt auf Sicherheitskräfte zur Verhaltenserkennung berichtete und Militärangehörige aufgeführt, "die jeden Tag Leuten insgeheim die Frage stellen: Bist Du ein Terrorist?"Stichprobenartige Überprüfungen sind zwar fair, aber sind sie effektiv? Die Frage ist, worauf Deine Entscheidung basiert – einer Zufallsauswahl, Deinem Bauchgefühl oder Wissenschaft? Wir glauben, Wissenschaft ist eine bessere Grundlage und wir hoffen, unser System wird zum Vorteil des Sicherheitspersonals. Was ich an der Arbeit mit Venu und seinem Team im CUBS mag, ist, dass sie neue Algorithmen erschaffen, die die aufregende Möglichkeit beinhalten, Informationen und Muster aufzudecken, die uns helfen, den potentiellen Bösewicht zu erkennen. Wir erwarten, dass die Kombination aus dem Verstehen des Verhaltens von Leuten mit der Entwicklung der Algorithmen den Gewinn bringt, bessere Voraussagen zu treffen. Die "Voight-Kampff Maschine" soll in ein paar Jahren sowohl bei "intensiven Verhören", worunter in den USA auch Foltersitzungen verstanden werden, als auch eher kurzen routinemäßigen Überprüfungen zum Einsatz kommen. Da man aber zum Beispiel bereits in Großbritannien zu Gange ist, Antragsteller für staatliche Hilfeleistungen mit Stimmenanalysesystemen zu überprüfen oder mit Lügendetektoren zu traktieren (was die "Voight-Kampff Maschine" auch ist), werden die "Voight-Kampff Maschinen" früher oder später überall zu finden sein, wo der Präventionsstaat meint, dass es etwas zu überprüfen, überwachen, kontrollieren und auszusortieren gilt. Das den Sicherheitsbhörden, Militärs und staatlichen Plattformen zur Umleitung von Steuergeldern in die Sicherheitsforschung und die Hersteller von Sicherheitstechnologien die Forschung an der Universität von Buffalo einiges wert ist, zeigt sich an den der Förderung über 798666 US$ der National Science Foundation (NSF), die bis 2010 für das Deceit Indication through Person Specific Behavioral Dynamics Projekt des Wissenschaftlerteams im Biometriezentrum an der Universität von Buffalo zur Entwicklung der "Voight-Kampff Maschine" zur Verfügung gestellt wurden. In der Zusammenfassung zur Förderung liest sich das Projekt so:
Eines der wichtigsten Ziele unseres Militär- und Heimatschutzpersonals ist die Ergreifung von Personen, die einen Angriff auf unsere militärischen und zivilen Einrichtungen planen, bevor sie zuschlagen können. Dieses Projekt beabsichtigt die Identifizierung, Interpretation und Entwicklung von Prozeduren zum automatischen Messen von Hinweisen, die von Personen durch ihre ausgedrückten Verhaltensweisen abgegeben werden, die Angriffe beabsichtigen, insbesondere wenn sie versuchen, ihre wahren Absichten zu verschleiern und duch vorgetäuschte Verhaltensweisen zu fingieren.
Zur angesprochenen vorherigen Forschung und den damit verbundenen Förderungen findet sich im Biometrie-Zentrum eine Aufstellung, nach der bereits vom US-Verteidigungsministerium von 2005 - 2007 anderthalb Millionen US$ für das "Erweiterte Biometrietechniken - Indikatoren für Täuschungen" Projekt und von der Forschungsabteilung der U.S. Armee 270000 US$ von 2004 - 2006 für Projekte zu "Multi-modalen biometrischen Systemen" von Govindaraju ausgegeben wurden, neben anderen Institutionen, die Projekte zu Fingerabdruckerkennung, Biometrie auf Smartcards, Gesichtserkennung und biometrischen Zugangskontrollsystemen förderten.Dieses Projekt verbessert vorherige Forschungen, weil es Verhaltensweisen untersucht, die es in weitaus realistischeren Szenarien mit hohem Einsatz aufzudecken gilt und die Aufdeckung durchführt, ohne irgendwelche Instrumente an die Person anzulegen, indem automatische Systeme des Maschinellen Lernens genutzt werden, die jeden Verhaltens-Indikator aufnehmen und die Modifizierungen erkennt, die am besten sind, um eine Person als wahrheitsliebend oder lügnerisch zu identifizieren. Diese Methode wird dann einen Prototypen hervorbringen, der Aufnahmen von Vernehmungssitzungen an Kontrollpunkten und in Verhörräumen untersucht und automatisch einen vereinheitlichten Schätzwert über die Wahrscheinlichkeit eines gesetzwidrigen Verhaltens ausgibt. Die größeren Auswirkungen des Projekts liegen darin, dass es Wissenschaftler der Verhaltens-, Computer- und Computerkonstruktions-Wissenschaften zusammenbringt, die ihre hochmodernen Mittel zum Entwurf eines Systems anwenden, dass das Potential hat, einen potentiellen Terroristen zu identifizieren, bevor er oder sie zuschlägt. Die durch die Kombination solch seltener Qualifikationen und Kenntnisse erzeugte Synergie wird nicht nur das Fachwissen über dieses spezielle Thema erweitern, sondern auch das anderer Forschungsbereiche wie der Sozialpsychologie, dem Maschinellem Sehen und automatischem Maschinellem Lernen. Aber auch Klein ging bisher nicht leer aus. An ihn gingen allein von der NSF seit 2005 über 300000 US$ für Projekte zur Verhaltensanalyse und der Entwicklung von Systemen zur automatischen Analyse von Gesichtsausdrücken (s. o), wie aus dem Artikel New Technologies Could Make Airport Screening More Effective and Less Cumbersome - Experts focus on identifying passenger ability and intent der National Science Foundation hervorgeht. Was den Entwicklern der "Voight-Kampff Maschine" und Verhaltensschnüfflern Steine in den Weg legen kann, ist die noch existente Fehleranfälligkeit jeder einzelnen biometrischen Analyse- und Identifizierungstechnik, die bei einem "integrierten" bzw. "multi-modalen" biometrischen Beschnüffelungssystem automatisch auch zu einer Aufsummierung der Fehler aller eingesetzten Biometrietechniken und damit einem falschen Ergebnis führt. Die Hinzunahme der Verhaltens- und Psycholgiewissenschaften – gerade im Sicherheitsbereich – birgt wiedrum die Gefahr in sich, von relativ statischen Verhaltensmustern auszugehen und paranoiden Klischees zu folgen, die man sich von potentiellen Angreifern macht. Und die wiederum könnten auf die Idee kommen, sich ebenfalls in flexiblen oder erwarteten Verhaltensweisen zu trainieren und sich mit Techniken beschäftigen, die der Kontrolle von Köperfunktionen dienen. Das wird jedoch die Sicherheitspolitiker, Unternehmen für Sicherheitstechniken und Wissenschaftler der Sicherheitsforschung nicht davon abhalten, die Forschung und Vermarktung, Herstellung, politische Verwendung und praktische Anwendung weiter zu forcieren. Die Objekte ihrer Kontroll- und Überwachungs-Allmachtsfantasien sind wir alle als Delinquenten an verschiedensten Orten. Siehe auch: Schneier on Security - More Behavioral Profiling (15.10.07) ScienceDaily - New Image Processing System Detects Moods (04.12.2008) und Technology that reads faces is turning heads (04.10.2008) in The Gazette über die Forschung von Prof Dr. Prabir Bhattacharya am CIISE der Concordia University, die mit der Forschung von Frank und Govindaraju deckungsgleich ist.
Geschrieben von Kai Raven
in Anonymität, Biometrie, CCTV / Video, Datenschutz, DNA, Gesellschaft, Grundrecht, Ökonomie, Politik, Rüstung, Terror, Wissenschaft
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Neuer Dystopie-Zugang: Paris 2054 - Renaissance - Freitag, 5. Oktober 2007
Ich habe meiner Dystopie-Videothek wieder eine DVD hinzugefügt. Diesmal ist es der Film Paris 2054 - Renaissance von Christian Volckman:
![]() Das Versprechen ewiger Jugend, Schönheit und Gesundheit ist es, mit dem der Konzern wirbt, mit dem der Film auf den gegenwärtigen "Anti-Aging", Schönheits- und verblassenden Jugendwahn anspielt. Hinter dem Verschwinden der Wissenschaftlerin stehen zynische Experimente des Konzern, die mit der Alterungs-Krankheit Progerie bei Kindern zu tun haben. Gedungene Ermordungs-Kommandos des Konzern, die in unsichtbarmachenden Tarnanzügen (woran zur Zeit tatsächlich geforscht wird) und Schnellfeuerwaffen umherstreifen, Videoüberwachungskameras, die in jeden Winkel der Moloch-artigen Stadt spähen können, Polizisten und Sicherheitspersonal, deren Augenimplantate (Augen-Bionik derzeit) auch das schwärzeste Dunkel durchdringen, Bürger, die in den öffentlichen Räumen der Stadt nur noch wie Ameisen herumwuseln, wenn sie nicht ihr Vergnügen in Clubs suchen, die Überflutung mit Werbung über Hologramme und Displays, gewissenlose und reumütige Wissenschaftler neben vereinsamten Polizisten sind nur ein paar der Zutaten des in reinem Schwarz-Weiß gehaltenen Animationsfilms, in dem es an bemerkenswerten Details nicht mangelt. Obwohl es sich um einen Animationsfilm für Erwachsene handelt, wirken die Personen durch die Technik des Motion Capture sehr ausdrucksstark und lebendig. Zugleich erinnert die schwarz-weiße Farbgebung ständig an Comics und Holzschnitte, die auch ein Gefühl der Kälte und Hoffnungslosigkeit vermittelt, die diese Dystopie durchzieht und die Stadt beherrscht. Das die tolle Filmmusik, die mit einem 80-köpfigen Orchester umgesetzt wird, fantastisch auf die Dramaturgie der Handlung und die Personen angepasst ist, braucht man eigentlich nicht mehr zu erwähnen. Unverkennbar sind die zahlreichen Einflüße und Anspielungen auf Filme wie Blade Runner, Brazil, Metropolis, Matrix, Sin City, Equilibrium, Minority Report – aber auch die klassischen Thriller des Film noir. Hier noch ein paar Eindrücke: Blick auf das Paris im Jahr 2054
Paris 2054 - Renaissance ist ein durchweg empfehlenswerter Film des Dystopie Genre, der vielen gefallen wird, die auf die oben erwähnten Filme stehen und die sich auch für Animationen begeistern können.
![]() ![]() Die Europäische Personalausweiskarte inklusvie DNA Muster, aller zehn Fingerabdrücke und 3D-Hologramm des Schädels sind 2054 kein Thema mehr ![]() Die Überwachungs- und Einsatz-Zentrale im Polizei-Hauptquartier ![]() Nacht-Sicht des Augen-Implantats eines Polizisten ![]() Hologramm-Werbung trifft potentiellen Freier in den Straßen von Paris ![]() ![]() Der Held im Dunkeln ![]() Der zynische "Avalon" Konzernchef ![]() mit Herrschaftsperspektive in der Firmenzentrale ![]() die das Zentrum von Paris dominiert ![]() Das einzige traurige Farbmoment im Film ![]()
Geschrieben von Kai Raven
in Anti-Überwachung, Biometrie, CCTV / Video, DNA, Film, Gesellschaft, Ökonomie, Politik, Wissenschaft
um
19:40
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Frankreichs Immigranten als Versuchskaninchen für die DNA-Erfassung - Samstag, 15. September 2007
Die Iris, das Gesicht bzw. den Kopf und die Fingerabdrücke können Regierungen bereits von allen Individuen als biometrische Merkmale erfassen. Die DNA nur, wenn Individuen Objekte von Strafverfolgung und Strafermittlungen werden. In Staaten wie Großbritannien reicht ein engerer Erstkontakt mit der Polizei, deshalb haben die Briten auch die größe DNA-Datenbank Europas.
Wie das BIODEV II Projekt zeigt, eignen sich Ausländer in ihrer Rolle als Visumantragsteller bzw. Immigranten neben sozialen Randgruppen und Kriminellen vorzüglich für die Erprobung neuer Infrastrukturen zur biometrischen Identifizierung und für neue Vorstöße zur biometrischen Totalerfassung des Individuums, denn für alle Personenkreise interessiert sich keine Sau und ihnen schlägt vom Rest der Bevölkerung üblicherweise Desinteresse, Ablehnung und Abscheu entgegen. Deshalb liegt es nahe, Visumantragsteller auch auf dem Gebiet der Erschließung der DNA als weiterem biometrischen Merkmal für den ganzen Sicherheitszirkus als Versuchskaninchen einzusetzen, mag sich die französische Sarkozy-Regierung gedacht haben, als sie durch ihren engen Vertrauten, den Abgeordneten Thierry Mariani, dem französischen Parlament einen neuen Plan für das zu novellierende Einwanderungsgesetz vorstellte, der DNA Tests für Immigranten vorsieht, über den man im Artikel France plans DNA testing on immigrants to stop illegal entry der britischen Zeitung Daily Mail aus Frankreich erfährt. Der Plan sieht vor, dass alle Immigranten inklusive der Kinder, die ein Visum für Frankreich über einen längeren Zeitraum als drei Monate mit der Begründung beantragen, dass sich bereits Familienmitglieder in Frankreich aufhalten, bei der Antragstellung von den französischen Behörden dazu aufgefordert werden, sich ihre DNA erfassen zu lassen, wenn sich für die Einreisebehörden "Zweifel an der Echtheit der vorgelegten Geburts- und Heiratsdokumente ergeben". Der Erfassung der DNA, die man dann wie die zehn Fingerabdrücke ebenfalls digitalisiert in der zentralen Datenbank des europäischen Visainformationssystems abspeichern könnte, folgt dann der Abgleich mit der DNA der in Frankreich lebenden und für die Behörden "angeblichen" Verwandten des Antragstellers. Das heißt, der Plan würde logischerweise die Totalerfassung aller Ausländer nach sich ziehen, die sich mit einem Visum in Frankreich aufhalten, denn sonst könnte man den Abgleich nicht durchführen. Es versteht sich für die Sarkozy-Regierung, dass die Antragsteller die Kosten des Tests, die laut des Artikels bei ca. 500 Euro liegen, selbst bezahlen, um den Abschreckungseffekt mitzunehmen. Als Sekundant der Pläne lieferte der Senator von Sarkozys Volksbewegungsunion Adrien Gouteyron im Sommer die passende Vorbereitung in Form eines Berichts, in dem die Behauptung aufgestellt wurde, dass in afrikanischen Ländern wie Senegal, Elfenbeinküste und Togo die Rate der gefälschten Geburts- und Heiratsdokumente bei achtzig Prozent liegen würde. Kein Wunder, dass neben Sarkozys populistischer Ankündigung, jedes jahr 25000 illegale Immigranten aus Frankreich zu deportieren auch die verschärfte Identitätsprüfung über die DNA-Erfassung bei Frankreichs Neofaschisten besonders gut ankommt. Laut dem EUobserver Artikel French deputies tighten immigration rules vom 20.09.2007 wurde das neue Einwanderungsgesetz inklusive der DNA-Erfassung am Freitag vom französischen Parlament angenommen. Über den Gesetzesteil zur DNA-Erfassung wurde in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag abgestimmt, 91 Abgeordnete stimmten für, 45 Abgeordnete gegen die DNA-Tests. Laut der französischen Zeitung Le Monde soll die DNA-Erfassung "vorerst" nur bis 2010 gelten. Wie der EUoberver weiter berichtet, enthält das Gesetz eine weitere Rechtsgrundlage, die auf den Minister für Einwanderung Brice Hortefeux zurückgeht, für die Durchführung von Volkszählungen, in denen auch die "rassische und ethnische Zugehörigkeit" für "Forschungen" zu Diskriminierung und Integration erhoben werden darf. Damit wird in Frankreich der Anfang einer Datenbasis geschaffen, die es einem faschistischen Regime in Frankreich erleichtern würde, einen neuen Genozid durchzuführen. Siehe auch: derStandard - Vaterschaftstest bei Familienzusammenführungen. tageszeitung - Familiennachzug nur nach Gentest. Telepolis - Einwanderer stärker nach ökonomischem Nutzen filtern.
Geschrieben von Kai Raven
in Biometrie, DNA, Gesellschaft, Grundrecht, Politik
um
23:09
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Euer Blut für die ubiquitäre ID-Gesellschaft - Freitag, 20. Juli 2007
Über das "Scannen" von Venenmustern zur Identifizierung und Authentifikation habe ich schon im Beitrag Biometrisch scannen bis aufs Blut berichtet.
Hitachi, einer der in dem Beitrag angeführten Hersteller dieser Technik, hat nun den Verkauf seines kompakten und kontaktlosen (die Asiaten mögen ja den Kontakt zwischen Hand und Scannern nicht) Fingervenen-Sensors PC-KCA100 angekündigt, der auch für den europäischen und nordamerikanischen Markt verfügbar ist und sich an PC-Nutzer richtet. In Japan werden von Hitachi seit Oktober 2006 solche Geräte verkauft. ![]() PC-KCA100 Fingervenen-Sensor von Hitachi. Abbildungen: Hitachi. Hitachi hat jetzt das Betriebssystem und verschiedene Anwendungen – inklusive Geräten für PC Log-ins und Geräten zur Authentifikation an Geldautomaten – für verschiedene Geschäftsfelder in Japan kommerzialisiert. Mit rund 80 Prozent aller Finanzinstitute in Japan, die bis Ende März 2007 (basierend auf unserer unabhängigen Marktanalyse zum Geldautomateneinsatz im Bankenbereich) biometrische Fingervenenerkennung übernommen haben, wird das Prüfgerät für Geldautomaten schnell zum de-facto Standard.
Darüber hinaus preist Hitachi die Venenscantechnik auf Messen, Konferenzen und in breitangelegten Werbekampagnen in ganz Japan auch als eines der biometrischen Verfahren an, die zur Identifikation und Authentifikation im Zentrum der eigenen "uVALUE" Projekte stehen, mit denen Hitachi am groß angelegten Plan der japanischen IT-Industrie und der japanischen Regierung teilnimmt, Japan bis 2010 in eine "ubiquitäre Informationsgesellschaft" zu transformieren.
We are at the dawn of a new era in which information can be transmitted any time, any place,
and between anyone. By making better use of information networks, the barriers among
enterprises, communities, and individuals are being broken down to create new values that
combine and interconnect in a new "ubiquitous information society." The Hitachi Group is creating value for the "ubiquitous information society" by combining achievements in various business areas with information technology, and thus helping society to become more affluent. Combining businesses and information technology to create optimal value is the essence of Hitachi "uVALUE."
In diesen Gesellschaften, deren Entwicklung auch die Europäische Union in Kooperation mit der IT-Industrie und Forschungseinrichtungen in Europa vorantreibt, wird für Bürger und Konsumenten nichts mehr ohne allgegenwärtige Identifizierung und Lokalisierung über Abgabe und Abgleich biometrischer Merkmale wie Fingervenen, Fingerabdrücken, Augeniris und später der DNA gehen, die in staatlichen und kommerziellen biometrischen Datenbanken und auf den überall verbreiteten RFID Chips des Internets der Dinge und Personen gespeichert sind – egal, ob man ein paar Äpfel im Supermarkt kauft, eine Reise unternimmt, eine Arbeitsstelle annimmt, mit Bus und Bahn fährt oder das Internet nutzt.
Aus einer Mitteilung des Hitachi Hauptquatiers für Forschung und Entwicklung. ![]() ![]() Biometrischen Merkmale, die bereits genutzt werden, das Fingervenen-Scan Versprechen, ubiquitärer Einsatz und die damit verbundenen Profiterwartungen. Aus dem Hitachi Flash-Werbefilm Finger vein patterns are opening up a new future. Im Jahr 2009 legte der Sony Konzern mit der Ankündigung seines kompakten Fingervenen-Scanner Systems namens "mofiria" nach, von dem sich Sony verspricht, dass es sich für den Einbau in Laptops, PCs, Handys und an Sicherheitsschleusen vermarkten lässt. Aus der Ankündigung: ![]() "mofiria" uses a unique method where a CMOS sensor diagonally captures scattered light inside the finger veins, making a plane layout possible. As a result, a small and more flexible design can be realized in building this technology into mobile devices. The vein pattern is extracted from the captured finger vein image, and data from the pattern is compressed into the size of one-tenth to store in memory, which makes it possible for the data to be stored on a mobile device. Siehe auch: Times - Blood scanner to stamp out impersonation vom 2. August 2008 über die Einführung von Venen-Scannern ab 2009 zur Überprüfung von 250000 Studenten, die sich an Wirtschaftshochschulen einschreiben wollen. Times - Why veins could replace fingerprints and retinas as most secure form of ID vom 11. November 2008 über Hitatchis Fingervenenscanner, dessen Technik die Easydentic Group in ihre Biovein Zugangskontrollsysteme intergieren wird. Die kann man auch zur Authentifikation von Angestellten, Bankautomatkunden oder PC-Nutzern verwenden.
Geschrieben von Kai Raven
in Anonymität, Biometrie, Chips, Data Mining / Fusion, Datenschutz, DNA, Gesellschaft, Politik
um
11:47
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