Googles Street View - 13.08.2010
Was haltet Ihr eigentlich von den Diskussionen um Google Street View und den Widersprüchen, die man dagegen einlegen kann?
Ich bin da z. Zt. zwiespältiger Meinung. Mir gefällt der sommerlöchrige Negativ-Hype und die Konzentration auf Google überhaupt nicht. Ich finde, dass es schon einen Unterschied macht, ob ein Heer von Privatpersonen mit ihren Digicams durch die Straßen zieht und Aufnahmen zu privaten Zwecken (wenn auch mit zusätzlicher Zurschaustellung über die Foto- und Videoportale) ohne Profitabsichten oder Data Fusion Aktionen macht oder ein Konzern wie Google, dessen Produkte nicht nur für eigene Interessen auf den Markt kommen, sondern auch von Sicherheitsbehörden genutzt werden. Aber andererseits - was ist jetzt genau der Unterschied zu Google Earth und ähnlichen satellitengestützten Diensten, die stillschweigend von allen genutzt und akzeptiert werden - doch eigentlich nur die horizontale statt der vertikalen Perspektive. Und was die Perspektive angeht, trifft ein Interesse an Googles Erderschließung auf ein nahezu völliges Desinteresse an der Erderkundung und -aufklärung durch ein immer größer werdendes Kontingent an Überwachungs-Drohnen und -Satelliten der zivilen und militärischen Sicherheitskräfte. Fühlt man seine Privatsphäre dort besser geschützt und aufgehoben? Und sofern Personen und PKW-Kennzeichen tatsächlich und nicht reversibel unkenntlich, also nicht identifizierbar gemacht werden, Google keine Aufnahmen von privaten "Räumen" oder in private "Räume" hinein für Street View macht und es kein Echtzeit-System ist, in dem man Personen und Fahrzeuge live verfolgen kann, wäre ein Profiling und Tracking schwierig bis unmöglich. Dann denke ich wiederum an den Versuch der systematischen und gleichzeitigen Erfassung und Kartierung von WLAN-Hotspots oder dem vermuteten Interesse Googles, Google Earth mittels Nahaufnahmen per Quadrocopter-Drohnen in die "Tiefe des Raumes" aufzurüsten (beides lässt sich auch kombinieren), um mal einen militärischen Begriff zu verwenden. Das steht eigentlich nur für ein paar von vielen Layern, die sich zukünftig zusätzlich zu den bekannten "Ansichten" über Google Earth, Street View und Maps legen könnten. Denkt man diese Layer mit Geolokalisierungs- und Identifizierungs-Funktionen in bald allen technischen "Beacons", die man am oder irgendwann im Leib bei sich trägt, dem Drang, die komplette Realwelt per Ubiquitous Computing und Augmented Reality mit virtuellen Layern zu überlagen bzw. zu erschließen oder den gleichen Drang zur Datenverarbeitung und -visualisierung in Echtzeit mit Googles Street View zusammen und weiter, dann kommt man irgendwann woanders hin. Zu einer Verschmelzung aller Google Erderfassungssysteme, in der Bilder, Aufnahmen und Daten dynamisch, fast "lebendig" generiert und dargestellt werden, in denen jedes sich darin bewegende oder befindliche Objekt von einem sematischen Web an Zusatzinformationen, Querverweisen und Ursprüngen umgeben ist. Und zu den Objekten könnten dann auch ich mit meinen Arbeits- und Lebensorten zählen. Vorbeugend und als Signal doch Widerspruch gegen Street View einlegen?
Geschrieben von Kai Raven
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Flug und Fluch des Wellenreiters - 27.05.2010
Da wir es in den beiden Beiträgen Mit MACH-10 in den Orbit und in den Krieg und Maschinen für den schnellen globalen Kriegseinsatz bereits mit der beschleunigten Kriegsführung per Ramjet / Scramjet Hyperschall-Antrieben für die Realisierung der schlagartigen Global Strike Angriffswünsche des US-Militärs zu tun hatten, an dieser Stelle der Hinweis auf ein weiteres, von der US Air Force als "historisch" bezeichnetes Ereignis, das am 26. Mai 2010 über dem Point Mugu Naval Air Warfare Center Sea Range Testgebiet im Pazifischen Ozean stattfand.
Wie die Wright-Patterson Air Force Basis in ihrer Pressemeldung X-51 Waverider makes historic hypersonic flight mitteilte, wurde gestern mit einem B-52 Stratofortress Bomber die experimentelle X-51A Waverider Testrakete in einer Höhe von 50000 Fuß über dem Testgebiet ausgeklinkt. Danach beschleunigte ein taktischer Raketen-Booster der Army die X-51A Waverider zunächst auf eine Geschwindigkeit von Mach 4,8. Nach Abkoppelung des Boosters wurde der Scramjet Antrieb aktiviert, der von dem Unternehmen Pratt & Whitney Rocketdyne (klingt auch ein wenig nach Cyberdyne Systems, gell?) gebaut wurde. Weitere Beteiligte am Bau und der Konstruktion der X-51A sind die DARPA, die Skunkworks Abteilung für experimentelle Fluggeräte bei Boeing und das Air Force Research Laboratory. ![]() X-51A Waverider Foto: Wright-Patterson Air Force Base / Pratt & Whitney Rocketdyne. Der Scramjet Antrieb und beschleunigte die X-51A für weitere 200 Sekunden. Dabei erhöhte sich die Geschwindigkeit der X-51A noch einmal auf Mach 5. Zum Vergleich: Die Spitzen-Geschwindigkeit der SR-71 Blackbird von Lockheed lag bei ca. Mach 3, ein Marschflugkörper wie die deutsch-spanische Taurus Cruise Missile erreicht maximal Mach 0,95, die Hellfire Raketen Mach 1,7. Eigentlich war laut der Ankündigung des Testflugs eine Dauer von 5 Minuten bei einer Spitzengeschwindigkeit von Mach 6 geplant, aber wegen einer "Antriebs-Anomalie" wurde der Flug nach 200 Sekunden abgebrochen. Im Vergleich zu den 10 - 16 Sekunden bei Mach 7 der X-43A Testrakete im Jahr 2004 (s. Links oben) aber ein weiterer Hüpfer vorwärts. Zumal auch dieser Testflug der Gewinnung von Daten über die Flugeigenschaften, das verwendete Material und die Stabilität des Flugkörpers für weitere Experimente diente. Das sich nicht nur das US-Miltär für den Scramjet interessiert, u. a. als neuer Antrieb für zukünftige Mittel- und Langstreckenrakete, für die Abwehr-Raketen ihrer "Schutzschirme" gegen Langstrecken- bzw. Interkontinental-Raketen, für unbemannte Killer-Drohnen oder gar für Truppen-Transporter, wurde ja bereits andernorts erwähnt. Spätestens in ein, zwei Jahrzehnten soll es was werden mit dem Scramjet, was ja passend wäre, wenn bis dahin global überall die Hütte brennt. Wer sich Videos anschauen will: Bei DVIDS gibt es ein Video zu den Vorbereitungen, dem Start mit dem B-52 Bomber und dem Testflug der X-51A. Interessant ist auch der Artikel Hypersonic Cruise Missile: America's New Global Strike Weapon von Noah Shachtman bei Popular Mechanics. Das Ares Weblog der Aviation Week berichtete im Beitrag Hypersonic BrahMos Missile Ready for Testing by 2015 über die BrahMos Überschall-Marschflugkörper, einem russisch-indischen Gemeinschaftsprojekt, das laut der Aussage des BrahMos Aerospace CEO im Ares Beitrag eine Hyperschall-Version des Raketensystems in der Planung hat. Testbeginn wie gesagt ab 2015.
Geschrieben von Kai Raven
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Digitale DNA und Fingerabdrücke für DARPAs Cyber Genome Programm - 27.01.2010"Ziel des Cyber Genome Programms ist es, revolutionäre Techniken für Cyber-Verteidigung und -Ermittlungen zur Sammlung, Identifizierung, Charakterisierung und Einordnung der Eigenschaften und Verbindungen von digitalen Artefakten zu entwicklen, die von Software, Daten und / oder Nutzern erfasst wurden, um die Strafverfolgungsbehörden, Spionageabwehr und Cyber-Verteidigungsteams des US-Verteidigungsministeriums zu unterstützen. Digitale Artefakte können von aktuellen Systemen (traditionelle Computer, PDAs und / oder verteilten Informationssystemen wie "Cloud Computer") erfasst werden, von kabelgebundenen und Fun-Netzwerken oder von Speichermedien. Die zu erfassenden Formate können elektronische Dokumente oder Software (um bösartige Software - Malware einzuschließen) umfassen. Das Cyber Genome Programm wird verschiedene Programmphasen und Technikfelder umspannen. Jedes der Technikfelder wird das Cyber Äquivalent zu Fingerabdrücken oder zur DNA entwicklen, um das digitale Gegenstück zu Genotypen genauso wie zu beobachteten und von ihnen abgeleiteten Phänotypen zu entwickeln, um Identität, Abstammung und den Ursprung digitaler Artefakte und Butzer zu bestimmen."
So lautet die verquaste und nebulöse Zielbeschreibung eines der neuen Programme des Strategic Technology Office der DARPA, die sie ständig ausstößt, anlässlich der Einladung zu einer ersten Informationsveranstaltung für interessierte Forschungseinrichtungen und Unternehmen, die während der vierjährigen Laufzeit von den 43 Millionen US$ profitieren wollen, die für das Cyber Genome Programm von der DARPA ausgeschüttet werden.Diskussionen, Programme und Politik zu Cyber-Defense, Cyber-Crime, Cyber-Spionage, Cyber-Terrorismus und Cyber-War haben ja international und insbesondere in den USA zur Zeit Hochkonjunktur. Nach den konventionellen Kriegen der Vergangenheit und Gegenwart, den Drohungen von Kriegen und Anschlägen mit ABC-Waffen, nachdem auch der Orbit mit Spionagesatelliten und militärischen Abwehrsystemen kolonisiert wurde und die kleine oder organisierten Kriminalität im Real-Life plagt, drängen sich seit einiger Zeit die militärischen und polizeilichen Fronten im Internet und in Netzwerken in den Mittelpunkt. Je nach Ausrichtung sind es mal wieder die "Horden der gelben Gefahr", die ihre Hacker- und Spionagebrigaden ins virtuelle Feld führen oder die "ausländischen Spione des Westens", die zu "Cyber" Krieg und "Cyber" Spionage blasen. Übergreifend geeint im Krieg gegen einen nicht-staatlichen "Cyber" Terrorismus als Fortsetzung des "Krieges gegen den Terror" mit Militär- und Polizeinsatz außerhalb der Netze, der bis jetzt mehr als Schreckgespenst existiert. Und wäre es nicht schrecklich genug, gibt es auch noch das große Feld der "Cyber" Kriminellen, denen – wenn man den Pressemeldungen und -mitteilungen folgen will – tagtäglich Millionen zum Opfer fallen und die Millionen von Internetnutzern, die sich "cyber-kriminell" betätigen können oder das Potential zum "Cyber-Kriminellen" oder "Cyber-Terroristen" in sich bergen, wenn man sie und das Netz nicht der fürsorgenden und strengen Regulierung, Kontrolle, Überwachung und Strafverfolgung unterwirft. Tatsächlich gibt es vieles vom "Cyber-Bösen" – mehr oder weniger. Eben vieles, was auch außerhalb der Netze und Netzwerke existiert und sich technisch umsetzen lässt. Ist ja eine Binsenweisheit. Deshalb ist verständlich, dass man auch in Unternehmen, staatlichen Institutionen, Netzwerken und im Internet tatsächlichen Bedrohungen und Gefahren mit sinnvollen und abgewogenen Maßnahmen und Techniken begegnet. Das sich darüber alle Geister streiten und das Pendel im letzten Jahrzehnt immer mehr und einseitig in Richtung Sicherheit und Ordnung ausgeschlagen ist, dürfte klar sein. So mag auch ein Projekt wie das "Cyber Genome Programm" wie viele ähnliche Programme nur ein zweckmäßiger Ansatz zur Bekämpfung des "Cyber-Bösen" sein, wenn es nicht schon aufgrund seiner nebulösen Umschreibung nach Dingen wie Techniken zur "Online-Durchsuchung", der Deep Packet Inspection Durchleuchtung in Systemen wie Einstein, dem Durchsieben des Netzwerkverkehrs mit Überwachungsprogrammen, der Nutzeridentifizierung oder der IP-Spurverfolgung stinken würde. Zumal, wenn eine eine Behörde des US-Militärs, das sich auf dem Gebiet der "Sammlung, Identifizierung, Charakterisierung und Einordnung" biometrischer Merkmale sehr engagiert zeigt, davon anfängt, Begriffe und Techniken der DNA- und Genom-Analyse auf uns und unsere Daten zu übertragen. Siehe auch: NewScientist - A telescope that sets its sights on cyber-crime (04.02.2010) Federal Computer Week - DARPA: Calling all cyber geneticists (29.01.2010) Federal Computer Week - DARPA eyes digital fingerprints to track computer attacks (26.01.2010) Heise - Europäischer Polizeikongress: Deutschland stellt sich der Cyber-Herausforderung (02.02.2010)
Geschrieben von Kai Raven
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11:16
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Bundeswehr leiht sich ein paar Überwachungsdrohnen - 28.10.2009
Über die Pläne der Bundeswehr, sich mit Predator B oder Heron eine größere Drohne für ihr Drohnen-Programm zuzulegen, hatte ich in den Beiträgen Kleine und große Drohnen der Bundeswehr und Drohnen im Radioäther und in der Luft berichtet. Laut der Rheinmetall Pressemitteilung Heron-Aufklärungsdrohnen für die Bundeswehr - Verbesserter Schutz für die deutschen Truppen in Afghanistan scheint man sich vorerst auf die Heron-1 Drohne geeinigt zu haben.
Für den "Deal" haben sich die beiden Rüstungskonzerne Rheinmetall – die bereits ein großes Kontingent der Drohnen im Programm der Bundeswehr stellen und Israel Aerospace Industries (IAI) zusammen mit dem BWB ein Ausleih-Modell ausgedacht. Denn statt des Kaufs einer Drohne hat das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB), bei dem es wie gewohnt keine aktuellen Informationen gibt, einen Service-Vertrag mit den Konzernen unterzeichntet, der für nicht genannte Millionenbeiträge das Leasing der Drohne für die Bundeswehr vorsieht. Genaue Zahlen könnten ja mal Abgeordnete der neuen Opposition über eine Anfrage in Erfahrung bringen. Der Leasing-Vertrag läuft zunächst für ein jahr mit der Option der Verlängerung um zwei weitere Jahre. ![]() Heron-1 Drohne in den Vortragsfolien von OTL H.-G. Neuhaus: "Nutzung von Aufklärungsergebnissen im Einsatzgebiet". Abseits der konkreten Aufträge in Afghanistan und anderen Gebieten wird die Heron Drohne eine der ersten Drohnen mit mittlerer Flughöhe und langer Einsatzdauer (MALE, Medium Altitude Long Endurance) sein, die neben den EuroHawk Drohnen und den SAR-Lupe Satelliten von der Bundeswehr als wichtige Komponente des "Systems Abbildender Aufklärung in der Tiefe des Einsatzgebietes" (SAATEG) eingesetzt wird. ![]() ![]() Bilder von der Zeremonie in Palmdale, Kalifornien am 9.10.2009 anlässlich der Vorstellung der ersten Euro Hawk Drohne der EuroHawk GmbH (Northrop Grumman & EADS) – der deutschen / europäischen Version der amerikanischen Global Hawk HALE (High Altitude Ling Endurance) Drohne – für COMINT / ELINT Überwachungsmissionen der Bundeswehr und der NATO vor Vertretern der Luftwaffe, des Bundesverteidigungsministeriums und der beiden Konzerne. Quelle: Northrop Grumman. Wie das Ares Weblog am 11.02.2010 in dem Beitrag German Heron Prepares for Afghanistan mitteilte, werden ab März 2010 drei Heron-1 Drohnen der Luftwaffe mit einer Bodenkontrollstation für die taktische Luftaufklärung nach Afghanistan verlegt und sind dort dem Regionalkommando Nord der ISAF unterstellt. Siehe auch: Luftwaffe - Vom Flugzeugführer zum Operator für unbemannte Luftfahrzeuge (08.03.2010) Luftwaffe - Projekt HERON 1 auf gutem Weg (16.02.2010) Defence Professional - Rheinmetall Defence and Israel Aerospace Industries to Provide ISR Services for German Armed Forces in Afghanistan Ares Blog - Luftwaffe MALE UAV Deal NDR - Sendemanuskript Leasen statt kaufen – warum die Luftwaffe für Afghanistan nicht die eigentlich gewünschten Aufklärungsdrohnen bekommt vom 25.07.2009 DIP - Antwort der Bundesregierung zur Anfrage der FDP zum "Stand der Einführung Unbemannter Luftfahrzeuge (Unmanned Aerial Vehicles) in die Bundeswehr" vom 15.01.2009
Geschrieben von Kai Raven
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15:05
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Nächste Generation der biometrischen Vollerfassung in den USA gestartet - 13.02.2009
Wie die Biometrics Task Force des US-Verteidigungsministeriums in ihrer aktuellen Aussendung mitteilte, wurde am 30. Januar 2009 das "Next Generation Automated Biometric Identification System" (ABIS) (NGA) in Betrieb genommen und das bisherige "Automated Biometric Information System" (ABIS) aufs Altenteil geschickt, sprich es wird als Backup für das ABIS NGA dienen.
Das militärische ABIS NGA für alle US-Streitkräfte und das zivile "Next Generation Identification System" (NGI) für alle Polizei- und Geheimdienstbehörden sind die beiden Multimilliarden-Dollar "Manhattan Projekte" auf dem Gebiet der Biometrie, die unter der Bush-Regierung angestoßen wurden und für die Bush Mitte 2008 noch schnell eine unterstützende Direktive erlassen hatte. Im Grunde sind ABIS NGA und NGI nur zwei Seiten eines Systems zur Erfassung, Speicherung, dem Austausch und der Nutzung aller biometrischen Merkmale, deren man habhaft werden kann, denn beide System sollen aufgrund der gleichen Datenbanken, Protokolle und Formate vollständig komplementär zueinander funktionieren. Langfristig sollen die beiden Systeme mit weiteren Datenbanken in einer gigantischen Plattform fusionieren, an die dann in einem weiteren Schritt Biometrie-Datenbanken von Staaten oder Gemeinschaften wie der EU angebunden werden, um so zu einem verteilten, den Globus umspannenden Biometrie Datenbank-Verbund zu mutieren, der sich dann zum Beispiel für Identifizierungs- und Authentifizierungszwecke über biometrische Erkennungssysteme in Videoüberwachungskameras, mit mobilen Überprüfungsgeräten, in Kontroll-Stellen an Grenzübergängen, Sicherheits-Schleusen in Gebäuden und dem Abgleich biometrischer Merkmale, die in elektronischen ID-Dokumenten gespeichert sind, von jedem angeschlossenen Staat und Streitkräften nach der Okkupation eines Landes nutzen ließe. Bedingung und Unterstützung der ehrgeizigen Langzeit-Pläne stellt die Angleichung und Harmonsierung der eingesetzten Datenbankstrukturen, Datenformate und Protokolle in allen Staaten und Staatengemeinschaften dar, die sich eines Tages in der Form zusammenschließen wollen. Ein Prozess, der zum Beispiel in der Europäischen Union mit dem Vetrag von Prüm und bilateralen Austausch-Abkommen eingesetzt hat. Zum jetzigen Anwerfen der ABIS NGA Maschinerie heißt es im Next Generation ABIS Improves Biometric Response to Warfighter Beitrag der Biometrics Task Force, dass das alte ABIS ausgelegt war, 2 Millionen Einträge zu speichern und 2000 Datentransaktionen pro Tag zu bewältigen. Die ABIS Datenbanken verzeichnen aber bereits jetzt 3 Millionen Einträge, die für zu lange Antwortzeiten bei Abfragen sorgten. Demgegenüber wird ABIS NGA 4,2 Millionen Einträge speichern und 8000 Datentransaktionen pro Tag handeln können bei einer erwarteten Antwortzeit von 2 - 10 Minuten, auch wenn eine Abfrage zum Abgleich oder zur Speicherung im Irak oder in Afghanistan erfolgt, mit deren Bevölkerung die biometrische Erfassung und der Abgleich gegen das militärische Biometrie-System durchexerziert wird. Anders als das alte ABIS ist das ABIS NGA von Anfang an multimodal und modular ausgelegt. Das heißt, es speichert und verarbeitet neben den biografischen persönlichen Daten biometrische Fingerabdrücke, Gesichtsbilder, Irismuster und Handabdrücke parallel nebeneinander – mit der Option weitere biometrische Merkmaldaten in den Prozess einzufügen und das ABIS NGA Netzwerk mit seinen Datenbanken beliebig zu erweitern. Daneben heben die am Projekt beteiligten Techniker und Offiziere hervor, dass man neue "Fusions"-Algorithmen integriert habe, die zu einer geringeren Sichtung und Nachbearbeitung der biometrischen Daten durch menschliche Experten führen und den Vorgang der Durchsuchung aller biometrischer Merkmale, des Abgleichs über alle Merkmale und der Zuordnung zu einer Person drastisch automatisiert. In der Mitteilung drückte das der Produkt-Direktor für die "Biometric Enterprise Core Capability (BECC)" Greg Fritz so aus: "The new technology and the fusion algorithm are the kickers, not only does the new system provide better matching algorithms against four distinct biometric modalities, it is also able to synthesize what would formerly be 'maybe' matches (yellow resolves) in a single modality into automatic matches across multiple modalities. This means that, around the clock, NGA will make more 'lights out' automatic identifications, dramatically improving biometric support to Warfighters around the globe."
Geschrieben von Kai Raven
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14:13
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Drohnen für Skynet - 28.01.2009
Die Europäische Verteidigungsagentur (EDA) plaudert in der Februarausgabe ihres Bulletin über zukünftige Strategien und Projekte.
Zwei der Projekte drehen sich um die Entwicklung einer gemeinsamen Überwachungs- und Killer-Drohne. Wie es in dem Bulletin heißt, hatte man 2006 für eine unbemannte ISTAR ("Intelligence, Surveillance, Target Acquisition and Reconnaissance") Sensor-Plattform für Kriegsschiffe die Initiative zur Entwicklung und Bau der "Maritime Tactical Unmanned Aerial System" (MTUAS) Drohne gestartet. Da taktische Drohnen natürlich auch bei Luftwaffen, Landstreitkräften und militärischen Spezialkommandos immer mehr Verwendung finden, dachte man sich die Drohne so zu konzipieren, dass sie zukünftig für alle Streitkräfte geeignet ist und benannte die MTUAS Initiative in das "Future Unmanned Aerial Systems" (FUAS) Projekt um, an dem zur Zeit neben Deutschland Finnland, Frankreich, Polen, Portugal, Spanien und Schweden teilnimmt. Witzig ist die beigefügte Abbildung im Beitrag, denn es zeigt die taktische Langstrecken-Drohne Taranis, die seit 2006 bis 2010 von Großbritannien, das gar nicht am FUAS Projekt beteiligt ist, für Erprobungszwecke in Eigenregie von BAE Systems entwickelt wird. ![]() Taranis im EDA Bulletin. Abbildung: EDA. ![]() Taranis von BAE Systems über malerischer britischer Landschaft. Abbildung: Brit. Ministry of Defense. ![]() ![]() nEUROn als Modell im ONERA Windkanal und in einer künstlerischen Studie. Abbildungen: Dassult Aviation. Wie Dassault mit Neid anmerkt, fliegen andernorts Drohnen wie "Taranis", "nEUROn" oder das angedachte europäische FUAS bereits Probeeinsätze von Flugzeugträgern und üben Raketenabschüsse. Wie das neueste unbemannte Kampf-Flugsystem (Unmanned Combat Air System, UCAS) X-47B UCAS-D aus der X-4X Reihe von Northrop Grumman, das vom Rüstungskonzern Mitte Dezember 2008 präsentiert wurde. Zwei X-47B Test-Drohnen "A-1" und "A-2" werden zum Ende dieses Jahres von der U. S. Navy in den Erprobungsdienst gestellt, mit der ersten Landung auf einem Flugzeugträger im Jahr 2011, wie u. a. die Aviation Week im Beitrag Control Study For First Stealthy UCAS berichtete. ![]() ![]() X-47B UCAS-D Abbildungen: Northrop Grumman ![]() Eine der neuen Überwachungsdrohnen aus Lockheed Martins "Advanced Development Programs" aka "Skunk Works", das RQ-170 Sentinel UAV mit Stealth Eigenschaften. Auch als "Beast of Kandahar" bekannt, weil es zuerst am internationalen Flughafen Kandahar in Afghanistan gesichtet wurde. Von der U. S. Air Force wird das "Biest" zur Aufklärung und Überwachung über Afghanistan, Pakistan, Iran und Nordkorea eingesetzt. Bei der Studie geht es um die Problemlösungen, die bereits im Beitrag Sportliche Videoüberwachung aus der Luft in der Schweiz behandelt wurden: Wie bringt man unbemannt oder später autonom fliegende Drohnen im zivilen Luftraum unter, ohne das es zu Behinderungen und Kollisionen in den Luftkorridoren kommt. Die Frage stellt sich besonders, wenn man es in ein paar Jahren nicht mehr nur mit den im Vergleich "gemächlich" fliegenden Drohnen mit Propellerantrieb zu tun hat, sondern mit militärischen Drohnen, die mit Strahltriebwerken den europäischen Luftraum kreuzen. Daneben widmet sich die SIGAT Studie insbesondere der Frage, wie die Neuordnung der Funkfrequenzen aussehen muss, um dem Bedarf militärischer Überwachungs- und Killer-Drohnen gerecht zu werden und die Zuweisung des Funkfrequenzsprektrums so zu gestalten, dass es mit dem des internationalen und europäischen Luftfahrtverkehrs harmoniert. Denn solche Drohnen benötigen Bandbreite nicht nur zur Steuerung und Kontrolle durch die Bodenstationen, sondern auch eine Menge, um sich untereinander bei Schwarm-Formationen zu koordinieren und eingesammelte Radar-, Videoüberwachungs- und Zielerfassungsdaten wieder zurückzufunken. Ein weiteres Motiv ist der Umstand, dass sich diese Fragen auch alle anderen Staaten im Ausland stellen, die ebenfalls über eine nennesnwerte Drohnen-Industrie verfügen oder sie gerade aufbauen, wie die USA, Israel und China. Diese Staaten und die dort beheimateten Rüstungskonzerne wollen solche Fragen natürlich in ihrem Sinne lösen und mit der SIGAT Studie bereitet man sich in Europa auf kommende Verhandlungen auf internationaler Ebene vor, um Antworten im Interesse der EDA und der europäischen Rüstungskonzerne liefern zu können. Siehe auch: Defense Industry Dailys Beitrag In the Loop? Armed Robots and the Future of War vom 28.01.2009, Danger Rooms Interview in Inside the Rise of the Warbots vom 04.02.2009, der Beitrag War 'bots, and Their Implications im Ares Weblog der Aviation Week vom 05.02.2009 und Amy Goodmans Interview für Democracy Now! vom 06.02.2009 über Peter Singers Buch "Wired for War" zur revolutionären Roboterisierung der Schlachtfelder und Konflikte im 21. Jahrhundert.
Geschrieben von Kai Raven
in Drohnen, Politik, Roboter, Überwachung
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17:29
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Krabbelnde, springende und fliegende MAST Überwachungsroboter - 14.01.2009
Der Aviation Week Artikel Unmanned Vehicles Mimic Insects vom 12. Januar 2009 stellte die Zielsetzungen und Forschungsbereiche der Micro Autonomous Systems and Technology (MAST) and Collaborative Technology Allianz, über die im Beitrag Unbemannte Invasoren in der Stadt berichtet wurde, aus Sicht von Aaron Penkacik vor, dem Leiter der Electronic & Integrated Solutions Abteilung von BAE Systems.
BAE Systems führt laut der Pressemitteilung BAE Systems led team to develop miniature robots for military use vom 28. April 2008 die MAST Forschungsallianz an, die verschiedenste fliegende, hüpfende und kriechende Mini-Roboter für MAST entwickeln wird. Neben den BAE Forschungslabors sind die Universität von Kalifornien, das Institut für Technologie und das Jet Propulsion Labor in Kalifornien, das Institut für Technologie in Georgia, die Universität von New Mexico, die Technische Universität von North Carolina, die Universität von Mailand in Italien und die Universität von Sydney in Australien am MAST Programm beteiligt. Zur Verwirklichung der MAST Albträume erhielt BAE Systems vom U.S. Army Research Laboratory einen Forschungsvertrag über 38 Millionen US$, mit denen zunächst bis 2013 mit Option zur Verlängerung bis 2018 die MAST Mini-Roboter erforscht und entwickelt werden sollen. Mit dem Masseneinsatz der Mini-Überwachungsroboter dürfte also bis zu den 20er Jahren dieses Jahrhunderts nicht zu rechnen sein. Bis dahin hat man vielleicht auch das Ausmaß an Effizienz und Miniaturisierung der Körperkonstruktionen, Sensoren, Kommunikationsmodule und Energiequellen erreicht, dass die Roboter tatsächlich in Bau gehehn können. Wie bereits im Beitrag über die "Invasoren" beschrieben, geht es darum, die Mechanismen und Funktionen bei Tieren zur Energieversorgung ihres motorischen Apparats, zur Kommunikation innerhalb eines Gruppen- oder Schwarmverbandes und besondere Bewegungs- und Flugeigenschaften von Insekten besser zu verstehen und sie auf insektoide Mini-Roboter zu übertragen. Die Mini-Roboter, die eines Tages autonom und sich selbst organisierend in Schwarmverbänden operieren sollen, fungieren dann als Knoten in Netzwerken, die der Kommunikation und Datenübertragung von Kampfverbänden dienen. Daneben stellt jeder Mini-Roboter die mobile Plattform für verschiedene Sensoren, zu denen laut der FAQ zu MAST Videokameras, Mikro-Radar, Mikrofone, Wärme- und Bewegungssensoren zählen, so dass sie zu "Augen und Ohren" der Einsatzkräfte werden, die für sie in "städtischen Umgebungen und in komplexen Terrains" wie Höhlen, Tunneln, Straßen, Wohnräumen und Häusern auf Spionagetour gehen oder sich mit ihren elektronischen Komponenten zur elektronischen Kriegsführung in fremde Netzwerke einhacken, um zum Beispiel Datenübertragungen und den Kommunikationsverkehr zu stören oder abzuhören. Im Aviation Week Artikel beschrieb Penkacik, wie ein arbeitsteiliger Einsatz einer Mini-Roboter Gruppe aussehen könnte: "Du willst irgendwo Aktivitäten überwachen, weil Du denkst, dass man dort gerade dabei ist, Bomben zuammenzubauen. Wie würde der Schwarm aussehen, den du ausgesetzt hast, um die Überwachung für eine Woche zu gewährleisten? Er würde einen fliegenden Roboter mit einer Videokamera beinhalten, der auf einem Gebäude der Straße hockt und möglichweise solange im Schlaf-Modus bleibt, bis der akustische oder seismische Sensor eines krabbelnden Roboters innerhalb des Zielgebäudes die Ankunft eines Fahrzeugs feststellt. Über das ad hoc Netzwerk [der Roboter-Gruppe] werden die Sensoren [des fliegenden Roboters] aktiviert und dessen Überwachungsmission gestartet. Du kannst die Aktivitäten überwachen und zusätzliche Roboter dem Schwarm hinzufügen."
Eine optischen Eindruck von den Vorstellungen der BAE Systems Wissenschaftler bietet eine Animation von BAE System zu MAST (hier als MP4 Datei), in der wie bereits zuvor in einer Animation des Air Force Research Laboratory (AFRL) die fliegenden, krabbelnden und springen MAST Roboter
in Spinnen-, Libellen und Vogelgestalt (neben einem iRobot PackBot) ihren Auftritt bekommen:
![]() ![]() Da die Größe der MAST Roboter die einer Biene bis zu einer Handfläche betragen soll, kann jeder Soldat eine bestimmte Menge der Mini-Roboter transportieren. ![]() Neben dem Abwurf und dem Transport durch Drohnen aus der Luft kann auch ein IRobot PackBot die Roboter zum Einsatzziel transportieren und ausladen. ![]() ![]() MAST Roboter in Gestalt eines fliegenden Insekts und in Spinnenform. ![]() Nach dem Auskundschaften folgt die Auslöschung. Zwei Abbildungen von BAE Systems zur möglichen Robotergestalt von der BAE Micro Autonomous Systems and Technology (MAST) Informationssseite: ![]() ![]() ![]()
Geschrieben von Kai Raven
in CCTV / Video, Drohnen, Roboter, Wissenschaft
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Geheime Deals und Technik für den schmutzigen Drohnen-Krieg in Pakistan - 16.11.2008
Die Washington Post berichtete am 16. November 2008 in ihrem Artikel Pakistan and U.S. Have Tacit Deal On Airstrikes, gestützt auf die Aussagen hochrangiger Amtspersonen, über einen informellen Deal, der im September 2008 zwischen der Bush-Administration und der Regierung Pakistans für den roboterisierten Drohnen-Krieg in Pakistan geschlossen wurde, über den schon lange bezüglich der Drohnen-Angriffe Vermutungen angestellt wurden.
Nach den Aussagen lautet dem Deal gemäß die Linie der CIA, des US-Militärs und der US-Regierung, keine Angriffe mit Predator, Reaper und Global Hawk Drohnen in den Stammesgebieten zu bestätigen und Stillschweigen zu bewahren, während die Regierung Pakistans die Linie verfolgt, die Angriffe öffentlich für die pakistanische Öffentlichkeit zu missbilligen, die Desinformation zu streuen, die Angriffe würden sich auf die afghanische Seite der pakistanischen Grenzregion richten, aber im Hintergrund den Angriffen genauso stillschweigend zuzustimmen und Militärs wie auch den pakistanischen Geheimdienst mit den Amerikanern koopererieren zu lassen. Für die enge Zusammenarbeit und gemeinsame Nutzung der Drohnen unter dem Kommando der US-Streitkräfte und Geheimdienste spricht auch die Aussage von General David McKierman, Kommandeur der US-Truppen und zur Zeit der ISAF Verbände in Afghanistan, in seiner Rede beim Atlantic Council Think Tank am 18. November zum "Dreier-Ausschuss", der sich aus ihm selbst, ISI-Geheimdienstchef General Pasha (s. u.), seinem Vorgänger und jetzigen Generalstabschef der Pakistanischen Armee General Ashfaq Parvez Kayani und Vertretern der Armee Afghanistans zusammensetzt: "Wir tauschen Frequenzen aus, wir tauschen geheimdienstliche Informationen aus. Wir haben einen Videostream für Predator Drohnen, der im gemeinsamen Grenzkoordinationszentrum am Torkham Gate [Anm.: wichtiger Grenzkontrollpunkt am Chaiber-Pass] von der Pakistanischen Armee, der Afghanischen Armee und der ISAF genutzt wird. Wir koordinieren uns also auf verschiedenen Ebenen." Wie es in dem Artikel weiter heißt, folgten dem geheimen Deal im September ein intensiver Besuchsverkehr hochrangiger Militärs und Geheimdienstler beider Seiten. Pakistans Präsident Zardari war im gleichen Monat des Deals "auf Besuch" bei Bush, General Pasha, Chef des pakistanischen militärischen Geheimdienstes ISI traf Ende Oktober mit seinen amerikanischen Kollegen in Washington zusammen, US-General Petraeus, ab Ende Oktober Chef des Zentralkommandos (CENTCOM), machte Anfang November eine Stippvisite in Pakistan und am 12. November gab es ein informelles Treffen zwischen CIA-Direktor Michael Hayden und Präsident Zardari. Zweck der Gespräche war wohl, die Details des Deals und verdeckten Drohnen-Krieges auszuhandeln und auszuloten, wie es nach der US-Wahl weitergehen würde. Nicht mehr direkt, aber indirekt zwischen den Zeilen wird die Vermutung geäußert, dass die enge Kooperation und Deckung Pakistans neben den 10 Milliarden US$ US-Militärhilfe seit 2001 auch mit den 7,6 Milliarden US$ erkauft wurde, die Pakistan vom IWF zur "Bewältigung der Finanzkrise" erhält. Interessant ist auch ein Gespräch Zardaris mit dem demokratischen US-Senator John F. Kerry, dass an die Washington Post herangetragen wurde. Laut des Gesprächs habe Zardari Kerry darauf hingewiesen, dass die US-Regierung erkennen müsse, dass Pakistan mehr geleistet habe, als die US-Regierung anerkenne und Pakistan ein Opfer des gleichen Aufruhrs sei, den die USA bekämpfe. Ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass weiter Waffen und Geld nach Pakistan fließen muss, auch unter Obama. In dem Gespräch soll Zardari auch das Interesse Pakistans angemeldet haben, mit den gleichen Waffen beliefert zu werden, mit denen amerikanische Streitkräfte und Geheimdienste ihren Krieg in Afghanistan und Pakistan führen, sprich Killer-Drohnen und weiteres High-Tech Kampfgerät für Pakistans Militär und Geheimdienste – "geben sie [Anm.: die Killer-Drohnen] sie uns, wir sind ihre Verbündete" soll Zardari Kelly gesagt haben. Von dort spannt der Artikel den Bogen zu den neuen militärischen Systemen, die laut Vertretern der Antiterror-Behörden und -Abteilungen der USA in Pakistan verwendet werden und Gegenstand des Beitrags Rätselraten über geheimes Kill-Programm des US-Militärs waren. Neben den Raketen, die von den Predator Drohnen der CIA abgefeuert werden, so der Artikel, habe man laut der Antiterrorvertreter während des Jahres "neue Hardware in der afghanisch-pakistanischen Grenzregion zum Einsatz gebracht, die es erlaube, die Bewegungen vermuteter Kämpfer sehr genau zu verfolgen". Zur "neuen Hardware" für die "Identifizierung, Aufspürung und Lokalisierung", von der "viel unter Geheimhaltung" stehe, gehöre demnach der konzertierte Einsatz "leistungsfähiger Sensoren an Spionagesatelliten, von Flugzeugen, Luftschiffen und Drohnen jeder Größe verschiedenster Typen." Oder wie es der Staatssekretär für Geheimdienste im Pentagon James R. Clapper Jr., während einer Konferenz (wohl dem Geospatial Intelligence Symposium 2008) umschrieb: "Die neuen Produkte der Kriegsführung sind sehr Laser-ähnlich und präzise geworden. Mit ihnen hat man die Möglichkeit, sobald man weiß, hinter was man her ist, das sehr lückenlos und ununterbrochen zu beobachten und zu überwachen – beharrlich. Und dann, im richtigen, kritischen Augenblick, mit der nötigen Rücksicht zur Reduzierung von Kollateralschäden, dieses Individuum auzuschalten." Das es Unterschiede zwischen der Realität des verdeckten Drohnen-Krieges in Pakistan und den Umschreibungen des Geheimdienstlers gibt, zeigt der steigende Body Count ziviler Opfer mit jedem Drohnen-Angriff. ![]() ![]() Ein Modul zur Zielmarkierung und für die Zielerfassung durch die Raketen der Drohnen aus dem Text Guidance on the Ruling of the Muslim Spy des Al Qaida Führers Abu Yahya al-Libi (Quelle: FAS - Al Quaida: Western Spies Multiply "Like Locusts", 13.07.2009) Wir haben hier also alle Merkmale und Bestandteile eines schmutzigen Krieges, der mit neuen Mitteln der Überwachungs- und Kriegstechnik aufgrund geheimer, stillschweigender Vereinbarungen zwischen den USA und Pakistan geführt wird, bei dem die Bevölkerung auch als Versuchtiere für den Einsatz der Technik herhalten muss, wie sie in Zukunft in anderen Konflikt- und Kriegsgebieten zu sehen sein wird – alles nur, um eine Handvoll zu ersetzender Taliban und Al Qaida Kommandeure auszuschalten? Das es in der restlichen Presse, insbesondere der deutschen Presse, keine ähnlichen Berichte und Artikel gibt, kann ich mir nur noch mit dem stillschweigenden Einverständnis erklären, dass diese Handvoll es wert sind, dass in Pakistan der neue Typ des "Globalen Krieges gegen den Terror" durchexerziert wird und er auch deshalb legitim ist, weil er den Sicherheitsinteressen Deutschlands dient. Siehe auch: C-Span - Videojournalist David Axe Vignette (embedded with the U.S. Air Force at Kandahar Air Base in southern Afghanistan) on Reapers & Predator Drones (23.12.2009) The Nation - Blackwater's Secret War in Pakistan u. a. über den Drohnen-Krieg der US-Söldnerfirma Xe (ehemals Blackwater) im Auftrag des US Joint Special Operations Command (JSOC) in Pakistan (23.11.2009) Washington Post - U.S.-Funded Intelligence Center Struggles in Khyber Region (11.01.2009) New Yorker - The Predator War - What are the risks of the C.I.A.’s covert drone program? (26.10.2009) Washington Post - CIA base attacked in Afghanistan supported airstrikes against al-Qaeda, Taliban (01.01.2010)
Geschrieben von Kai Raven
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