BSI lässt Angriffe auf und Schutz vor RFID Chips untersuchen - Mittwoch, 8. Oktober 2008 Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat die interessante vierteilige Studie "Messung der Abstrahleigenschaften von RFID-Systemen" (MARS) in Auftrag gegeben, die sich mit "Angriffsmöglichkeiten und der Robustheit von RFID-Systemen" beschäftigt und dazu den ersten Teil über das "passive Mitlesen der Kommunikation bei ISO 14443 und ISO 15693" vorgelegt. Der zweite Teil wird sich mit dem "aktiven Auslesen der Tags [RFID Funkchips] über große Entfernungen" beschäftigen.Man könnte die beiden ersten Teile der Untersuchungen des BSI auch als Antwort auf die im Hackerumfeld durchgeführten Tests der Mit- und Auslesemöglichkeiten von RFID-Funkchips und des Datenverkehrs zwischen RFID-Chip und RFID-Lesegeräten verstehen, was man eventuell bei der Interpretation der Untersuchungsergebnisse berücksichtigen muss. Was die "Robustheit" angeht, befasst sich der dritte und vierte Teil mit dem "aktiven Stören der Kommunikation für alle zu untersuchenden Systeme" und der "Simulation eines "Blocker-Tags" für das System nach ISO 14443". Deshalb könnte man auch sagen, dass sich die beiden letzten Teile mit Möglichkeiten des technischen Datenschutzes beschäftigt, denn verschiedene Projekte entwickeln technische "Störer" und "Blockierer", mit denen man sich selbstbestimmt und ganz dem Auslesen von RFID Funkchips im oder am Körper entziehen kann. Für den ersten Teil wurde unter Laborbedingungen untersucht, wie hoch die maximale Mitlesereichweite der Kommunikation zwischen zwei RFID-Systemen, bestehend aus Lesegeräten und zwei passiven [Anm.: Chip und Antenne ohne eigene Energieversorgung mit Batterie, sondern Energieversorgung des Chips über das Lesegerät] RFID-Chip Techniken ist. Als Testobjekte dienten "Proximity" / ISO 14443 RFID-Chips mit einem Betriebsabstand zwischen Chip und Lesegerät von bis zu 0,15 m und "Vincinity" / ISO 15693 RFID-Chips mit einem Betriebsabstand zwischen Chip und Lesegerät von bis zu 1 m, Lesegeräte von Phillips und FEIG Electronic und einer Antenne von DTE. Für die Versuche wurden die Chips direkt an den Lesegeräten befestigt und die Antennen der Lesegeräte direkt auf die zum Mitlesen gedachte Abfangantenne ausgerichtet. Für das Lesegerät zum Mitlesen der abgefangenen ID-Nummer bauten die Wisschenschaftler ein modulares Empfangsgerät, auf das sich zwei Empfangsteile aufsetzen lassen, da beide Kartensysteme unterschiedliche Übertragungsverfahren verwenden. ![]() Versuchsanordnung mit Abfangantenne im Hintergrund und ISO 14443 Lesegerät + RFID Chip im Vordergrund. ![]() Empfangsgerät mit audgesetztem Empfangsteil für das ISO 14443 System. Wie es in dem Bericht heißt, habe sich bei dem ISO 14443 System eine Abfangantenne mit einem Durchmesser von ca. 25 cm und bei dem ISO 15693 System eine Abfangantenne von ca. 40 cm für "beste Mithörergebnisse" herausgestellt. Laut dem Bericht ergaben sich bei den Versuchen für das ISO 14443 System eine immer 100-prozentig richtige Mitlesemöglichkeit der ID-Nummer Übertragung bis zu einem Abstand der Abfangantenne von der Chip / Lesegerät Anordnung von 2,3 Metern, bei dem anderen System bei einem Abstand bis zu 2,4 Metern. Im Fazit kommt der Bericht zu dem Schluß, dass "es grundsätzlich möglich ist, die Kommunikation eines ISO 14443- oder ISO 15693-Systems passiv mitzuhören" und die "Gefährdung des Mithörens einer RFID-Kommunikation (...) theoretisch (...) zwar eine gewisse Relevanz hat, jedoch in der Praxis eher von untergeordneter Bedeutung ist", weil die besten Mitlese-Ergebnisse nur mit den angepassten und abgestimmten Versuchsanordnungen zu erzielen waren und im Labor nicht das Umgebungsrauschen und verminderte Signalfeldstärken existieren, wie im realen Einsatz in einem Flufhafen, in einem Geschäft oder in einer Bank. Wie es weiter heißt, wurde auch der RFID-Chip des elektronischen Reisepasses (ePass) in einer "separaten Untersuchung" getestet, dazu die genauen Versuchsanordnungen und Testresulatate aber nicht vorgelegt. Zur Möglichkeit des passiven Mitlesens der Kommunikation zwischen ePass Chip und Lesegerät heißt es im Fazit nur:
Demnach sind anhand dieser Messergebnisse die Grenzen der reellen, d.h. auswertbaren Mitlesbarkeit für den ePass im Bereich von unter vier Metern als Maximalentfernung anzusetzen. Dieses jedoch auch nur mit äußerst großem Aufwand. Die Messergebnisse zeigten, dass spätestens bei einer Entfernung von vier Metern so deutliche Veränderungen des Empfangssignals vorhanden sind, dass die Daten nicht mehr fehlerfrei wiederherstellbar sind. Selbst mit sehr aufwändiger Empfangstechnik ist eine fehlerfreie Decodierung dieser Daten nicht mehr zu erwarten.
Nebenbei bemerkt, eignet sich der erste Teil und vielleicht auch die weiteren Teile auch für Leute, die noch nie etwas von "RFID" gehört haben, um erste Einblicke zur RFID Technik zu gewinnen.Siehe auch: heise - Letzte Details der Mifare-RFID-Verschlüsselung veröffentlicht FoeBuD e. V. - Der gläserne Bürger - Online-Seminar zum Thema RFID (vom 14. bis 24. Oktober 2008) EurActiv - Interview mit Europäischem Datenschutzbeauftragten Hustinx: Tracking people 'easier' with RFID (10.10.2008) BSI - BSI veröffentlicht Technische Richtlinie für den sicheren RFID-Einsatz (24.11.2008) The Register - Passport RFIDs cloned wholesale by $250 eBay auction spree (02.02.2009)
Geschrieben von Kai Raven
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BATS oder Intelligente organische Drohnen - Freitag, 3. Oktober 2008
Über ein mysteriöses Forschungsprogramm bin ich bei den Recherchen zur Ergänzung des Beitrags Unbemannte Invasoren in der Stadt gestolpert, das an die niederländische Vogel-Drohne erinnert, nur das man es hierbei mit der fortschrittlichen "3.0" Version zu tun hätte.
An der gleichen Universität von Maryland, an der in Kooperation mit der NASA, DARPA und den militärischen Forschungsinstitutionen der Navy und Army Mikro-Drohnen und -Roboter entwickelt werden, arbeitet man auch im Rahmen des Biomechanical Aerial Technology System (BATS) Programms zusammen mit dem für seine enge Kooperation mit dem US-Militär bekannten Langley Forschungszentrum der NASA im Morpheus Laboratory an der Entwicklung einer "intelligenten organischen" Vogel-Drohne. Zur BATS Drohne gibt es nur die Informationen des Morpheus Labors und Erwähnungen in dem alten Artikel Flying creatures may help create aviation of future von USA Today aus dem Jahr 2007. Der Artikel von USA Today geht aber mehr in Richtung der Silent Aircraft Initiative, die auf die Entwicklung "ultra-geräuscharmer und energieeffizienter Flugzeuge" abzielt, was natürlich Kampf- und Überwachungsdrohnen ebenfalls von Nutzen wäre. Bei der NASA, auf militärischen Sites und sonstwo im Web waren keine weiteren Informationen von mir aufzufinden. Auf der BATS-Seite des Morpheus Labors wird das Forschungsprogramm so beschrieben: Das BATS Programm ist ein NASA Langley Forschungsprogramm, an dem das Morpheus Lab als Partner beteiligt ist. Die Bemühungen zielen auf die Entwicklung des ersten Fluggeräts ab, das ähnlich biologischer Organismen vollständig aus verteilten Systemen konstruiert ist. Der organische Ornithopter wird aus integrierten und verteilten Schichten aktiver Materialien (d. h. Muskeln), verteilten sensorischen Schichten (d. h. Nerven) und einem verteilten Energiespeicher- und -versorgungssystem [Anm.: MEMS Mikro-Turbinen, -Generatoren und -Pumpen] bestehen. Das wird ähnlich wie bei biologischen Organismen sein, die vollintegrierte verteilte Funktionssysteme besitzen. Das Fluggerät wird autonom fliegen, was Sinnesempfindungen und intelligente Algorithmen zur Steuerung erfordert.
Zur beabsichtigten Gestalt und Flugform gibt es nur diese Konzeptgrafik:
Das ambitionierte Forschungsprogramm strebt die Demonstration der Realisierbarkeit der Konstruktion und Entwicklung organischer Fluggeräte an, die, wie wir hoffen, eines Tages die Luftfahrt und die Roboter-Industrien revolutionieren werden. ![]() Untertitel: Intelligent Organic Aircraft. Die Bestrebungen, völlig neuartige Drohnen mit smarten Materialien und Sensoren, die entweder dem ganzen Fluggerät oder Teilen ein organisches Äußeres und biologisch-organische Gestaltungsmöglichkeiten verleihen, die u. a. auch neue Oberflächen zur dynamischen Tarnung und die flexible Umwandlung von Teilen des Flugköpers ("Morphing") einschließen, sind auch von anderen Seiten bekannt. So entwickelt die Cornerstone Research Group als Partner der U. S. Air Force für deren Forschungsprogramme zu Kampf-Drohnen mit wandelbaren Flügeln und "selbstheilenden" Polymeroberflächen entsprechende Materialien und Unternehmen wie Lookheed Martin, Athena oder NextGen Aeronautics sind oder waren an Forschungsprogrammen zur Entwicklung von Drohnen mit transformationsfähigen Flügeln wie dem abgeschlossenen Morphing Aircraft Structures Programm der DARPA beteiligt. An der Spitze der Vorbilder aus der Natur, die das Militär für Materialien, den Aufbau, die Sensorik und Flügel zukünftiger Drohnen nachahmen will, steht neben Fliegen, Libellen, Mauersegler, Schwalben und Kolibris auch die Fledermaus, deren Eigenschaften für den Einsatz von Mikro-Drohnen in Städten in mehrer Hinsicht interessant sind – allein schon aufgrund ihrer hohen Wendigkeit, Fluggeschwindigkeit, Größe und ihres Gewichts, die zum Beispiel bei der Zwergfledermaus maximal 7 g / 4,6 cm betragen. ![]() Im Zentrum der Forschung steht der Bewegungsapparat und die Flugmembranen der Fledermäuse, die für die U. S. Air Force u. a. im Fluid Mechanics Labor der Brown Universität im Rahmen des Fledermaus Flug Forschungsprogramms mit Förderung von der National Science Foundation (NSF) und dem Air Force Office of Scientific Research (AFOSR) untersucht werden. Aus dem Flyer der Euopean Science Foundation (ESF) (nur über die dortige Seite zu beziehen) via Mitteilung des Forschungs- & Entwicklungsinformationsdienstes der EU CORDIS: COURSE OBJECTIVESMorphing vehicles are able to adapt and extend performance to carry out missions and roles through reconfiguration of shapes, constituent properties and functions. Aircraft are often expected to perform under severe theatre conditions where the military attack vehicles or even transport aircraft are deployed in conditions beyond their design configurations. For fixed wing aircraft, it would be necessary for the vehicle to adapt to new conditions with increased lifting area or enhance performance by deploying a new winglet configuration or switch to an alternate control system which would enable the vehicle to complete its current mission by adapting itself to the increased level of demand on its performance. A multi‐point design adaptability to execute different missions would thus be essential features of such morphing vehicles. Smaller MAUV can be configured to cover different types of roles for a more local deployment. The Advanced Course is intended to provide an overview of current and emerging technologies relevant to Morphing Aircraft. Experts working on different morphing systems and technology specialists will present course material through a series of lectures, design projects, demonstrations and discussions. The needs of, and ideas for, new technologies in their respective fields will also be examined.
Morphing vehicles are designed to adapt to different missions and roles through reconfiguration of shapes, constituent properties or functions. The course is intended to give an overview of current and emerging technologies relevant to morphing aircraft.
Beteiligte Universitäten und Forschungsinstitute: Air Force IT - Wright‐Patterson Air Force Base, University of California, University of Michigan, University of Liverpool, University of Bristol, Wageningen Universität, NASA Langley Research Center, Politecnico de Milano, MAVLab - University of Delft, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, IDMEC‐IST, Oxford University.Experts working on different morphing systems and technology specialists will present course material through a series of lectures, design projects, demonstrations and discussions. The needs of, and ideas for, new technologies will also be examined. Some of the topics to be covered during the course include:
Neben der ESF von der Research & Technology Organisation der NATO, dem Instituto Superior Técnico an der Technischen Universität von Lissabon, der Luftwaffe Portugals, dem Associated Laboratory for Energy, Transports and Aeronautics in Portugal und der Stiftung für Wissenschaft und Technik des portugiesischen Ministeriums für Wissenschaft, Innovationen und das Hochschulwesen gefördert. Wie man sieht ein Thema, das man für unsere Zukunft im Auge behalten sollte. Siehe auch: Defence Talk - Researchers Study Bats to Enhance Micro Air Vehicles (09.01.2008)
Geschrieben von Kai Raven
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FAST - Die Minority Report Überwachungsschleuse - Mittwoch, 24. September 2008
Wie das NewScientist Weblog Short Sharp Science im Beitrag Pre-crime' detector shows promise berichtet, baut das DARPA Pendant Homeland Security Advanced Research Project Agency (HSARPA) des US-Heimatschutzministeriums ebenfalls an einer Voight-Kampff-Maschine zur Erkennung Verdächtiger und kann erste Testergebnisse vorweisen.
Im Rahmen der Human Factor Forschung des Heimatschutzministeriums läuft das Future Attribute Screening Technologies (FAST) Forschungsprogramm, dessen Ziel es ist, eine neuartige Sicherheitsschleuse zu entwerfen, in der Personen während des Hindurchgehens mit einer Reihe von Sensoren und Videokameras beschnüffelt werden, um Körpermerkmale, Gefühlsregungen und Veränderungen in ihrem Verhalten aufzuspüren, die als Signale auf Absichten hindeuten, das sie etwas Böses wie einen Terroranschalg im Schilde führen ("malintent", the intent or desire to cause harm). FAST wäre damit etwas wie ein erweiterter Lügendetektor für die Massenanwendung, ohne das die überprüften Personen wie zum Beispiel bei den richtigen Lügendetektortests oder Methoden zur Messung von Gehirnwellenmustern (auf Deutsch in der Heise Meldung Hirnscans für den Lügendetektor vom 16.10.2008) direkt mit der Auswertungsmaschinerie verbunden werden müssen. Dazu wird mit Sensoren die Herzschlagfreqenz, die Veränderungen der Hauttemperatur und die Atemfreqenz gemessen. Wie es in dem FOX News Artikel Homeland Security Detects Terrorist Threats by Reading Your Mind heißt, sollen demnächst Scanner hinzukommen, die die Bewegungen der Augenpupille und -iris messen und bis 2010 auch olfaktorische Sensoren zur Analyse von Pheromonen, die der Delinquent verstärkt über seinen Schweiß ausschüttet, wenn ihn zum Beispiel die Angst vor Entdeckung plagt. Wertet die Sensorphalanx die aufgefangenen und analysierten Signale als Indiz für potentielles Missverhalten und kriminelles Handeln, wird die betreffende Person vom System markiert und anschließend näher verhört, wobei während des Verhörs ebenfalls "Lügendetektor" Messmethoden wie die Analyse minimaler Muskelbewegungen im Gesicht zugeschaltet werden. Für den ersten Feldversuch und die bis 2011 andauernden Forschungen wurde die FAST Messanordnung in einem großen Anhänger-Container untergebracht, der später auch als mobile Sicherheitsschleuse überall dort zum Einsatz kommen soll, wo größere Gruppen von Personen durchleuchtet werden sollen – an Flug- und Bahnhöfen, bei Veranstaltungen, Sportereignissen, im Rahmen von Massenverhören, Kontrollen an militärischen Sperrpunkten oder Demonstrationen. Wenn man sich nicht eh bereits vor den Iris-Scannern der automatischen Grenzkontrollen aufstellen muss, von Videoüberwachungskameras beobachtet, mit Körperscannern virtuelle entkleidet oder während einer Demonstration in einen Käfig gesteckt wird, wartet auch noch der Gang durch die Überwachungssschleuse. Bei Verhängung des Kriegszustands böte sich eigentlich nach dem Ausgang der Exitus durch ein Erschießungskommando an, wenn man von der Maschinerie als wahrscheinlicher Terrorist markiert wurde. ![]() Schema einer mobilen FAST Schleuse. Hier noch ein paar Eindrücke aus dem Video des US-Heimatschutzministeriums zur FAST Schleuse, das im FOX News Artikel verlinkt ist:
Siehe auch: Los Angeles Times - Detecting a crime before it happens USA Today - Anxiety-detecting machines could spot terrorists Telegraph - New airport screening 'could read minds' Los Angeles Times - High-tech surveillance greets junior hockey fans in Tri-Cities, Washington CNN - Behavioral screening – the future of airport security? Boston Globe - Spotting a terrorist IEEE Spectrum - Loser: Bad Vibes - A quixotic U.S. government new security system seeks to look into your soul
Geschrieben von Kai Raven
in Biometrie, CCTV / Video, Geheimdienst / Polizei, Wissenschaft
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Rätselraten über geheimes Kill-Programm des US-Militärs - Mittwoch, 10. September 2008
Bruce Schneier rätselt bereits in Secret Military Technology über Bob Woodwards Andeutungen über ein hochgeheimes Militärprogramm, das im Irak und in Afghanistan durchgeführt wird, um Aufständische, Taliban und ihre Anführer zu lokalisieren, anzuvisieren und gezielt zu töten. Anlass sind zwei Interviews mit Woodward, über das eine berichtet Schneier, über das andere mit Larry King auf CNN die AP in einer Meldung, die von Military.com mit dem Titel Woodward: Secret Ops Cut Iraq Violence wiedergegeben wird.
Woodward spricht von den geheimen Kapazitäten entweder als "Stoff, aus dem Romane mit militärischem Thema gemacht sind", setzt sie mit den militärischen Möglichkeiten gleich, die das Aufkommen von Panzern und Flugzeugen für die Kriegesführung bedeuteten, bezeichnet sie "als wunderbares Beispiel amerikanischer Genialität, mit der ein Problem während eines Krieges gelöst wurde" oder vergleicht sie mit dem Manhattan-Projekt zur Entwicklung der Atombombe. ![]() So etwas, nur anders. Nun gehen natürlich die Spekulationen los. Eine wäre, dass Woodward die Werbetrommel für sein neues Buch "The War Within: Secret White House History 2006-2008" rührt. Aber ich denke, das haben der Mann und seine Bücher nicht nötig, die verkaufen sich auch so. Dann würde das geheime Militärprogramm entweder durch neue technische oder menschliche Faktoren bestimmt. Der menschliche Faktor wäre zum Beispiel das Aufstellen von Todes-Schwadronen und Shoot-to-Kill Kommandos im großen Stil, auch mit Unterstützung von Söldnerverbänden, wie sie Blackwater anbietet oder "Contras" – damit hat man ja genügend Erfahrungen. Aber das über längere Zeit geheim zu halten, wäre schwierig und passt nicht zu den Andeutungen. Der technische Faktor könnten unbemannte Killer-Drohnen mit neuen Fähigkeiten sein. Aber deren Killer- und Überwachungs-Einsätze in Afghanistan, im Irak und im pakistanischen Grenzgebiet sind bereits bekannt. Es sei denn, im Ausland experimentiert und testet das US-Militär bereits mit Drohnen, Fahrzeugen und Einsatztrupps, die mit "Sensing through Walls" Technik ausgerüstet sind. Da das US-Militär immer wieder mit geheimen Satelliten-Programmen von sich reden macht, über die auch geschwiegen werden (muss), könnte es auch eine neue Satellitenart sein oder eine größere unbemannte Flugplattform, die nicht nur über neuartige Überwachungskapazitäten verfügt, sondern zugleich über ausgefeilte Kill-Funktionen. Vielleicht hat man denen Railguns oder Laserkanonen angehängt, mit denen das US-Militär seit einiger Zeit heftig experimentiert. Auf jeden Fall kann man mit 643 Milliarden US$ (Ja, fast so viel wie der ausgedachte Umfang des "Rettungspakets" der US-Regierung zur Milderung der amerikanischen Finanzkrise im September 2008), die ab 2009 für neue und geheime Satelliten-Programme wie u. a. das Broad Area Surveillance Intelligence Capability (BASIC) Satellitensystem und die Einrichtung des neuen National Applications Office (NAO) viel anfangen1. Das NAO wird als Schnittstelle und Durchschleuser zwischen der National Geospatial-Intelligence Agency (NGIA) und dem National Reconnaissance Office (NRO) und den militärischen, aber vor allen zivilen Sicherheitsbehörden dienen, denn mit dem NAO sollen Nutzung und Zugriff auf Spionagesatelliten und Aufklärungsaufnahmen, die von NGIA und NRO betrieben und produziert werden, für die inländische Überwachung des "Heimatlandes" massiv ausgeweitet werden. Robert Dreyfuss meint im The Nation Artikel Lethal High-Tech Counterinsurgency in Iraq, gestützt auf einen anderen Bericht der Washington Post und Woodwards Formulierung "[They use] every tool available simultaneously, from signals intercepts to human intelligence and other methods, that allowed lightning-quick and sometimes concurrent operations", dass es einfach die "Joint Task Force" Spezialeinheiten aus Militärs und Geheimdiensten im Irak und in Afghanistan sind, die alle Register ziehen, also die Aufklärungsdaten der Satelliten und Drohnen, die abgefangenen Inhalte überwachter Kommunikation, Informationen der Check-Points, Personenüberprüfungen und Durchsuchungen zusammenführen und so schnell verarbeiten, dass man effektiv zuschlagen kann. Das wird allerdings schon immer gemacht und das Spezialeinheiten und die Special Forces im Einsatz sind, ist ebenfalls "normal". Wenn es so ist, hätte Woodward allerdings tüchtig übertrieben. Die Bush-Administration geht nicht auf die Behauptungen von Woodward ein, versucht aber wie in der Pressemitteilung Afterword: Mr. Woodward's Reporting vs. Mr. Woodward's Editorializing vom 12. September, Woodwards Buch an sich mit den enthaltenen Aussagen zu Bushs Irakkrieg-Politik und seine Tätigkeit als Journalist zu diskreditieren. In der Einleitung schreibt White House Pressesekretärin Dana Perino: "A thorough and careful reading of the book leads us to conclude that Woodward's prologue and epilogue are not supported by his own reporting in the body of the manuscript. For a clear historical reading of the record we commend you to the following excerpts that support our view." Truthout weist im Beitrag Bob Woodward's Not-so-Secret Weapon in Iraq auf das 2007 gestartete "Continuous Clandestine Tagging, Tracking, and Locating (CTTL)" Projekts des US Special Operation Kommandos, der DARPA, Forschungseinrichtungen der Army und Air Force, der National Security Agency und der Defense Intelligence Agency hin, in das bis 2013 210 Millionen US$ inverstiert werden soll und auf den Endbericht "Transition to and from Hostilities" des Defense Science Board vom Dezember 2004, um die Verwendung des Begriffs "Manhattan Projekt" und die Lokalisierung und das Anvisieren in Woodwards Andeutungen zu erklären. Im Endbericht finden sich zum "Manhattan Projekt" folgende eindringliche Empfehlungen des Defense Science Board: Identifizierung, Lokalisierung und Verfolgung in der asymmetrischen Kriegsführung
Video- und Sensorüberwachungsnetzwerke, die in einigen Städten im Irak und in Afghanistan installiert wurden und der dortige erhöhte Einsatz unbemannter Drohnen und Roboter-Bodenfahrzeuge, Fokussierung der Videoüberwachung auf die "intelligente" Erkennung von Personen und Situationen, Großprojekte für international vernetzte Biometrie-Datenbanken, auf Muster- und Profilerkennung ausgelegte Data Mining und Fusion Programme der Geheimdienste zum Aufspüren von Personen und Gruppen, intensive Forschung zu Sensoren auf Mikro- und Nanoebene, Entwicklung und den Einsatz von Waffensystemen, die mit größerer Präzision und/oder Reichweite (Laser, Mikrowelle, Railguns, Spezialraketen für Drohnen) zuschlagen, Aufwertung und Aufrüstung der Satelliten-Aufklärung durch den Aufbau des National Applications Office (NAO) in den USA und neue Spionagesatelliten, die immer höhere Bodenauflösungen liefern und darauf ausgelegt sind, unter allen Wetterbedingungen nach unten spähen zu können, Identitätserfassung, Speicherung biometrischer Merkmale mit flächendeckenden Programmen im Irak, "Versorgung" der dortigen und globalen Bevölkerung mit smarten ID-Dokumenten und Geräten, die Funkchips und biometrische Techniken implementiert haben.
Wir empfehlen, dass der Verteidigungsminister, zusammen mit dem neuen Kopf der Geheimdienst Community, ein "Manhattan Projekt" ähnliches Programm für Identifizierung / Markierung, Aufspürung und Lokalisierung ("ID/TTL") auflegt. Wir sind der Ansicht, die Einrichtung solch eines Programms beinhaltet die Schaffung einer neuen Organisation, die einen allumfassenden technischen Ansatz bereitstellt, die Systeme und Technik zur Implementierung des Ansatzes, die Analysetechniken, die Sensordaten in nützliche ID/TTL Informationen umwandeln, die Außeneinsätze zur Ausbringung, Anwendung und Betreuung der Hard- und Software, die noch produziert wird und ein Feedback an die Führung des Verteidungsministeriums zum Einfluss der Schaffung von robusten ID/TLL Möglichkeiten auf diesbezügliche politische Entscheidungen und Richtlinien. ![]()
![]() ![]() Folien aus der CTTL Präsentation des Special Operations Kommando, September 2007. Aber auch das ist hinreichend bekannt. Bekannt ist nur nicht, ob die ganzen Bemühungen Bestandteil eines konzertierten "Manhattan Programms" in großem Maßstab sind. Übrigens wurde auch das (offiziell) eingestellte Total Information Awareness Projekt dereinst als "Manhattan Project" bezeichnet. Mehr zu sagen müsste man als verschwörungstheoretisch bezeichen, weil es dafür keine Beweise gibt. Zum "Programm" passt auch die am 1. Dezember 2008 veröffentliche Direktive 3000.07 des US-Verteidigungsministeriums zur irregulären Kriegsführung ("Irregular Warfare", IW), auf die der Artikel U.S. to Raise 'Irregular War' Capabilities in der Washington Post vom 4. Dezember 2008 eingeht. Als Resultat eines seit zwei Jahren andauernden Diskussionsprozesses im US-Militär und Antwort auf die laut Militärs größere Bedrohung durch die asymmetrische Kriegsführung durch Aufständische und Terroristen in "failing states", sieht sie vor, die Methoden, Truppen und Mittel der irregulären Kriegsführung, psychologischen Kriegsführung, der Aufstands- und Terrorbekämpfung aufzuwerten und auszubauen. Laut der Direktive ist ab jetzt die irreguläre Kriegsführung strategisch als genauso wichtig einzustufen wie die traditionelle Kriegsführung. Anders ausgedrückt, wird sich auch das US-Militär verstärkt der gleichen Taktiken und Strategien bedienen, die Aufständische, Oppositionsbewegungen und Terrorkommandos nutzen. Dazu zählt u. a. Aufrüstung, Aufstockung und verstärkter Einsatz aller Spezialeinheiten und ihres Kriegs- und Überwachungsinstrumentariums wie den oben genannten CTTL Kapazitäten:
3. USD(I). The USD(I) shall:
1 Government Executive - Congress cancels novel satellite program (21.10.2008)
Siehe auch: Washington Post - Under Obama, more targeted killings than captures in counterterrorism efforts (14.02.2010) Stern - Geheimoperation in Afghanistan - Mit Todeslisten gegen die Taliban (10.02.2010)
Geschrieben von Kai Raven
in Anonymität, Biometrie, CCTV / Video, Chips, Data Mining / Fusion, Drohnen, Geheimdienst / Polizei, Internet / TeKo, Klimakatastrophe, Ökonomie, Politik, Rüstung, Terror, Überwachung, Wissenschaft
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22:52
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Secrecy - der Film zur US-Geheimstaatspolitik - Freitag, 5. September 2008
Per Secrecy News von der FAS ("Federation of American Scientists") bin ich auf den Film "SECRECY" von Peter Galison and Robb Moss über die Geheimstaatspolitik der Bush-Administration aufmerksam geworden. Eine der letzten markanten Auswirkungen war die gesetzliche Verankerung der Immunität für US-Telkos im ergänzten FISA, die gemeinsame Sache mit der NSA machen und die permanente Durchsetzung des Geheimhaltungsprivilegs in allen Gerichtsverfahren gegen die Telkos und die NSA. Da sich ähnliche Tendenzen und Auswirkungen überall zeigen, könnte der Film auch für Deutsche interessant sein.
![]() So gehörten zur "Besetzung" Mike Levin, während der Anfänge der NSA mit dabei, später Berater der US-Geheimdienste und Mitglied der Vereinigung ehemaliger Geheimdienstoffiziere, Melissa Boyle Mahle, ehemalige CIA Agentin und u. a. Spezialistin für Antiterrormissionen, James B. Bruce, bis 2005 bei der CIA, danach als Politikwissenschaftler bei der geheimdienst- und regierungsnahen RAND Corporation. Für die Kritiker und Gegner sprechen u. a. Tom Blanton, Direktor des National Security Archive, das immer wieder Dokumente zur Nationalen Sicherheit und der NSA aus der Vergangenheit loseist, Ben Wizner, Anwalt bei der Bürgerrechtsorganisation ACLU, der u. a. an den Verfahren von El-Masri in den USA beteiligt war oder Steven Aftergood, Wissenschaftler und treibende Kraft in der FAS. ![]() Siehe auch: U.S. Army - Memorandum: Practical Guidelines for Invoking the State Secrets Privilege (24.04.2001)
Geschrieben von Kai Raven
in Anti-Überwachung, Film, Geheimdienst / Polizei, Gesellschaft, Infofreiheit, Menschenrecht, Politik, Überwachung, Wissenschaft
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17:50
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Sommerhass 2008 - Samstag, 30. August 2008
Da es ja wieder so schön heiß wird – jedenfalls bis morgen, worüber sich alle freuen bis auf die Sommerhasser, mein Sommerhasser-Bild für das Jahr 2008. Diesmal kein Bild von Eishotels, erfrischenden Wellen oder Gletschern zur Abkühlung, sondern zwei Grafiken des National Snow and Ice Data Centers (RSS-Feed), die gerade auch die Runde in der Presse machen:
![]() ![]() Abbildungen: National Snow and Ice Data Center. In der unteren Abbildung erkennt man, dass während der Schmelzsaison das diesjährige Abschmelzen sich der Kurve von 2007 annähert, aber sich im Gegensatz zu den Jahren 2005, 2007 und dem Zeitraum der Verlust der Eisbedeckung nicht verlangsamt, sondern sich bis zum 26. August stabil fortsetzte. Die europäische Weltraumargentur ESA titelte am 28. August ebenfalls Arctic ice on the verge of another all-time low. Neben Grafiken, die auf Aufnahmen des Envisat Satelliten basieren, die ebenfalls den größeren Verlust der Eisbedeckung dokumentieren, weist der Artikel daraufhin, dass dadurch nach 2007 zum zweiten Mal die Nordwestpassage nahezu eisfrei ist, so dass das Forschungsschiff FS Polarstern vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) die Nordwestpassage wohl durchfahren wird. Prof. Dr. Heinrich Miller vom AWI kommentierte im ESA Artikel: "Die Polarregionen, insbesondere die Arktis, sind sehr empfindliche Indikatoren des Klimawandels. Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) der Vereinten Nationen hat gezeigt, dass diese Regionen in höchstem Maße für steigende Temperaturen anfällig sind und prognostizierte, dass die Arktis [und nicht nur die Nordwestpassage] in den Sommermonaten 2070 nahezu eisfrei würde. Andere Wissenschaftler machen geltend, sie könnte schon 2040 eisfrei werden. Letzte Satellitenbeobachtungen legen nahe, dass die Arktis schon früher im Großen und Ganzen eisfrei werden könnte." Einen Nachschlag brachte der Kölner Stadt-Anzeiger mit der Meldung über die dramatische Temeperaturerhöhung über der Antarktis am 17. Oktober 2008, die sich mit den Untersuchungsergebnissen in der Arctic Report Card 2008 der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) beschäftigt. Ein Ergebnis des NOAA Arktis-Berichts ist, dass die Temperaturen über der Arktis im Herbst 2008 5 Grad Celcius über dem Normalwert lag und das Jahr 2007 wieder einen Erwärmungsrekord zeigt, der einen Trend fortsetzt, der seit Mitte der 60er Jahre begann. Ergänzend zu den Berichten des UN-Weltklimarats IPCC, die bereits die katastrophalen Klimänderungen im Laufe dieses Jahrhunderts skizzierten und stellvertretend für andere Umweltschutzorganisationen legte der World Wildlife Fund am 20. Oktober 2008 seinen Bericht Der Klimawandel: schneller, stärker und noch eher vor, der die neuesten Erkenntnisse der europäischen Klimawissenschaft seit Erscheinen des vierten IPCC Berichts zusammenfasst. Wie der Titel schon sagt, wird die Klimakatastrophe, die man landläufig beschönigend als "klimatische Veränderungen" bezeichnet, noch bedrohender ausfallen und schneller einsetzen, als angenommen. Zu den erwarteten Auswirkungen der Klimakatastrophe zählt demach das völlige Abschmelzen des Sommer-Packeises der Arktis bis spätestens 2040, die globale Anhebung des Meeresspiegels könnte zum Ende des Jahrhunderts 1,2 Meter betragen, mit vermehrten und stärkeren Stürmen könnte es zwischen 2060 und 2100 für Großbritannien und Deutschland zu einer Zunahme sturmbedingter Schäden um bis zu 37 Prozent kommen, während Südeuropa zunehmended von Dürren heimgesucht wird. Zur Ergänzung empfehle ich das Interview "Wir können die kleinen Inseln nicht mehr retten" mit Prof. Dr. Dirk Messner vom 7. November 2008, dem Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik in Bonn, in dem er sich erst herumdrückt, aber dann erklärt, warum es zu Konflikten, Kriegen um natürliche Ressourcen und Migrationsströmen mit Millionen von Menschen im Gefolge der Klimakatastrophe kommen wird. Von dort aus dürfte es jedem Leser nicht mehr schwerfallen (hoffe ich), den Zusammenhang zwischen der Klimakatastrophe und der rasanten Errichtung von umfassenden Überwachungs- und Kontrollstrukturen neben der parallel weiterlaufenden Modernisierung der Rüstungstechniken herzustellen. Die ersten Opfer der Klimakatastrophe sind die Menschen der Inselstaaten im Pazifik. Bei ihnen wird es noch "genügen", sie "nur" nach Australien, Neuseeland und den asiatischen Staaten zu evakuieren. Empfehlenswert ist auch die Homepage von Stefan Rahmstorf beim Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und sein KlimaLounge Weblog. Passend dazu türmt sich Hurrikan "Gustav" zu "Katrina 2.0" auf, der zur diesjährigen "Mutter aller Stürme" werden könnte, während die Tagesschau die Mahnungen des IPCC im Beitrag 20 Jahre Weltklimarat - Mahner im Auftrag der Erde würdigt. Wer sich über die jetzigen und kommenden Stürme im Atlantik und Pazifik aktuell informieren möchte, kann das auch über den Atlantik und Ost-Pazifik Feed des National Hurricane Centers. Oder man hört sich Wasserski fahrn von SDP an. Noch einen schönen Sommer. Siehe auch: Democracy Now! - Voices from Small Island States: Maldives President Mohamed Nasheed, a Tuvaluan Delegate and a Youth Activist from the Solomon Islands (17.12.2009)
Geschrieben von Kai Raven
in Gesellschaft, Klimakatastrophe, Rüstung, Überwachung, Wissenschaft
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23:30
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Wie Wahnsinnige mit Fingerabdrücken jonglieren - Freitag, 15. August 2008
Der Guardian berichtet im Artikel ID card scheme faces new hurdle über "frische Probleme" für das nationale Identitätsschema in Großbritannien und die dafür notwendige biometrische Erfassung der britischen Population. Aber was der Guardian als "frische Probleme" bezeichnet, ist Kritikern und kritischen Wissenschaftlern schon lange bekannt und andere Zeitungen hattten bereits im Juni über die neuen, alten Probleme berichtet – wie zum Beispiel Silicon im Beitrag Warning: ID cards face fingerprint errors.
Das neue, alte Problem hat mit der korrekten Erfassung und dem korrekten Abgleich des biometrischen Fingerabdrucks zu tun. Für verschiedene Teile der Population ist das nicht zu gewährleisten. Neben Personen mit beschädigten oder stark verschmutzten Minutien und Papillarleisten – den Rillen auf der Fingerkuppe – gilt dies vor allem für Kinder und Jugendliche, deren Fingerabdruckrillen sich noch ausprägen und verändern und für ältere Personen. Das hat aber zum Beispiel die EU nicht angefochten, sich auf die Erfassung der Fingerabdrücke von Kindern zu einigen, während sich das neofaschistische Italien unter Berlusconi zuerst an die Fingerabdrücke der Roma-Kinder heranmacht. Auf das bekannte Problem hatte die Biometrics Assurance Group (BAG), einem wissenschaftlichen Beratungsgremium, das 2005 auf Anregung des Innenausschusses des britischen Parlaments eingerichtet wurde, um die Entwicklung des Identitätsschemas zu begleiten, in ihrem Jahresbericht 2007 vom Juni 2008 deutlich hingewiesen. Dort heißt es: False match effects on large databases: BAG raised concerns regarding the statements made by John Daugman in the media regarding the false match rates in large databases.
Das heißt, wenn man von zwei Fingerabdrücken wie beim US-VISIT oder auch beim elektronischen Personalausweis und ePass ausgeht, bekommt man eine Fehlerkennung pro 1000 Personen, die das IPS laut des Berichts mit seinen jetzigen Ressourcen managen könnte. US-VISIT und das britische Identitätsschema gehen aber schon längst von allen zehn Fingerabdrücken aus. Damit bekommt man bereits per se höhere Fehlerraten. Um die zu kompensieren, muss man die Ressourcen der Identitätsbehörden aufstocken.IPS [Anm.: Identity & Passport Service des Innenministeriums] explained that the figures used by Daugman appeared to be based on the NIST US-VISIT programme which uses two fingerprints rather than the ten which will be used in the NIS [Anm.: National Identity Register]. However the scenario depicted (of a false match rate of 1 in 1000) would still be within IPS's capability and could be dealt with by existing resources within the fingerprint bureau. Nonetheless, an enlarged fingerprint bureau is already planned to ensure exceptions can be handled. Exception handling: BAG was particularly concerned with the plans for exception handling, noting that it would be a large part of the NIS (for example, more than 4 million people are over the age of 75 in the UK, a group for which it is hard to obtain good quality fingerprints). Exception handling has a large impact not only on the technical elements of the Scheme but on business processes, schedules and costs. BAG provided a strong endorsement of the importance of research in this area. BAG recommended that research & development funding be used for investigation of the exception handling issues raised in the RNIB report and similar areas. Allein die Gruppe der Älteren über 75 Jahre, bei denen es zu Problemen und hohen Fehlerraten und damit auch zu Fehlfunktionen im Identitätssystem kommen wird, macht in Großbritannien bereits 4 Millionen aus. Der Guardian verweist auf "amerikanische Experten" (wohl vom NIST), nach denen die problematischen Anteile unter der erwachsenen Bevölkerung 2 - 5% ausmachen. Für Deutschland wären das laut dem Jahrbuch 2007 des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2005 in der Gruppe der 18- bis 65-Jährigen und mehr 1.357.611 bis 3.394.029 Millionen Erwachsene, bei denen es mit Erfassung und Abgleich hapern würde. Im Vereinigten Königreich (England, Wales, Schottland und Nordirland) wären es laut der Statistik für Mitte 2006 des Office for National Statistics in der Gruppe der 16 - 75 und mehr Jahre alten Erwachsenen 981.000 Tausend bis 2.452.500 Millionen. Wahrscheinlich hat man wegen des desaströsen Gesamteindrucks die Effekte bei Kinderfingerabdrücken gleich ganz weggelassen. Die Sicherheitspolitiker und Identitätsbehörden können nur hoffen, dass es wirklich zu Bevölkerungsrückgängen kommt, um mit kleineren Margen konfrontiert zu werden. Nun könnte man natürlich sagen – wenn man dem biometrischen Erfassungswahn nicht ganz entsagt – das man einfach und besser wenigstens auf die Alten und Jungen verzichtet, schon allein, weil es doch immer auch um "Kostenersparnisse" gehen soll. Aber Fehlanzeige, bei der Überwachung und Kontrolle von der Wiege bis zur Bahre spielen Kosten weniger eine Rolle, denn schließlich handelt es sich um ein global konzertiertes systematisches Programm, was abgespult wird. Es mag ja auch Terror-Opas und -Omas geben, die sich mit Krückstock und falschem ePass über die Grenzen einschleichen wollen, um sich mit den heimischen Schläfern und Terrorzellen zu vereinigen. Wie man den Heerscharen der schlecht oder gar nicht erfassten und abgeglichenen Bevölkerungsteilen und Einreisenden Herr werden kann, beschreibt ein Sprecher des IPS im Guardian Artikel auf gerade wahnwitzige Weise. Die erste Maßnahme ist die Behauptung, "das selbst in der 75+ Gruppe die Fingerabdruckqualität normalerweise perfekt zu gebrauchen sei." Denn was nicht sein darf, existiert nicht. Die zweite Maßnahme betrifft die oben angesprochene Aufstockung der Ressourcen im IPS, die natürlich auch die Erhöhung des Finanzbedarfs um zig Millionen Pfund bedeutet. Dazu sagt der Mann vom IPS allen Ernstes: "Für die sehr seltenen Ereignisse (wie gesagt, wir sprechen von Hunderttausenden bis Millionen), bei denen ein Fingerabdruckabbild einmal unter die Qualität fallen sollte, die für den automatischen Abgleich erforderlich ist, wird er an einen Fingerabdruckexperten übermittelt, der die Kodierung manuell durchführt, so dass er in der Datenbank gespeichert werden kann (...) ein Fingerabdruckexperte könnte genauso zwei Fingerabdrücke manuell vergleichen, um die Identität einer Person zu bestätigen." Man sieht schon förmlich die Büros von "Fingerabdruckexperten-Bürokraten" kafkaesker Dimensionen wie im Film Brazil und Grenzposten zugeteilte Fingerabdruckexperten-Bürokraten vor sich, wie sie, mühsam mit Lupe und einem Grafikprogramm bewaffnet, Fingerabdrücke begutachten und nachzeichnen. Das ist Wahnsinn mit Methode. Über die Fehlerraten der Experten-Bürokraten, die sie mit ihrem Gepinsel und Beäugen produzieren können, spricht niemand. Vielleicht können neuartige Voodoo-Erfassungssysteme die Erlösung bringen. Die BAG hat noch einen Trumpf in petto, wie man das sich abzeichnende Gemurkse mit den biometrischen Fingerabdrücken kompensieren könnte. Die Empfehlung des BAG würde allerdings die weitere Ausweitung der biometrischen Erfassung mitbringen und gibt uns ein Signal, was nach der vollständigen Umsetzung der heutigen biometrischen Erfassung kommen wird. Im Bericht der BAG heißt es:
The use of iris in the NIS: BAG raised concerns that the use of iris biometric technology was not mandated in the NIS requirements.
Das heißt, wenn es nach der BAG gegangen wäre, würde man neben den Fingerabdrücken und Gesichtsbildern auch die Augeniris erfassen, in den biometrischen Datenbanken des National Identity Registers speichern und abgleichen, weil die Augeniris neben der DNA unter Biometrieexperten und in der Biometrieindustrie als das biometrische Merkmal gilt, welches die geringsten Fehlerraten aufweist und am eindeutigsten zu erfassen und zu erkennen ist.BAG recommended that Iris should be included in the testing for the following reasons:
Allein, die Briten hätten wohl wie die deutsche Öffentlichkeit noch mehr aufgeschrieen, wenn sie auch noch ihre Augen hätten herhalten müssen, sprich die Iris generell zu verlangen und nicht nur in einzelnen Grenzschutzprojekten ist zur Zeit politisch nicht vermittelbar. Der Hauptgrund ist aber, dass das bereits jetzt finanziell kaum zu bewältigende Identitätsprogramm der britischen Regierung ungleich teuerer ausfallen würde, wenn auch noch finanzielle Ressourcen für die Iriserkennungstechnik aufgebracht werden müssten. Das gilt genauso für Deutschland. Deshalb lautete die im Bericht der BAG wiedergegebene Antwort des IPS zur Iris auch: "IPS accepts that iris biometric technology has potential but is not inclined to mandate its testing during the current procurement as it is unlikely to be used for Scheme launch or immediately thereafter." Noch, denn irgendwann werden wir alle unsere netten kleinen Identitätskarten haben, Gesichter und Fingerabdrücke werden längst erfasst, abgespeichert und alle Kosten verarbeitet und vergessen sein. Dann wird es weitergehen – zunächst mit der Augeniris.
Geschrieben von Kai Raven
in Anti-Überwachung, Biometrie, Chips, Datenschutz, DNA, Gesellschaft, Politik, Wissenschaft
um
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Aufmerksam lauschende Überwachungskameras - Dienstag, 24. Juni 2008
Eine weitere Ankündigung aus der Reihe Mit Videoüberwachungskameras wollen wir auch lauschen kommt von der Universität von Portsmouth.
Am dortigen Institute of Industrial Research will man laut der Pressemitteilung CCTV will listen as well as watch in drei Jahren im Rahmen eines Forschungsprojekts bereits entwickelte Programme zur Erkennung visueller Muster für die Lauterkennung adaptieren. So wie die Erkennungssoftware einer Videoüberwachungskamera zum Beispiel Personen oder Objekte anhand ihrer Umrisse, dem Aufenthaltsort oder Bewegungsmuster als verdächtig identifiziert, soll sie in Zukunft auch bestimmte Geräusche und Laute erkennen, die auf verdächtige oder gewalttätige Verhaltensmuster hinweisen. Dazu werden für verschiedene Ausprägungen eines Ereignisses, bei dem Geräusche freigesetzt werden, Grundformen des Geräuschs gebildet. Zum Beispiel erzeugt splitterndes Glas je nach Glastyp oder Größe der Glasfläche unterschiedliche Geräusche, verschiedene Menschen und Menschensansammlungen schreien, wenn sie schreien, unterschiedlich laut und in verschiedenen Stimmlagen. Aus der Gesamtheit aller Ausprägungen eines Geräuschtyps wollen die Wissenschaftler dann generelle Geräuschprofile entwickeln, die alle Typen gemeinsam haben und dann diese Profile in die Erkennungssoftware der Videoüberwachungskamera integrieren. Die soll dann nicht nur mit ihren Mikrofonen sofort "hören", dass gerade eine Fensterscheibe eingeschlagen wird oder eine Person in der Öffentlichkeit "zu laut" wird, sondern auch mittels der künstlichen Intelligenz ihrer Programme weitere Ausprägungen erlernen. Die Lerneffekte und die Weiterentwicklung der Programme soll laut Dr. David Brown irgendwann dahin führen, dass die Software der Kamera bestimmte Wörter anhand ihrer Muster erkennen kann, die in Gesprächen oder Auseinandersetzungen vorkommen und zum Beispiel auf agressives Verhalten hindeuten. Das direkte Ziel der Forschung besteht darin, Überwachung der Kameras zielgenauer zu machen, denn wenn die Kamera ein als verdächtig eingestuftes Geräuschprofil erlauscht, soll sie blitzschnell innerhalb von 300 Millisekunden auf das auslösende Ereignis schwenken und heranzoomen. Eine visuelle Mustererkennung der handelnden Personen und Objekte wie bisher ließe sich anschließend und zusätzlich durchführen. Die Operatoren in den Kontrollzentren bekämen dann nicht mehr nur allgemeine und großflächige Aufnahmen präsentiert, in denen sie selbst erkennen müssten, was verdächtig ist und in die sie manuell hineinzoomen, sondern nur noch die relevanten Ausschnitte, in denen sich nach der "Logik" der Videoüberwachungskameras verdächtiges Verhalten zeigt. Die schnell nachlassende Konzentration und sich einstellende Ermüdungserscheinungen des menschlichen Überwachungspersonal, die stets Probleme beim Einsatz von Videoüberwachung darstellen, hofft man so ebenfalls zu bekämpfen. Die Forschung an der Universität von Portsmouth wird vom Engineering and Physical Sciences Research Council (EPSRC) finanziert. Vom EPSRC werden ständig mehrjährige Forschungsprojekte zur Optimierung der Videoüberwachung finanziert wie zum Beispiel REVEAL - Recovering Evidence from Video by Fusing Video Evidence Thesaurus & Video Meta-Data oder BEWARE: Behaviour based Enhancement of Wide-Area Situational Awareness in a Distributed Network of CCTV Cameras. Gerade das bis 2010 dauernde BEWARE (nomen est omen) Projekt ist interessant. Es zielt darauf ab, mit Videoüberwachungskameras das auffällige Verhalten einer Person zu erkennen, der Person daraufhin ein eindeutiges Erkennungsprofil zuzuordnen, das dann in einem Vodeoüberwachungsnetz oder zusammengeschalteten Videoüberwachungsnetzwerken, das sich über ein ganzes Stadtgebiet erstreckt, von den Videoüberwachungskameras genutzt wird, um die Person während ihres gesamten Wegs durch die Stadt immer wieder zu erkennen und zu verfolgen. Also wie geschaffen für den "Ring of Steel" der Videoüberwachungskameras in London und vielleicht auch für Künstler, die Videoüberwachungsnetze künstlerisch zu nutzen wissen. Via: The Guardian - CCTV cameras to be given 'ears'
Geschrieben von Kai Raven
in CCTV / Video, Datenschutz, Wissenschaft
um
11:37
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