Flug und Fluch des Wellenreiters - 27.05.2010
Da wir es in den beiden Beiträgen Mit MACH-10 in den Orbit und in den Krieg und Maschinen für den schnellen globalen Kriegseinsatz bereits mit der beschleunigten Kriegsführung per Ramjet / Scramjet Hyperschall-Antrieben für die Realisierung der schlagartigen Global Strike Angriffswünsche des US-Militärs zu tun hatten, an dieser Stelle der Hinweis auf ein weiteres, von der US Air Force als "historisch" bezeichnetes Ereignis, das am 26. Mai 2010 über dem Point Mugu Naval Air Warfare Center Sea Range Testgebiet im Pazifischen Ozean stattfand.
Wie die Wright-Patterson Air Force Basis in ihrer Pressemeldung X-51 Waverider makes historic hypersonic flight mitteilte, wurde gestern mit einem B-52 Stratofortress Bomber die experimentelle X-51A Waverider Testrakete in einer Höhe von 50000 Fuß über dem Testgebiet ausgeklinkt. Danach beschleunigte ein taktischer Raketen-Booster der Army die X-51A Waverider zunächst auf eine Geschwindigkeit von Mach 4,8. Nach Abkoppelung des Boosters wurde der Scramjet Antrieb aktiviert, der von dem Unternehmen Pratt & Whitney Rocketdyne (klingt auch ein wenig nach Cyberdyne Systems, gell?) gebaut wurde. Weitere Beteiligte am Bau und der Konstruktion der X-51A sind die DARPA, die Skunkworks Abteilung für experimentelle Fluggeräte bei Boeing und das Air Force Research Laboratory. ![]() X-51A Waverider Foto: Wright-Patterson Air Force Base / Pratt & Whitney Rocketdyne. Der Scramjet Antrieb und beschleunigte die X-51A für weitere 200 Sekunden. Dabei erhöhte sich die Geschwindigkeit der X-51A noch einmal auf Mach 5. Zum Vergleich: Die Spitzen-Geschwindigkeit der SR-71 Blackbird von Lockheed lag bei ca. Mach 3, ein Marschflugkörper wie die deutsch-spanische Taurus Cruise Missile erreicht maximal Mach 0,95, die Hellfire Raketen Mach 1,7. Eigentlich war laut der Ankündigung des Testflugs eine Dauer von 5 Minuten bei einer Spitzengeschwindigkeit von Mach 6 geplant, aber wegen einer "Antriebs-Anomalie" wurde der Flug nach 200 Sekunden abgebrochen. Im Vergleich zu den 10 - 16 Sekunden bei Mach 7 der X-43A Testrakete im Jahr 2004 (s. Links oben) aber ein weiterer Hüpfer vorwärts. Zumal auch dieser Testflug der Gewinnung von Daten über die Flugeigenschaften, das verwendete Material und die Stabilität des Flugkörpers für weitere Experimente diente. Das sich nicht nur das US-Miltär für den Scramjet interessiert, u. a. als neuer Antrieb für zukünftige Mittel- und Langstreckenrakete, für die Abwehr-Raketen ihrer "Schutzschirme" gegen Langstrecken- bzw. Interkontinental-Raketen, für unbemannte Killer-Drohnen oder gar für Truppen-Transporter, wurde ja bereits andernorts erwähnt. Spätestens in ein, zwei Jahrzehnten soll es was werden mit dem Scramjet, was ja passend wäre, wenn bis dahin global überall die Hütte brennt. Wer sich Videos anschauen will: Bei DVIDS gibt es ein Video zu den Vorbereitungen, dem Start mit dem B-52 Bomber und dem Testflug der X-51A. Interessant ist auch der Artikel Hypersonic Cruise Missile: America's New Global Strike Weapon von Noah Shachtman bei Popular Mechanics. Das Ares Weblog der Aviation Week berichtete im Beitrag Hypersonic BrahMos Missile Ready for Testing by 2015 über die BrahMos Überschall-Marschflugkörper, einem russisch-indischen Gemeinschaftsprojekt, das laut der Aussage des BrahMos Aerospace CEO im Ares Beitrag eine Hyperschall-Version des Raketensystems in der Planung hat. Testbeginn wie gesagt ab 2015.
Geschrieben von Kai Raven
in Drohnen, Rüstung, Wissenschaft
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16:33
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Zukunftsreport Ubiquitäres Computing - 15.02.2010
Der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Bundestages hat den informativen und mit 128 Seiten umfangreichen Zukunftsreport Ubiquitäres Computing veröffentlicht, der sich mit der Geschichte, dem aktuellen Stand der Technik und Diskussionen und den möglichen zukünftigen Entwicklungen der Techniken befasst, die mit den Begriffen des "Ubiquitären Computing" (UbiComp), "Pervasive Computing", "Ambient Intelligence" und dem "Internet der Dinge" verbunden sind. Eines der "Icons" dieser Techniken ist der mittlerweile allseits bekannte RFID Funkchip. Aus dem Bericht:
Unter dem Begriff "Ubiquitäres Computing" (UbiComp) wird die Allgegenwärtigkeit von Informationstechnik und Computerleistung verstanden, die in prinzipiell alle Alltagsgegenstände eindringen. Computerleistung und Informationstechnik können damit auf einem neuen Niveau gesellschaftliche Bereiche erfassen – von der industriellen Produktion bis in den privaten Alltag.
Auf den ersten Blick fehlt mir die Einbeziehung von "UbiComp" Techniken, Projekten und Anwendungen in militärischen Bereichen oder die Einbeziehung experimenteller Projekte an Unis, von denen neue Anstöße in Richtung "UbiComp" ausgehen und die Auswertung der Presselandschaft reduziert sich auf die gängigen Publikationsorgane, während z. B. Heise Newsletter und Telepolis überhaupt nicht vorkommen, obwohl dort "UbiComp" öfters und detaillierter Thema war, als in eher oberflächlichen Artikeln der anderen Zeitungen, aber als Einstieg, zur Übersicht und zum Nachschlagen kann man die Technikfolgenabschätzung dennoch gut verwenden.Der vorgelegte TAB-Bericht konzentriert sich auf wirtschaftlich und gesellschaftlich besonders wichtige und zukunftsweisende Anwendungen in Handel, Logistik, Industrie, Verkehr, Gesundheitsversorgung sowie der Personenidentifikation. Dabei wurden jeweils die Entwicklungspotenziale des Ubiquitären Computings aufgezeigt, Bedingungen für ihre Realisierung herausgestellt sowie untersucht, wo Handlungsbedarf mit Blick auf sich bietende Chancen aber auch Fragen der informationellen Selbstbestimmung, Daten- und Verbraucherschutz besteht. Aktuell und passend dazu will Vodafone laut einem Financial Times Artikel die gleiche RFID Chiptechnik wie im ePA und ePass mit SIM-Karten im Handy verbandeln, um auch das "Handy zum Ausweis zu machen". Die Idee ist nicht neu, sondern war absehbar und korrespondiert mit den zahlreichen Vorschlägen, uns allen irgendwann und irgendwie einen "Internetausweis" verpassen zu wollen.
Geschrieben von Kai Raven
in Biometrie, CCTV / Video, Chips, Data Mining / Fusion, Datenschutz, Grundrecht, Ökonomie, Politik, Wissenschaft
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10:38
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Krabbelnde, springende und fliegende MAST Überwachungsroboter - 14.01.2009
Der Aviation Week Artikel Unmanned Vehicles Mimic Insects vom 12. Januar 2009 stellte die Zielsetzungen und Forschungsbereiche der Micro Autonomous Systems and Technology (MAST) and Collaborative Technology Allianz, über die im Beitrag Unbemannte Invasoren in der Stadt berichtet wurde, aus Sicht von Aaron Penkacik vor, dem Leiter der Electronic & Integrated Solutions Abteilung von BAE Systems.
BAE Systems führt laut der Pressemitteilung BAE Systems led team to develop miniature robots for military use vom 28. April 2008 die MAST Forschungsallianz an, die verschiedenste fliegende, hüpfende und kriechende Mini-Roboter für MAST entwickeln wird. Neben den BAE Forschungslabors sind die Universität von Kalifornien, das Institut für Technologie und das Jet Propulsion Labor in Kalifornien, das Institut für Technologie in Georgia, die Universität von New Mexico, die Technische Universität von North Carolina, die Universität von Mailand in Italien und die Universität von Sydney in Australien am MAST Programm beteiligt. Zur Verwirklichung der MAST Albträume erhielt BAE Systems vom U.S. Army Research Laboratory einen Forschungsvertrag über 38 Millionen US$, mit denen zunächst bis 2013 mit Option zur Verlängerung bis 2018 die MAST Mini-Roboter erforscht und entwickelt werden sollen. Mit dem Masseneinsatz der Mini-Überwachungsroboter dürfte also bis zu den 20er Jahren dieses Jahrhunderts nicht zu rechnen sein. Bis dahin hat man vielleicht auch das Ausmaß an Effizienz und Miniaturisierung der Körperkonstruktionen, Sensoren, Kommunikationsmodule und Energiequellen erreicht, dass die Roboter tatsächlich in Bau gehehn können. Wie bereits im Beitrag über die "Invasoren" beschrieben, geht es darum, die Mechanismen und Funktionen bei Tieren zur Energieversorgung ihres motorischen Apparats, zur Kommunikation innerhalb eines Gruppen- oder Schwarmverbandes und besondere Bewegungs- und Flugeigenschaften von Insekten besser zu verstehen und sie auf insektoide Mini-Roboter zu übertragen. Die Mini-Roboter, die eines Tages autonom und sich selbst organisierend in Schwarmverbänden operieren sollen, fungieren dann als Knoten in Netzwerken, die der Kommunikation und Datenübertragung von Kampfverbänden dienen. Daneben stellt jeder Mini-Roboter die mobile Plattform für verschiedene Sensoren, zu denen laut der FAQ zu MAST Videokameras, Mikro-Radar, Mikrofone, Wärme- und Bewegungssensoren zählen, so dass sie zu "Augen und Ohren" der Einsatzkräfte werden, die für sie in "städtischen Umgebungen und in komplexen Terrains" wie Höhlen, Tunneln, Straßen, Wohnräumen und Häusern auf Spionagetour gehen oder sich mit ihren elektronischen Komponenten zur elektronischen Kriegsführung in fremde Netzwerke einhacken, um zum Beispiel Datenübertragungen und den Kommunikationsverkehr zu stören oder abzuhören. Im Aviation Week Artikel beschrieb Penkacik, wie ein arbeitsteiliger Einsatz einer Mini-Roboter Gruppe aussehen könnte: "Du willst irgendwo Aktivitäten überwachen, weil Du denkst, dass man dort gerade dabei ist, Bomben zuammenzubauen. Wie würde der Schwarm aussehen, den du ausgesetzt hast, um die Überwachung für eine Woche zu gewährleisten? Er würde einen fliegenden Roboter mit einer Videokamera beinhalten, der auf einem Gebäude der Straße hockt und möglichweise solange im Schlaf-Modus bleibt, bis der akustische oder seismische Sensor eines krabbelnden Roboters innerhalb des Zielgebäudes die Ankunft eines Fahrzeugs feststellt. Über das ad hoc Netzwerk [der Roboter-Gruppe] werden die Sensoren [des fliegenden Roboters] aktiviert und dessen Überwachungsmission gestartet. Du kannst die Aktivitäten überwachen und zusätzliche Roboter dem Schwarm hinzufügen."
Eine optischen Eindruck von den Vorstellungen der BAE Systems Wissenschaftler bietet eine Animation von BAE System zu MAST (hier als MP4 Datei), in der wie bereits zuvor in einer Animation des Air Force Research Laboratory (AFRL) die fliegenden, krabbelnden und springen MAST Roboter
in Spinnen-, Libellen und Vogelgestalt (neben einem iRobot PackBot) ihren Auftritt bekommen:
![]() ![]() Da die Größe der MAST Roboter die einer Biene bis zu einer Handfläche betragen soll, kann jeder Soldat eine bestimmte Menge der Mini-Roboter transportieren. ![]() Neben dem Abwurf und dem Transport durch Drohnen aus der Luft kann auch ein IRobot PackBot die Roboter zum Einsatzziel transportieren und ausladen. ![]() ![]() MAST Roboter in Gestalt eines fliegenden Insekts und in Spinnenform. ![]() Nach dem Auskundschaften folgt die Auslöschung. Zwei Abbildungen von BAE Systems zur möglichen Robotergestalt von der BAE Micro Autonomous Systems and Technology (MAST) Informationssseite: ![]() ![]() ![]()
Geschrieben von Kai Raven
in CCTV / Video, Drohnen, Roboter, Wissenschaft
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"Schulprojekt" zur Gesichtserkennung in Großbritannien - 10.01.2009
Es begann an britischen Schulen mit der Einführung von Fingerabdruck-Scannern und dem nachfolgenden Freifahrtschein für Schulen durch die britischen Schulbehörden, jede biometrische Technik einführen zu dürfen, wenn sie den Datenschutz der gesammelten und genutzten Biometrieprofile "gewährleistet". Für Schüler und Eltern gab es keine Mitbestimmungsrechte. Da hatte man in Großbritannien schon begonnen, die Fingerabdrücke der Eltern für Besuche im Pub einzufordern, noch bevor der Staat sie für die nationale Identitätskarte und das Identitätssystem erfassen wird. Parallel begann die britische Regierung mit dem Auf- und Ausbau von Datenbanken zur Speicherung von Profilen über Schüler und Minderjährige.
Dem folgten wie in vielen anderen Staaten kurz darauf Tests mit RFID Funkchips, um Schüler zu kontrollieren und zu überwachen, wenn sie nicht eh von ihren Eltern mit GPS- und Handy-Tracking auf Schritt und Tritt verfolgt werden. Die Hardcore-Varianten werden in Haftanstalten angewendet oder spielerisch und kritisch in Forschungsprojekten ausprobiert. Nur ein paar Schlaglichter, warum es trotz der noch bestehenden Umgehungstaktiken und technischen Schwächen bei einzelnen Techniken zur biometrischen Identifizierung, Lokalisierung und Verfolgung, dem regelmäßigen Strom aufgedeckter Datenlecks und -verluste in Firmen und Behörden, der aufmerksam gewordenen Presse und trotz vereinzelter Proteste und Widerstände nicht überrascht, dass man sich in Großbritannien wieder einmal an Schülern vergeht, um sie an ihre biometrische Überwachung heranzuführen und sie an ihnen zu erproben. Diesmal ist es die Gesichtserfassung und -wiedererkennung, die der britische Hersteller für Gesichtserkennungsprodukte Aurora laut des Artikels Face scanners to be installed in schools im Telegraph – etwas ausführlicher im Artikel Face scanners to be introduced in British schools in new 'Big Brother' row der Daily Mail – mit Rückendeckung der britischen Regierung am St. Neots Community College installieren und erproben darf. ![]() Auroras Clockface Gesichtsscanner, den man zusammen mit dem Überwachten auch in in Auroras Integrated Biometric Turnstile Sicherheitskäfig stecken kann. In Schulen werden Identitätserkennungssysteme wie Auroras System an Schulaus- und -eingängen verwendet, um das pünktliche Erscheinen und regelwidriges Verlassen festzustellen, in Schulfluren, um den Aufenthalt von Schülern zu verfolgen, zur Zugangskontrolle an den Eingängen von Schulbibliotheken, in Cafeterias und Mensen zur Abrechnung oder in Schulklassen bei Prüfungen. Ergänzen lassen sie sich durch Schüler Identätskarten mit RFID Funkchip und Kombinationen aus Videoüberwachungskamera und Mikrofonen in Unterrichtsräumen und auf den Fluren, wie bei den Produkten von Classwatch, die speziell für die Überwachung in Schulen hergestellt werden, über die der Artikel Big Brother CCTV to spy on pupils aged four - complete with CPS evidence kit der Daily Mail vom 29. Dezember berichtete. Ähnliches ist ja auf britischen Straßen zu finden. Damit ähneln manche Schulen bereits ihren Vorbildern – den mit High-Tech Überwachungstechniken vollgepumpten Haftanstalten und Hochsicherheitsbereichen in Behörden und Unternehmen. Wie auch bei den anderen Überwachungsprojekten an Schulen kommen Vertreter der Schulen und Schulbehörden mit den gleichen Argumenten daher, um die Überwachungstechnik Schülern und Eltern zu verkaufen: Sie erleichtere und beschleunige Verwaltungstätigkeiten, diene dem Schutz der Schule und der Schüler vor Pädophilen, die in die Schule eindringen wollen oder vor Schülern, die zum Beispiel Schuleigentum entwenden oder beschädigen. Versichert wird bei jedem neuen "Schulprojekt", wie sicher doch biometrische Identätsmerkmale und die mit ihnen verknüpften persönlichen Daten der Schüler in den Datenbanken der Schulen und Dienstleister gespeichert und verwaltet würden und das auch nie, nie Datenaustausch und -weitergabe an britische Polizei- und Sozialbehörden stattfindet. Bis zum nächsten Sicherheitsgesetz, das genau das zum Wohle des Landes und der Kinder den staatlichen Behörden erlaubt. Mal sehen, wie sich die Techniken mit gefälschten Fingerabdrücken, geklonten RFID Chips oder Gesichtsfotos und -masken bewähren, mit denen sich Schüler nach Vorbild von "Little Brother" technisch bewehren könnten, was das Einsammeln und Ausnutzen ihrer biometrischen Identitätsmerkmale allerdings nicht verhindert.
Geschrieben von Kai Raven
in Anti-Überwachung, Biometrie, CCTV / Video, Chips, Datenschutz, Geheimdienst / Polizei, Gesellschaft, Grundrecht, Ökonomie, Politik, Wissenschaft
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10:36
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Zum Start von Europeana in einer Woche - 13.11.2008
Ab dem 20. November wird es von der EU ein weiteres interessantes Angebot für Bürger geben, denn dann startet offiziell das Europeana Portal.
Bei Europeana handelt es sich um ein Projekt im Bereich Digitale Bibliotheken des eContentplus Programms der i2010 -Initiative zu Digitalen Bibliotheken der EU, das im Juli 2007 gestartet wurde. Ziel des Projekts war die Verwirklichung einer Kombination aus Digitalem Museum, Archiv und Digitaler Bibliothek, über die Filme, Fotografien, Gemälde, Musikaufnahmen, Karten, Manuskripte, Bücher, Zeitungsartikel und archivierte Dokumente zugänglich werden, die bereits von Bibliotheken, Museen, Archiven, Wissenschaftsinstitutionen und audio-visuellen Sammlungen in Europa digitalisiert wurden. Das Europeana Portal wird zum Start Zugriff auf 2 Millionen Objekte bieten, bis 2010 sollen über Europeana 6 Millionen Objekte zugänglich gemacht werden. Laut der epractice Meldung "Europeana": The European Digital Library is launched stehen für den Zeitraum von 2009 - 2010 ingesamt 119 Millionen € für Digitalisierungsprozesse, Forschungsaktivitäten zu digitalen Bibliotheken und zur digitalen Erschließung der Bestände zur Verfügung. Neben Europeana kann man natürlich auch in Angeboten wie der Europäischen Bibliothek in Beständen der europäischen Nationalbibliotheken forschen und stöbern, die von der Königlichen Bibliothek der Niederlande unterhalten wird. Es muss ja nicht immer die Wikipedia sein. Das Europeana Portal ist schönes Beispiel, was die Europäische Union auch sein kann und ein Dienst, der neben der Bereitstellung von Dokumenten und Mitteilungen über Feeds oder Live-Übertragungen von Ausschuss- oder Plenarsitzungen jedem Bürger ermöglicht, sich mit Hintergrundinformationen, geschichtlich-kulturellem Wissen und tagespolitischen News zu versorgen – wenn die nötige Offenheit und Transparenz der beteiligten Institutionen hinzukommt, die auch Grundlagen sind, damit sich Bürger überhaupt für politische, gesellschaftliche und kulturelle Aspekte interessieren und selbst aktiv werden – in welcher Form auch immer und jenseits der Frage, ob sie die Möglichkeiten, Dienste und Angebote auch nutzen und annehmen. Ein Punkt, bei dem es immer noch bei der Europäischen Union hapert, auf den insbesondere das Europäische Parlament und die Parlamente der Mitgliedsstaaten immer wieder hinweisen, ist die Mehrsprachigkeit der angebotenen Dienste und Informationen. Ich habe zum Beispiel mit englischsprachigen Dokuemnten kein Problem, aber wenn es dann sehr lange Texte sind, kostet es einfach mehr Zeit, die zu lesen und zu analysieren. Zu einem "geeinten Europa" gehört auch, dass der Einwohner einer Kleinstadt in Rumänien, der sich vielleicht keinen eigenen Computer und Internetzugang zulegen kann, in seine Stadtbibliothek geht und über den dortigen Internetzugang alle Objekte, Dokumente und Informationen in seiner Landessprache abrufen kann, statt nur Quellen in Sprachen eines "Kerneuropas" aus Deutschland, Frankreich usw. vorzufinden. Das Europeana Portal startet zum Beispiel mit deutsch-, englisch- und französischsprachiger Oberfläche, ein Hauptpunkt im Programm zur Weiterentwicklung des Portals liegt aber in der Umsetzung einer multilingualen Bedienung. ![]() "Under Construction" Meldung nach dem Launch der Europeana wie zu Urzeiten des WWW.
Geschrieben von Kai Raven
in Bürgerrecht, Gesellschaft, Linktipp, Medien / Kultur, Politik, Wissenschaft
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08:46
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Mehr Transparenz für Big Brother - 27.10.2008
Zum interessanten Telepolis Artikel Durch Wände und Kleider sehen über "Nacktscanner" und "VisiBuilding" Techniken, die bereits lange vor der Welle, die der "Nacktscanner" letztens machte, in der Erforschung und Entwicklung sind, hatte ich zum im Artikel genannten PROBANT "Through-the-Wall-Sensing" Durchleuchtungsgerät für Hauswände noch eine Präsentation vom September 2008 auf der Platte. Daraus drei Shots:
![]() ![]() ![]() In den USA wurden in der Vergangenheit mit ähnlichen Produkten u. a. L3 CyTerra mit dem EMMDAR für "Through-the-Wall Sensing" bekannt, die auch den "Nacktscanner" bauen, von dem die berühmt gewordene Abbildung der "nackten" Körper stammt oder die Physical Optics Corporation mit dem LEXID. Wie man sieht, bilden die Geräte bis jetzt nur Farbkleckse und grobe Muster ab, keine konkreten Körper, Objekte oder deren Silhouetten. Man erkennt aber, dass das Interesse an den Techniken zur Transparenzmachung ungebrochen ist und worauf derartige Forschung und Geräte hinauslaufen. Ralf, wenn Du doch schon an der TU bist, schau doch mal in die Labore der Kollegen, was die neben Datenschutzprojekten sonst noch mit Wandscannern, Organischen oder Mini-Drohnen anstellen.
Geschrieben von Kai Raven
in CCTV / Video, Datenschutz, Geheimdienst / Polizei, Grundrecht, Politik, Überwachung, Wissenschaft
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13:51
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SHA-2 Familie und SHA-3 - 20.10.2008
Eigentlich nur noch eine Formalie: Vor drei Tagen wurde im Federal Register die Annahme des "Federal Information Processing Standard" (FIPS) 180-3 für den "Secure Hash Standard" (SHS) vom NIST und dem US-Handelsministerium bekanntgegeben, in dem der "Secure Hash Algorithmus" (SHA) und seine Hashwerte definiert und festgelegt werden. Für FIPS-180-3 sind das nach SHA-1, der immer mehr durch Angriffe geschwächt wird, SHA-224, SHA-256, SHA-384 und SHA-512 der "SHA-2 Familie", die u. a. bei der OpenPGP Verschlüsselung mit GnuPG für die Erzeugung der digitalen Signaturen benutzt werden oder für Prüfsummen zur Überprüfung heruntergeladener Software.
Wegen der Fortschritte auf dem Gebiet der Kryptoanalyse von Hashalgorithmen, insbsondere der Angriffen gegen SHA-1 und den Diskussionsergebnissen der NIST Workshops über Hashalgorithmen hatte das NIST am 2. November 2007 ähnlich wie zur Entwicklung des "Advanced Encryption Standard" (AES) die Durchführung des offenen Wettbewerbs um den Nachfolger des Hashalgorithmus SHA-1 und der SHA-2 Familie eröffnet, der den Namen "SHA-3" bekommt und für den Kryptologen bis Ende Oktober 2008 ihre Kandidaten einreichen können. Der Kandidat muss wie die SHA-2 Familie Hashwerte mit den Längen 224, 256, 384 und 512 bits anbieten, während 160 bit wie bei SHA-1 und RIPEMD-160 nicht mehr vorgesehen ist, weil laut NIST "der 160-bit Hashwert zu klein für die Verwendung für digitale Signaturen wird", mindestens die Sicherheitsstärke der SHA-2 Familie aufweisen und Angriffsmethoden, die möglichweise gegen die SHA-2 Familie praktikabel sind, erfolgreich widerstehen. Nach Abschluss der Prüfungen, Bewertungen und Konferenzen ist mit einer endgültigen Entscheidung nicht vor Ende 2012 zu rechnen. Aktuelle Änderungen kann man in der NIST Zeitachse zum Wettbewerb verfolgen. Im Tech Beat vom 12. November 2008 teilte das NIST mit, dass bis zur Deadline 64 Hashverfahren von Einzelpersonen bis zu Gruppen mit 15 Mitgliedern für den Wettbewerb eingereicht wurden. Die Einreichungen werden danach begutachtet, ob sie komplett und formal richtig verfasst wurden, um auf der Wettbewerbseite veröffentlicht zu werden und in die erste Wettbewerbrunde zu gehen. Auf der Hash-Forum Mailingliste teilte William Burr, Manager der Security Technology Group im NIST, am 10.12.08 mit, dass von den 64 Einreichungen 51 Kandidaten überlebt haben und in die erste Wettbewerbrunde gelangen, zu der vom 25 - 28. Februar 2009 die erste SHA-3 Konferenz in Leuven, Belgien stattfindet. Außerdem skizzierte er den Weg des weiteren Wettbewerbverlaufs. Während des Sommers 2009 sollen aus den 51 Kandidaten 15 für die nächste Wettbewerbrunde ausgewählt werden, für die zum August 2010 die zweite SHA-3 Konferenz geplant ist. In die dritte Runde gelangen danach 5 Hashfunktionen als Finalisten, aus denen nach einer dritten Konferenz eine Hashfunktion zum SHA-3 gekürt wird. Weitere Informationen zu den Kandidaten und den SHA-3 Wettbewerb: Skein Hashfunktion Bruce Schneier, Niels Ferguson, Stefan Lucks, Doug Whiting, Mihir Bellare, Tadayoshi Kohno, Jon Callas, Jesse Walker. MD6 Hashfunktion Ron Rivest, Benjamin Agre, Daniel V. Bailey, Christopher Crutchfield, Yevgeniy Dodis, Kermin Elliott Fleming, Asif Khan, Jayant Krishnamurthy, Yuncheng Lin, Leo Reyzin, Emily Shen, Jim Sukha, Drew Sutherland, Eran Tromer, Yiqun Lisa Yin. The SHA-3 Zoo führt eine Liste über alle Kandidaten und die Ergebnisse ihrer Kryptoanalyse. Das eBASH (ECRYPT Benchmarking of All Submitted Hashes) Projekt untersucht Hashfunktionen hinsichtlich ihrer Performance, auf der Seite zum Skein Hash gibt es Engineering comparison of SHA-3 candidates und im Ecrypt Wiki eine Übersicht zu SHA-3 Hardware Implementations.
Geschrieben von Kai Raven
in Anti-Überwachung, Datenschutz, Kryptografie, Software, Wissenschaft
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14:07
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Die neue Quälwaffe von Raytheon - 11.10.2008
Die AviationWeek überschlägt sich mit gleich drei Beiträgen zur neusten "Quälwaffe" von Raytheon. Gemeint ist die Millimeter-Mikrowellen Waffe "Silent Guardian", eine Weiterentwicklung und Verkleinerung von Raytheons "Active Denial System" (ADS-II) Mikrowellenwaffe, von der drei Systeme an die U. S. Air Force ausgeliefert wurden.
Wie die AviationWeek Beiträge berichten, wird mit dem "Silent Guardian Protection System" ein gebündelter Millimeter-Mikrowellenstrahl kurzzeitig auf Zielpersonen gerichtet – bis auf eine Entfernung von über 250 Metern – wo der Strahl die Haut knapp einen halben Millimeter durchdringt, gerade genug, um die freien Nervenenden in der Dermis zu erreichen, die Hitzereize aufnehmen, um bei den Zielpersonen den Eindruck eines starken Verbrennungsschmerzes zu erzeugen. Das die Waffe nicht darauf angelegt ist, nur vereinzelte Personen zu treffen, sondern schnell viele Personen, ergibt sich aus dem 360 Grad Drehkopf der Antenne, dem integrierten Zielerkennungs- und verfolgungssystems und einer Pause von zwei Sekunden zwischen zwei "Schüssen". Silent Guardian kann laut Raytheon auf Standard-Militärtransportern montiert und in Kampffahrzeuge integriert werden, bei weiterer Miniaturisierung oder größeren Bauformen der Militär-Roboter wohl bald auch auf Killer-Roboter. ![]() ![]() Das "Silent Guardian Protection System" Abbildungen: Raytheon. ![]() Das "Active Denial System" II. Abbildung: Raytheon. Gedacht ist Silent Guardian für den "nicht-tödlichen" Einsatz gegen Aufrührer und Aufständische, Demonstranten und alle Personen, die Widerstand gegen die Staatsgewalt leisten, um sie abzuschrecken, einzuschüchtern oder zu vertreiben, ohne sie direkt erschießen zu müssen. Raytheon drückt das in verschiedenen Texten so aus:
Das Silent Guardian Schutzsystem ist eine revolutionäre, weniger tödliche Anwendung mit gebündelter Energie, die Millimeterwellenenergie einsetzt, um Individuen oder Menschenaufläufe zurückzutreiben ohne Verletzungen hervorzurufen, weil der Strahl nur oberflächlich die Haut durchdringt. Diese Eigenschaften ermöglichen den Anwendern, Gegner zu stoppen, abzuschrecken und umkehren zu lassen, ohne tödliche Waffen einzusetzen.
Das legt nahe, neben Killer- und Überwachungs-Drohnen auch die Mikrowellenwaffen zunächst in den Testländern Irak, Afghanistan und Pakistan auszuprobieren, bevor es vielleicht Demonstrationen und Riots gegen den nächsten IWF- oder G8-Gipfel oder Parteikongress in den USA sind.Silent Guardian bietet eine Zone des Schutzes, die Leben rettet, Gegenstände schützt, Kollateralschäden minimiert und die taktische Qualität, Gewaltausbrüche zu kontrollieren. Es ruft präzisere Effekte auf größere Distanzen hervor als aktuelle, weniger tödliche Systeme und bietet die zeitnahe Befähigung, sich Respekt zu verschaffen und Aggressionen zu deeskalieren. Der fokussierte Strahl aus Mikrowellenernergie ruft eine unerträgliche Hitzeempfindung hervor, die getroffene Individuen dazu veranlasst zu fliehen oder in Deckung zu gehen. Silent Guardian ist gegen Staub, Regen und Salzwasser geschützt und unterstützt Operationen unter Bedingungen bis 53 Grad Celsius Umgebungstemperatur. Verschiedene kommerzielle und militärische Anwendungszwecke beinhalten Strafverfolgung, die Absicherung von Kontrollstellen, den Schutz von Einrichtungen, den Truppenschutz und friedenserhaltende Missionen. Wie ein AviationWeek Beitrag anmerkt, hat die Forschungs- und Entwicklungsbehörde des US-Justizministeriums (NIJ) bereits ihr Interesse an der Entwicklung einer kleineren Millimeterwellen-Mikrowellen Waffe in Gewehrform für kurze Distanzen zur Ausrüstung von Polizeikräften und -einheiten bekundet, die dort die Elektroschock-Waffen ergänzen könnten. Auf der Webseite des NIJ zum ADS heißt es, "dass NIJ hat einen kleinen, funktionsfähigen Prototypen des militärischen ADS entwickelt, den Polizisten und Gefängniswärter mit sich tragen können". Über den Zwischenstand der Entwicklung einer portablen Quälwaffe, die auch die Modifizierung der "Personnel Halting and Stimulation Response" (PHaSR) Laser-Waffe einschließt, die bereits 2005 für die U. S. Air Force projktiert wurde, berichtete NewScientiest im Beitrag US police could get 'pain beam' weapons vom 24. Dezember 2008. Die Behörde fährt u. a. zusammen mit der internationalen Vereinigung der Polizeichefs, die eine eigene Arbeitsgruppe zu "weniger tödlichen" Waffen unterhält, dem NIST, der Forschungsbehörde der britischen Polizei und der Homeland Security Advanced Research Projects Agency (HSARPA) des US-Heimatschutzministeriums eine eigene Forschungsinitiative zur Entwicklung und Produktion sogenannter "nicht-tödlicher" Waffen. Während sich das NIJ um den Einsatz von "nicht-tödlichen" Waffen durch zivile Polizei- und Disziplinierungskräfte kümmert, steht für den militärischen Bereich die gemeinsame Abteilung bzw. das gemeinsame Programm zu "nicht-tödlichen" Waffen (JNLWP) des US-Verteidigungsministerium, der Navy, Air Force, Army, Küstenwache, Marine und des Special Operations Kommando der Special Forces für den militärischen Bereich im Zentrum. Die nach oder wegen den Desastern und Erfahrungen während der "Friedensmissionen" UNOSOM I + II in Somalia im Jahr 1996 gegründete Abteilung vergibt Aufträge an die Produzenten, testet neue Prototypen und stößt ihre Entwicklung an, bildet in der Anwendung "nicht-tödlicher" Waffen aus und lässt über das Human Effects Center of Excellence (HECOE) die Risiken, Wirkungen und Schadenspotentiale "nicht-tödlicher" Waffen auf den menschlichen Organismus erforschen. Die Auf- und Ausrüstung ist also auch in diesem Bereich der "nicht-tödlichen" Waffen im vollen Schwange. Siehe auch die AviationWeek Beitrage High Power Microwave Nearly Operational, Frying the Foe, "Silent Guardian" Zaps Journo und den Artikel Gegner von Elektroschock-Waffen (in Frankreich) wurde bespitzelt im Tagesspiegel.
Geschrieben von Kai Raven
in Drohnen, Geheimdienst / Polizei, Hardware, Menschenrecht, Politik, Roboter, Rüstung, Wissenschaft
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