Geheime Anordnungen für geheime Spezialeinheiten - Montag, 10. November 2008
Es ist ein offenes Geheimnis, dass durch reguläre Militärverbände, die CIA und militärische Spezialeinheiten jenseits einer offiziellen Kriegserklärung und unter Verletzung der Souveränität von Staaten militärische Aktionen verdeckt hinter den Grenzen betroffener Staaten durchgeführt werden. Zum Teil mit stillschweigendem oder erklärtem Einverständnis, wenn sich die jeweilige Regierung im "Globalen Krieg gegen den Terror" mit den USA vereint sieht.
Zu aktuellen Beispielen zählt der Angriff von US-Helikoptern auf ein syrisches Dorf und die fortgesetzten Angriffe mit Killer-Drohnen der CIA und Air Force im pakistanischen Waziristan. Die schlichte Legitimation nach derartigen Übergriffen, die auch in der deutschen Presse unwidersprochen übernommen wird, lautet stets, dass ein hochrangiger Taliban oder Al-Qaida Führer per "Shoot-to-Kill" ausgeschaltet wurde oder der Angriff einem "Rückzugsraum" der Taliban oder der Al-Qaida galt. Ein wenig Licht auf diese Angriffspraktiken der Bush-Administration lässt der gestrige Artikel Secret Order Lets U.S. Raid Al Qaeda in Many Countries der New York Times fallen. Quellen bei den US-Geheimdiensten, dem Pentagon und der Bush-Administration haben der New York Times gesteckt, dass der ehemalige Verteidigungsminister Rumsfeld mit Genehmigung von Bush im Jahr 2004 die geheimgehaltene "Al Quaeda Netzwerk Ausführungsanordnung" erlassen hatte. In die Anordnung wurde eine Liste von 15 - 20 Staaten aufgenommen, die meisten im Nahen Osten, für die den militärischen Verbänden des Kommandos für Spezialoperationen und der CIA erlaubt wurde, ohne Einbeziehung und Informierung des betroffenen Staates oder erklärtem Krieg verdeckte Angriffe und Aufklärungsmissionen mit einem komprimierteren Genehmigungs- und Prüfverfahren durchzuführen. Das Verfahren sieht so aus, dass nur noch die direkte Genehmigung des Verteidigungsministers oder des Präsidenten für eine Aktion eingeholt werden muss, wenn von den vor Ort miteinander kooperienden Einheiten der Spezialkommandos und der CIA ein Einsatzbedarf angemeldet wird, statt die übliche militärische Bürokratie und Hierarchie bemühen zu müssen. ![]() Abbildung aus dem Handbuch FM-3-05.130 über unkonventionelle Kriegsführung und irreguläre Einsatzmethoden der Army Special Operations Kräfte, zu denen auch der Einsatz von Überwachungs- und Killer-Drohnen gehört, September 2008. Quelle: FAS/Secrecy News: Army Rethinks Unconventional Warfare. Wie es in dem Artikel weiter heißt, soll für den Iran eine Sonderregelung getroffen worden sein, die zwar das Eindringen in den iranischen Luftraum mit Überwachungs-Drohnen erlaubt, aber keine aktiven Angriffe. Ganz im Gegensatz zu Pakistan, für dessen Gebiete entlang der pakistanisch-afghanischen Grenze der jetzige Verteidigungsminister Gates abgleitet von der Anordnung aus dem Jahr 2004 eine spezielle, ebenfalls unbekannte Anordnung erlassen haben soll, die CIA und die militärischen Spezialeinheiten anweist, Ziele in Pakistan zu selektieren, um sie danach zu attackieren, wenn der innere Zirkel des Nationalen Sicherheitsrats, das Commitee of Principals, sein OK fürs Töten gibt. Man kann gespannt sein, wie der neue "Hoffnungsträger" Obama mit diesen und anderen Anordnungen seines Vorgängers umgeht. Seine Initiation als oberster Geheimnisträger und Produzent neuer Geheimnisse hat er ja bereits hinter sich und passend eingeleitet: Auf die schlichte und für die "Nationale Sicherheit" sicherlich ungefährliche Frage, ob "das Briefing der Geheimdienste, das er jetzt täglich erhält, seine Sicht auf ein internationales Problem geändert habe", gab es nur die paranoide Antwort, "wenn es so wäre, würde ich es nicht sagen." Zur irregulären / unkonventionellen Kriegsführung der U.S. Special Forces siehe auch: Field Manual 3-05.201 - Special Forces Unconventional Warfare Operations (30.04.2003) Field Manual 3-05.202 - Special Forces Foreign Internal Defense Operations (02.02.2007)
Geschrieben von Kai Raven
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08:29
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Secrecy - der Film zur US-Geheimstaatspolitik - Freitag, 5. September 2008
Per Secrecy News von der FAS ("Federation of American Scientists") bin ich auf den Film "SECRECY" von Peter Galison and Robb Moss über die Geheimstaatspolitik der Bush-Administration aufmerksam geworden. Eine der letzten markanten Auswirkungen war die gesetzliche Verankerung der Immunität für US-Telkos im ergänzten FISA, die gemeinsame Sache mit der NSA machen und die permanente Durchsetzung des Geheimhaltungsprivilegs in allen Gerichtsverfahren gegen die Telkos und die NSA. Da sich ähnliche Tendenzen und Auswirkungen überall zeigen, könnte der Film auch für Deutsche interessant sein.
![]() So gehörten zur "Besetzung" Mike Levin, während der Anfänge der NSA mit dabei, später Berater der US-Geheimdienste und Mitglied der Vereinigung ehemaliger Geheimdienstoffiziere, Melissa Boyle Mahle, ehemalige CIA Agentin und u. a. Spezialistin für Antiterrormissionen, James B. Bruce, bis 2005 bei der CIA, danach als Politikwissenschaftler bei der geheimdienst- und regierungsnahen RAND Corporation. Für die Kritiker und Gegner sprechen u. a. Tom Blanton, Direktor des National Security Archive, das immer wieder Dokumente zur Nationalen Sicherheit und der NSA aus der Vergangenheit loseist, Ben Wizner, Anwalt bei der Bürgerrechtsorganisation ACLU, der u. a. an den Verfahren von El-Masri in den USA beteiligt war oder Steven Aftergood, Wissenschaftler und treibende Kraft in der FAS. ![]() Siehe auch: U.S. Army - Memorandum: Practical Guidelines for Invoking the State Secrets Privilege (24.04.2001)
Geschrieben von Kai Raven
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17:50
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Orwells 1984 alt und neu - Samstag, 28. Juni 2008
In Grosses Kino: 1984 weist Holger auf die Verfilmung von Orwells "1984 in der Fassung von 1984 bei Google Video hin, den man sich dort in der englischsprachigen Originalversion komplett anschauen kann.
Wer sich für einen Vorläufer der Verfilmung interessiert, kann sich dort auch die TV-Verfilmung der BBC aus dem Jahr 1954 komplett anschauen, die nach Information im Wikipedia Artikel in Großbritannien zu einem Aufruhr in den Medien, der Bevölkerung und der Politik führte, u. a. wegen der "subversiven Natur" der Darstellung und der Folter- und Unterdrückungsszenen. Kaum noch vorstellbar, angesichts der Bilder aus Abu Ghraib und des Saw & Hostel Gemetzels im Kino. Hier einige Szenebilder der BBC Verfilmung, die ich mir mal als komplette Datei gesichert habe, da es davon leider keine DVD gibt: ![]() Verbotsschild in der Wohnung von Winson Smith und Gebäude der Partei in London. ![]() Der Große Bruder auf Plakat und im Televisor. ![]() Ein Soldat und das Feindbild Immanuel Goldstein im Televisor während einer Hass-Sendung. ![]() André Morell als Mitglied der Inneren Partei O'Brien mit zwei Wächtern und ein Arzt am Elektroschockgerät, mit dem Winston Smith gefoltert wird. ![]() Peter Cushing als Winston Smith auf der sarkophagartigen Folterbank. O'Brien, der Smith mit der 2+2=5 Gehirnwäsche die "Wahrheit" der Partei einfoltert. ![]() Smith, den man mit der Folter zum "letzten Menschen" gemacht hat und den nun in Room-101 mit der Rattenfolter das "Schlimmste auf der Welt" erwartet, das ihn zum Verrat seiner Liebe zu seiner Geliebten und Mitverschwörerin Julia zwingt, damit Julias Platz der Große Bruder einnehmen kann. ![]() Yvonne Mitchell als Julia mit Winston Smith im Café "Zum Kastanienbaum", der letzten Zwischenstation, bevor sie von den Schergen des Großen Bruders zur Erschießung abgeholt werden. unsubscribe-me gegen den Verlust der Menschenrechte im Krieg gegen den Terror - Donnerstag, 24. April 2008
Wer schon einmal die Schilderungen von Folteropfern gelesen oder gehört und die Bilder aus Abu Ghraib und Guantanamo gesehen hat, wird sie wohl nie wieder vergessen, sollte sie nie wieder vergessen.
Das gilt auch für Filme von Enthauptungen von Entführungsopfern, die – wie jede andere Greueltat des Gegners – keine Rechtfertigung für einen Staat, der sich als Rechtsstaat bezeichnet, darstellt, Gegner als "ungesetzliche Kombattanten" einzustufen, um sie aller Grund- und Schutzrechte zu berauben und sie der Folter auszusetzen, wie es neben anderen Staaten u. a. der Folterstaat USA macht, der das Unrecht der Folter zum legitimen Mittel des "globalen Kriges gegen den Terror" erklärt hat. Was die Direktoren der US-Geheimdienste, die US-Verteidigungsminister und der US-Präsident unter zulässigen und "strengen Verhörmethoden" verstehen, deren "Erkenntnissen" auch deutsche Sicherheitspolitiker nicht abgeneigt sind, obwohl sie zu den größten Perversionen des Sicherheitsstaates gehören, der meint, um der Sicherheit willen Grund- und Menschenrechte einschränken zu können, um "Freiheit" und "Demokratie" zu schützen, was nur eine weitere Perversion darstellt, zeigt die Amnesty International Kampagne unsubscribe-me auf. Ein Teil der Kampagne besteht aus einer Serie von Filmen, die eindringlich darstellen, was sich hinter Begriffen verbirgt, die von den politischen Folterknechten der US-Regierung benutzt werden, wenn sie von "Verhörmethoden" reden. Aus dem aktuellen Film "The stuff of life", der das sogenannte "Waterboarding", also den simulierten Ertrinkungstod in den Mittelpunkt stellt: ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Siehe auch: Clarke vor dem Europäischen Parlament Schily und Clarke Folterladen USA 2 Freundinnen, das sind wir... Tag der Verschleierung und Verdunkelung ai Karte Juristen, die foltern (lassen) wollen Unperson No. 061 in Room 101 Lese-Rüstzeug für & gegen die Reise in die Diktatur Folter-Schreibtischtäter Internierung und Liquidierung - Schäuble legt nach Foltern oder nicht foltern Zur Folter im Geiste geeint Folterstaaten
Geschrieben von Kai Raven
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17:04
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TV-Tipp: Stasi-Geheimdienstschätze - Montag, 11. Februar 2008
In der Dokumentation Der Geheimdienstschatz - Zeugnisse gegen Vergessen und dreiste Lügen von Tobias Vogt und Markus Stockhaus, die Phoenix morgen ab 19:15 Uhr (Wiederholung am 16.02.08 ab 13.15 Uhr) zeigt, geht es um die Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen, Stasi-Akten, die Rosenholz-Dateien, Opfer und Täter des Staatssicherheitsdienstes.
Aus der Ankündigung:
Was die Stasi-Unterlagen-Behörde zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte leistet und mit welchen Mitteln und Methoden der Geheimdienstapparat funktionierte, beschreibt der Film an einigen konkreten Beispielen. Zu Wort kommen Opfer und Täter der ehemaligen DDR-Geheimpolizei.
Vielleicht eine gute Ergänzung zum Film Das Leben der Anderen, der verdient in der Nacht zum Montag den Preis für den besten Film in nicht-englischer Sprache der Britischen Filmakademie erhielt.Dokumentiert werden tödlich endende Versuche, die Berliner Mauer und die innerdeutsche Grenze zu überwinden. Beschrieben wird die Fluchthilfe eines Studenten, die im Stasi-Knast endete. Die langjährige Tätigkeit von inoffiziellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit in den beiden Kirchen ist ebenso ein Thema wie die Spionage in Bonn. Dabei spielt der Verrat in den Bundestagsparteien eine besondere Rolle. (...) Im Film "Der Geheimdienstschatz" dokumentieren die Autoren Zeugnisse gegen das Vergessen, gegen die Verharmlosung der SED-Diktatur. Herausgestellt wird auch die Bedeutung der Stasi-Hinterlassenschaft für die ganz persönliche Akteneinsicht von Bürgern, die jahrelang bespitzelt und drangsaliert wurden. Die Akten belegen auch, wer sich nicht mit der Stasi einließ und wer sich weigerte, Vertrauen zu brechen und Menschen zu verraten. Eine weitere Dokumentation, die ich vor zwei Wochen im MDR gesehen habe, ist auch zu empfehlen und fast noch beeindruckender als der Spielfilm "Das Leben der Anderen". In der Dokumentation Aus Liebe zum Volk von 2004 hatten die beiden Regisseure Eyal Sivan und Audrey Maurion Originalauszüge aus dem Buchtitel "Ausgedient - Ein Stasi-Major erzählt" von Reinhardt O. Cornelius-Hahn aus dem Jahr 1990 durch Axel Prahl wiedergeben lassen, das auf einem Monolog eines Ex-Stasi Majors basiert, der in der Stasi für die "Bekämpfung von politisch-ideologischer Diversion und politischer Untergrundtätigkeit" verantwortlich war. Das Buch ist aktuell unter dem Titel Aus Liebe zum Volk - Ausgedient - Nach Notizen eines Stasi-Offiziers erzählt erhältlich. Dem Monolog des Stasi-Offiziers wurden Aufnahmen aus dem Filmarchiv der Gauck-Behörde, Ausschnitte aus Schulungsfilmen der Stasi, aufgezeichnte Anrufe von "Informatinellen Mitarbeitern", Ton- und Videomitschnitte aus Verhören und Aufnahmen von Videoüberwachungskameras der Stasi beseite gestellt, die u. a. die oppositionelle Szene im öffentlichen Raum beobachteten. Auf der Seite zum Film findet sich auch ein Interview mit den beiden Regisseuren. Daraus ein Auszug:
Sie verweisen in Ihrem Film auf die Aktualität des ostdeutschen Ideals totaler Observation, gerade nach dem 11. September 2001. Aber gibt es nicht doch große Unterschiede zwischen dem Überwachungsstaat DDR und dem mehrheitlich tolerierten Sicherheitswahn von heute?
Das ist eben, worum es neben dem Überwachungs- und Spitzelsystem der Stasi auch geht: Um die Ähnlichkeiten zu heutigen Entwicklungen und der Ideologie des Primats der Sicherheit, aber auch um die Unterschiede in Qualität und Ausmaß von Repression und Überwachung, um die Gefahr der Verharmlosung, wenn man ständig mit der Gleichsetzung der Sicherheitspolitik und der Sicherheitspolitiker im heutigen Deutschland mit der STASI um sich wirft.
Eyal Sivan: Es ist gleichzeitig verschieden und verwandt. Sehr ähnlich ist es sich in Bezug auf die Terminologie. Auch die Stasi hat immer vom Kampf gegen Terroristen gesprochen und sich damit öffentlich legitimiert. Das Verhältnis eines ganz natürlichen Sicherheitsbedürfnisses der Menschen einerseits und der Menschenrechte andererseits kommt so allmählich aus dem Gleichgewicht. Das ist eine sehr aktuelle Entwicklung. In der Tat verblüffen viele Stellen des gesprochenen Textes in Ihrem Film durch Ihre augenscheinliche Aktualität. Haben Sie Veränderungen an der Vorlage vorgenommen, um diesen Effekt zu verstärken? Audrey Maurion: Nein. Wir haben inhaltlich am Text des Stasi-Majors überhaupt nichts verändert. Wir mussten lediglich kürzen, aus dramaturgischen Gründen. Eyal Sivan: "Krieg gegen den Terrorismus, Vernichtung des Feindes, Schutz der Heimat, Glück des Volkes..." – Alle diese Phrasen, die wir heute oft hören, finden sich original in den Stasi-Akten!
Geschrieben von Kai Raven
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19:46
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TV-Tipp: Das Schloß - Samstag, 8. Dezember 2007
Am Mittwoch, den 12. Dezember, zeigt 3sat um 23 Uhr die Verfilmung von Kafkas "Das Schloß" aus dem Jahr 1997/1998:
Der Versuch des Landvermessers K., ins Schloss zu gelangen, schlägt ebenso fehl wie sein Versuch, sich in der zum Schloss gehörenden Dorfgemeinde anzusiedeln. Je mehr K. sich bemüht, desto weiter entfernt er sich von seinem Ziel. Die Bürokratie des Schlosses verhindert in ihrer Undurchdringlichkeit und Willkür jede Klärung seiner gesellschaftlichen wie existenziellen Situation. K. bleibt, was er am Tag seiner Ankunft war: ein - im günstigsten Fall - geduldeter Fremder.
2007 wäre auch passend. Kafkas Titel "Das Schloß" ist ein Muss, nicht nur als Film. Neben der bei 3sat gezeigten Version gibt es auch noch die Verfilmung aus dem Jahr 1968. Wer "Brazil" und die Verfilmung von "1984" kennt und mag, sollte sich auch "Das Schloß" ansehen oder noch besser: Digital oder auf Papier lesen.
Michael Haneke ("Der Siebente Kontinent", "Benny's Video", "Funny Games") verlegt die Handlung von Franz Kafkas gleichnamigem Roman in die 1950er Jahre. Geisterstadt - Samstag, 20. Oktober 2007
Ein schönes SW-Foto der Hamburger Speicherstadt
![]() ![]() TV-Tipp: Der Zaun - Sonntag, 14. Oktober 2007
Das könnte ein interessanter Dokumentarfilm sein:
Im Beitrag Der Zaun, der heute um 21:45 Uhr auf 3sat gezeigt wird, berichten Andreas Horn und Armin Marewski noch einmal über das per technischer Sperre abgeschottete Treffen der G8 im Kern der Sicherheitszonen von Heiligendamm, der Entsprechung von umzäunten und bewachten "Free Spech Zones" für Demonstranten. Im Mittelpunkt des Dokumentarfilms steht die Umzäunung selbst, die längst zum Symbol in mehrerlei Hinsicht geworden ist: Für die Entfernung und Abgrenzung wirtschaftlicher und politischer Entscheidungs- und Verantwortungsträger, die mit ihren Entscheidungen Herrschaft über diejenigen ausüben, die Verantwortung abgeben. Für die Industrienationen und Wirtschaftsräumen, die sich wie die EU als "Festung Europa" mit technischen Überwachungs- und Abschreckungsbollwerken an ihren Außengrenzen von der Armut der restlichen Welt abschotten. Für die innerhalb der Industrienationen entstehenden Gated Communities, in die sich hinter Zäunen und mit Sicherheitsdiensten bewacht, die kleine Gruppe der Gesellschaft zurückzuziehen beginnt, die am meisten vom Fortbestand der politischen und ökonomischen Ordnung profitiert und für die neuen Formen der eingeschränkten Ausübung des Rechts auf Meinungsäußerung und Demonstration, die der paranoide Präventionsstaat den Bürgern auferlegt, die ihre Fortsetzung in umzäunter Sicherheitsverwahrung findet. Weitere "technische Sperrwerke" als Ausläufer der Sicherheitsmaßnhamen in Heiligendamm und zur Vorbereitung im Vorfeld des nächsten Zauns kündigen sich mit neuen vernetzten Datenbanken auf EU-Ebene als informationstechnische Sperren an, in der einmal vor Ort erfasste Demonstranten als potentielle Gewalttäter landen, wobei unter Gewalt auch das Durchführen von Sitzblockaden oder das Tragen falscher Kleidung verstanden wird. Einmal gespeichert, werden sich für diese Personengruppe unter Umständen zeitweilige Einreise- und Ausreiseverbote einstellen und damit die Aufhebung des Rechts auf freie Bewegung und Reise, wenn es die Sicherheitsbehörden nicht bei Reise- und Beziehungsprofilen belassen. Aus der Ankündigung:
Sie beobachten die Veränderung des alltäglichen Lebens, die Bauarbeiten am Zaun, die zunehmende Präsenz der Polizei und dokumentieren so die Verwandlung des kleinen Küstenortes und der ihn umgebenden Landschaft in Sicherheitszonen. Dabei kommen sie auch mit Bewohnern, Touristen, Kneipiers, den Monteuren des Zauns, Polizisten, Gipfelgegnern und Pressevertretern ins Gespräch und erhalten ihre ganz unterschiedlichen Perspektiven auf den Zaun. Von Normalität kann kurz vor dem Gipfel keine Rede mehr sein. Immer häufiger wird von Eingriffen in die Bürgerrechte durch Polizeimaßnahmen berichtet, selbst in den Reihen der Polizei. Dann beginnt das Großereignis, und alle Welt schaut auf den Zaun...
"Hauptdarsteller" des Films ist der Zaun in Heiligendamm. Eindrucksvolle Aufnahmen zeigen, wie das stählerne und stacheldrahtbewehrte Bauwerk die Landschaft durchzieht und sich noch unterhalb der Wasseroberfläche entlang eines Sperrgebiets vor der Küste fortsetzt. Der Zaun ist ein Beispiel für eine neue Interpretation von Begriffen wie Freiheit, Sicherheit und Demokratie. Während im Verborgenen der "blauen Zone" ein informeller Club der acht mächtigsten Politiker dieser Welt den Anschein erweckt, im Namen aller Menschen Antworten auf die drängendsten Fragen des Planeten finden zu können, praktizieren jenseits des Zauns wie in einer Parallelwelt Bürger ihr Recht auf freie Meinungsäußerung, ohne den Fortgang der Beratungen beeinflussen zu können.
Geschrieben von Kai Raven
in Bürgerrecht, Film, Gesellschaft, Politik, TV-Tipp, Überwachung
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08:10
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