Chaosradios "Familieninternet" Sendung - Dienstag, 27. Januar 2009
Eine Sendung des Chaosradios, die auf ein großes Intresse der Zuhörer und Mitwirkenden stoßen dürfte.
Morgen ab 22 Uhr geht es im Chaosradio nach den Filter- und Blockierbemühungen in NRW (aka "Sperrverfügungen") um die ersten Schritte der Bundesregierung, sich mit dem Anti-Kinderpornografie Surrogat aus dem Fundus der anderen Surrogate (Anti-Cybercrime, Anti-Terror, Anti-OK, Anti-Nazi usw.) und der Mitwirkung kooperierender Provider und des BKA den langgehegten Traum einer nationalen Filter-, Blockier- und Zensur-Infrastruktur aufzubauen, die man in übersteigerter Form zum Beispiel in China, im Iran oder in Saudi-Arabien bereits vorfindet und die sich eines schönen Tages für viele weitere "Anti-" Zwecke nutzen lassen wird. Denn Ausweitung ist dem präventiven und repressiven Sicherheitsstaat auch auf diesem Gebiet Programm. Nun denn, in der Ankündigung zur morgigen Chaosradio-Sendung CR142 mit dem Titel "Das Familieninternet" (MP3-Datei) heißt es:
Familienministerin von der Leyen hat sich Anfang Januar mit deutschen Internetprovidern geeinigt, dass der Zugriff auf bestimmte Internetseiten gesperrt wird, da sie kinderpornographisches Material enthalten sollen. Der Begriff "Zensur" wird dabei bewusst vermieden. Juristisch steht diese Sperre auf wackeligen Beinen, viele technische Fragen sind offen.
Die Konsequenzen sind dabei absehbar: Für Internetnutzer eine weiterer Verlust an Meinungs- und Rezipientenfreiheit, größerer Bedarf, sich mit Anonymisierungs- und anderweitigen Umgehungstechniken zu beschäftigen, die sich ihrerseits größeren Angriffen seitens der Sicherheitspolitik ausgesetzt sehen werden. Aufgrund der bekannten Mängel und Schwächen aller bekannten Filter- und Blockiermaßnahmen, Ziele nicht präzise und trennscharf treffen zu können, die Mitleidenschaft zahlreicher Websites und Webseiten, die von den Mechanismen miterfasst werden, ein emsiges Treiben der Produzenten, Verteiler und Konsumenten von Kinderpornografie, die man ungenügend in den Verursacher-Ländern verfolgt, dauernd URLs, IP-Adressen und Server zu wechseln und sich andere Austauschwege zu suchen, das Problem, dass sich Lobbys weiterer Interessengruppen (Urheberrechteverwalter, Medienindustrie, Sittenwächter, das BKA und der Verfassungsschutz) mit Bedarfsanmeldungen zu Wort melden und Gehör finden könnten, die sich einstellende Unkontrollierbarkeit und mangelnde Transparenz bei der Administration, Auswahl und Berichtigung der avisierten Filter-, Blockier- und Zensurziele, für die aktionistischen Familien- und Sicherheitspolitiker vielleicht ein populistisch produzierter Imagegewinn im Wahljahr 2009 und die Vorbildfunktion für mögliche gesamteuropäische Filter-Richtlinien.Im Chaosradio möchten wir über die technische Umsetzung dieser Maßnahme sprechen und welche weiteren Konsequenzen dieser Schritt in Richtung "sauberes Internet" für die Gesellschaft hat. Nachtrag: Imo gute Sendung mit interessanten und informativen Beiträgen und Anrufern ohne zu techniklastig zu sein.
Geschrieben von Kai Raven
in Anonymität, Geheimdienst / Polizei, Gesellschaft, Grundrecht, Medien / Kultur, Netz, Politik, Radio, Zensur / Filter
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13:16
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Der BT-Wissenschaftsdienst über Whistleblower - Mittwoch, 21. Januar 2009
Der Wissenschaftsdienst des Bundestages fasst in einem Dokument Informationen, Gesetze und Gerichtsentscheidungen zu den Menschen zusammen, die man als "Whistleblower" bezeichnet. Laut der Einführung des Dokuments
bezeichnet der englische Begriff "Whistleblower" wörtlich übersetzt jemanden, der mit der Trillerpfeife Alarm schlägt. Im übertragenen Sinn wird er verwendet für Personen, die schwerwiegende Missstände in ihrem Arbeitsumfeld aus primär uneigennützigen Motiven aufdecken.
Also "innerbetriebliche und innerbehördliche Informanten", wie man auch sagen könnte, denen Weblogs, die Presse, Dienste wie WikiLeaks, Radio- und Fernsehsender, Verbraucher-, Datenschutz- und Bürgerrechtsorganisationen bzw. wir als "der Öffentlichkeit" viel verdanken. Das zu ihrem Schutz und für ihre Rechte noch einiges getan werden muss, geht auch aus dem Dokument hervor.Aktuell informiert zu Whistleblowern, dem Whistleblowing und den Informationen, die sie ans Tageslicht bringen, nach wie vor das Weblog des Whistleblower Netzwerks. Siehe auch: beck-blog - Whistleblowing - Gesetzesänderung auf Eis gelegt (27.01.2009)
Geschrieben von Kai Raven
in Geheimdienst / Polizei, Gesellschaft, Grundrecht, Medien / Kultur, Ökonomie, Politik, Zensur / Filter
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12:49
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Ab heute ab durch die ESTA Schleuse - Montag, 12. Januar 2009
Zum elektronischen ESTA Abfragebogen, den ich bereits 2007 "präventiv" und satirisch gewürdig hatte, gibt es zwei kleine Infosendungen im Radio: hr-info lässt im Beitrag Neuer Einreiseantrag für die USA die Vize-Konsulin des US-Konsulats Rebecca Owen über ESTA plaudern, trocken und knapp gibt der MDR-info Beitrag US-Besucher müssen sich elektronisch voranmelden Hinweise zu ESTA.
Also, erst die unverschämte Befragung elektronisch absolvieren, die persönlichen und Buchungsdaten gehen dank der Europäischen Union eh von selbst über den großen Teich und wenn man angekommen ist, folgt nur noch die US-VISIT Anti-Terror Durchleuchtung, wenn das nicht schon per ESTA Auswertung erfolgte, die biometrischen Abgleiche und eventuell ein Verhör, wenn es nicht ganz so toll klappt. So sieht dann die ESTA Antwort aus, wenn man ein ganz schlimmer Finger ist und wahrheitsgemäß angibt, dass man zum Beispiel Agent einer feindlichen Macht, Terrorist oder Ex-Mafiosi wäre, wovon das US-Heimatschutzministerium ja absurderweise ausgeht: ![]() Leider verloren und ab in die nächste Geheimdienstdatenbank.
Laut Regierungsantwort werden die Daten des ESTA-Antrags derzeit 15 Jahre lang gespeichert. Sobald das System vollständig das bislang für visumfreie Reisen genutzte Formular I-94 W ersetze, würden die ESTA-Antragsdaten für die Dauer von 75 Jahren gespeichert.
Wir wünschen einen guten Flug in die USA und einen schönen Aufenthalt im Land der Paranoiker.Siehe auch: Budget Travel Blog - A rare peek at Homeland Security's files on travelers (22.12.2008)
Geschrieben von Kai Raven
in Data Mining / Fusion, Datenschutz, Geheimdienst / Polizei, Politik, Radio, Terror
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16:56
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Schnee & Eis - Montag, 5. Januar 2009
Es gibt ja nicht nur Big Brother & Co, sondern auch Schnee & Eis. Und wenn ich den Sommer hasse, dann liebe ich den Winter umso mehr. Besonders, wenn es endlich auch mal den Niederrhein, wo "ein atlantisch geprägtes Klima mit milden Wintern herrscht", mit 15 - 20cm Schnee erwischt, was hier mittlerweile ein besonderes Ereignis darstellt, das es entsprechend zu würdigen gilt. Dafür nehme ich auch gerne das Schneeschaufeln in Kauf, mit dem ich heute in den Tag startete. Die Berliner werden darob wohl nur müde lächeln können.
Also habe ich heute meine Caterpillas frisch geölt und mich drei Stunden durch Wald & Flur geschlagen. Außerdem wollte ich die Chance nutzen, das "Schneeprogramm" der Digicam zu verwenden, das sich mal gut, mal schlecht geschlagen hat. Wie das nun mal mit Automatikprogrammen so ist. Aus Schnee & Eis drei Fotos: ![]() ![]() ![]()
Geschrieben von Kai Raven
in Dies und Das, Fotografie, Ökologie
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18:18
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Schmutzige Akten und "Online-Durchsuchungen" beim BND - Samstag, 6. Dezember 2008
Der Focus berichtet im Artikel BND: Details über Ströbele gespeichert, was der BND intern für einen Aufwand betreibt, wenn es darum geht, intern gegen einen führenden Beamten wie den ehemaligen Leiter der Abteilung 5 - Operative Aufklärung / Auswertung zur Organisierten Kriminalität und dem Internationalen Terrorismus zu ermitteln, denn in deren Zuständigkeit wird wohl auch die Bekämpfung der Mafia fallen, für die der Leiter laut des Artikels als Experte galt.
Laut Focus haben die internen Ermittler zum Fall eine Akte mit 2388 Seiten angelegt, in der sich nicht nur auf die Vorwürfe, den Fall und die Person des Referatsleiters bezogene Informationen wiederfinden, sondern anscheinend schlicht alles, was an Verhaltensweisen und Äußerungen des Referatleiters aufzufinden war, zu denen auch ein paar "schmutzige Details" gehören, wie Gerüchteklatsch und Plauderein zwischen dem Referatleiter und Hans-Christian Ströbele von den Grünen in der Herrentoilette des Reichstaggebäudes. Das unsere Geheimdienste den Schutz und die Nichtverwertung von Informationen nicht ernst nehmen, die dem Kernbereich der privaten Lebensgestaltung unterliegen, was in der letzten Zeit ein Hauptthema bei der Online-Durchsuchung und dem BKA-Gesetz war, zeigt sich daran, dass die BND Ermittler auch fein säuberlich private Gesprächsthemen aus dem Privatleben Ströbeles mit aufzeichneten. Das vielleicht als möglicher Beifang für andere Verwendungszwecke, denn alle Geheimdienste und geheimdienstähnliche Polizeibehörden haben stets den Drang und das Interesse, alles über Zielpersonen und Kontaktpersonen der Zielpersonen zu erfahren. Das haben auch andere Geheimdienste so an sich. "Wie haben die erfahren, was die beiden auf der Toilette gequatscht haben?" mögen sich Paranoiker und Verschwörungstheoretiker fragen. Der BND wird doch wohl keine Wanzen in Räume des Reichstaggebäudes implantiert haben, die von Politikern und Besuchern aufgesucht werden und Informanten auf den Klos sitzen haben? Mal nachsehen kann immer nicht schaden, aber es wird sich wohl eher um an die Ermittler weitergetragene Details handeln. Wer einen Griff ins Klo macht, ist eher der Focus selbst, der den Artikel nutzt, um direkt den schlagenden Begriff der "Online-Durchsuchung" im Artikel unterzubringen, denn gleich zwei Mal hebt der Focus darauf ab, die BND Ermittler hätten wie für das BKA angedacht, eine "Online-Durchsuchung" im BND durchgeführt:
Zudem durchsuchte der Bundesnachrichtendienst nach FOCUS-Informationen in einer heimlichen Online-Durchsuchung die Computer von 49 Mitarbeitern des Fachreferats zur Aufklärung der Organisierten Kriminalität (...) Bei der Online-Durchsuchung der Computer von 49 BND-Mitarbeitern wurden auch private Laufwerke überprüft.
Nun handelt es sich beim BND um einen Geheimdienst, der – wenn er nicht total verblödet ist, was ich nicht annehme – schon zur Absicherung seiner IT-Infrastruktur gegen Angriffe von Innen und Außen wie auch zur Kontrolle und zum Schutz von Dienstgeheimnissen sein internes Netzwerk so ausgerichtet haben wird, dass seine internen Ermittler und Administratoren immer zu jeder Zeit mit üblichen Mitteln der Fernwartung und -kontrolle oder direkt nach Feierabend auf allen Workstations und Festplatten nachsehen können, wenn nicht eh alle Arbeitsrechner standardmäßig mit Keylogger- und Trojanerfunktionen ausgestattet sind. Ob man Mitarbeitern in einer Geheimdienstbehörde überhaupt "private Laufwerke" (oder "private Internetnutzung" oder gar private und verschlüsselte Dateisysteme und Container) gestattet und unter welchen Bedingungen Ermittler zu Vollzugriffen befugt sind, wird auch dort wie in Unternehmen eine Frage der Aushandelung zwischen Leitung, BND-Personalrat und der Gewerkschaft sein. Vorstellen kann ich mir eine "private Nutzungsbefugnis" in einer Behörde wie dem BND nicht und wenn ich eine solche Behörde oder eine ihrer Abteilungen zu leiten hätte, würde ich sie auch nicht zulassen.Deshalb kann man den Focus nur bitten, technische Überwachungsmaßnahmen wie die Online-Durchsuchung und Quellen-TKÜ, wie sie u. a. im BKA-Gesetz Sicherheitsbehörden zur Verfügung gestellt werden, um allgemein jeden, den man unter Verdacht stellt, auszuspionieren oder es zu versuchen, nicht mit dem obigen Prozedere zu vermixen, nur weil es sich so toll für einen reißerischen Artikel eignet. Nicht um "Online-Durchsuchungen", sondern um eine Maßnahme der Telekommunikations-Überwachung durch den BND handelte es sich bei der Ausspähung der E-Mails vom und zum "Afghanistan NGO-Safety Office" (ANSO) der Welthungerhilfe von 2005 - 2008 nach § 5 und § 8 des G 10 Gesetzes mit Billigung des Parlamentarischen Kontrollgremiums, über die der Spiegel im Beitrag BND spähte deutsche Entwicklungshelfer aus berichtet. Es waren nicht nur die, denn beim ANSO laufen laut des Beitrags ja wohl alle E-Mails aller angeschlossenen NGOs ein. Nun ja, sind sie es nicht, sind es Journalisten im Inland oder Journalistinnen im Ausland und Ministerien. In dem Sinne eine für den BND typische Aktion. Genauso typisch ist die fahrlässige Verhaltensweise von Organisationen wie dem ANSO, ihre weltweite Kommunikation nicht verschlüsselt und pseudonymisiert abzuwickeln, sondern als Postkarte. Die Welthungerhilfe hat zu den Vorfällen am 08.12.2008 die Pressemitteilung Welthungerhilfe empört über BND-Abhöraktion herausgegeben, in der sie u. a. auf den Effekt von Abhöraktionen gegen NGOs hinweist, dass die Bevölkerung in den Ländern, in denen NGOs im Rahmen der Entwicklungspolitik und Entwicklungshilfe tätig sind, NGOs als weniger vetrauenswürdig, unabhängig und neutral einschätzen und NGOs deshalb die notwendige Unterstützung seitens der Bevölkerung verlieren können. Außerdem wies Nic Lee, Projektleiter von ANSO, in einem Satz auf eine weitere Beschränkung hin, die zum Beispiel auch investigativ tätige Autoren und Journalisten trifft, wenn bekannt wird, dass sie regelmäßiges Ziel von Abhöraktionen sind: "Das untergräbt das Vertrauen in uns. Wir werden es schwerer haben, Informationen von anderen Nichtregierungsorganisationen zu bekommen, wenn man Angst haben muss, dass man abgehört wird."
Geschrieben von Kai Raven
in Data Mining / Fusion, Datenschutz, Geheimdienst / Polizei, Grundrecht, Internet / TeKo, Medien / Kultur, Politik
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10:37
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Geheime Deals und Technik für den schmutzigen Drohnen-Krieg in Pakistan - Sonntag, 16. November 2008
Die Washington Post berichtete am 16. November 2008 in ihrem Artikel Pakistan and U.S. Have Tacit Deal On Airstrikes, gestützt auf die Aussagen hochrangiger Amtspersonen, über einen informellen Deal, der im September 2008 zwischen der Bush-Administration und der Regierung Pakistans für den roboterisierten Drohnen-Krieg in Pakistan geschlossen wurde, über den schon lange bezüglich der Drohnen-Angriffe Vermutungen angestellt wurden.
Nach den Aussagen lautet dem Deal gemäß die Linie der CIA, des US-Militärs und der US-Regierung, keine Angriffe mit Predator, Reaper und Global Hawk Drohnen in den Stammesgebieten zu bestätigen und Stillschweigen zu bewahren, während die Regierung Pakistans die Linie verfolgt, die Angriffe öffentlich für die pakistanische Öffentlichkeit zu missbilligen, die Desinformation zu streuen, die Angriffe würden sich auf die afghanische Seite der pakistanischen Grenzregion richten, aber im Hintergrund den Angriffen genauso stillschweigend zuzustimmen und Militärs wie auch den pakistanischen Geheimdienst mit den Amerikanern koopererieren zu lassen. Für die enge Zusammenarbeit und gemeinsame Nutzung der Drohnen unter dem Kommando der US-Streitkräfte und Geheimdienste spricht auch die Aussage von General David McKierman, Kommandeur der US-Truppen und zur Zeit der ISAF Verbände in Afghanistan, in seiner Rede beim Atlantic Council Think Tank am 18. November zum "Dreier-Ausschuss", der sich aus ihm selbst, ISI-Geheimdienstchef General Pasha (s. u.), seinem Vorgänger und jetzigen Generalstabschef der Pakistanischen Armee General Ashfaq Parvez Kayani und Vertretern der Armee Afghanistans zusammensetzt: "Wir tauschen Frequenzen aus, wir tauschen geheimdienstliche Informationen aus. Wir haben einen Videostream für Predator Drohnen, der im gemeinsamen Grenzkoordinationszentrum am Torkham Gate [Anm.: wichtiger Grenzkontrollpunkt am Chaiber-Pass] von der Pakistanischen Armee, der Afghanischen Armee und der ISAF genutzt wird. Wir koordinieren uns also auf verschiedenen Ebenen." Wie es in dem Artikel weiter heißt, folgten dem geheimen Deal im September ein intensiver Besuchsverkehr hochrangiger Militärs und Geheimdienstler beider Seiten. Pakistans Präsident Zardari war im gleichen Monat des Deals "auf Besuch" bei Bush, General Pasha, Chef des pakistanischen militärischen Geheimdienstes ISI traf Ende Oktober mit seinen amerikanischen Kollegen in Washington zusammen, US-General Petraeus, ab Ende Oktober Chef des Zentralkommandos (CENTCOM), machte Anfang November eine Stippvisite in Pakistan und am 12. November gab es ein informelles Treffen zwischen CIA-Direktor Michael Hayden und Präsident Zardari. Zweck der Gespräche war wohl, die Details des Deals und verdeckten Drohnen-Krieges auszuhandeln und auszuloten, wie es nach der US-Wahl weitergehen würde. Nicht mehr direkt, aber indirekt zwischen den Zeilen wird die Vermutung geäußert, dass die enge Kooperation und Deckung Pakistans neben den 10 Milliarden US$ US-Militärhilfe seit 2001 auch mit den 7,6 Milliarden US$ erkauft wurde, die Pakistan vom IWF zur "Bewältigung der Finanzkrise" erhält. Interessant ist auch ein Gespräch Zardaris mit dem demokratischen US-Senator John F. Kerry, dass an die Washington Post herangetragen wurde. Laut des Gesprächs habe Zardari Kerry darauf hingewiesen, dass die US-Regierung erkennen müsse, dass Pakistan mehr geleistet habe, als die US-Regierung anerkenne und Pakistan ein Opfer des gleichen Aufruhrs sei, den die USA bekämpfe. Ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass weiter Waffen und Geld nach Pakistan fließen muss, auch unter Obama. In dem Gespräch soll Zardari auch das Interesse Pakistans angemeldet haben, mit den gleichen Waffen beliefert zu werden, mit denen amerikanische Streitkräfte und Geheimdienste ihren Krieg in Afghanistan und Pakistan führen, sprich Killer-Drohnen und weiteres High-Tech Kampfgerät für Pakistans Militär und Geheimdienste – "geben sie [Anm.: die Killer-Drohnen] sie uns, wir sind ihre Verbündete" soll Zardari Kelly gesagt haben. Von dort spannt der Artikel den Bogen zu den neuen militärischen Systemen, die laut Vertretern der Antiterror-Behörden und -Abteilungen der USA in Pakistan verwendet werden und Gegenstand des Beitrags Rätselraten über geheimes Kill-Programm des US-Militärs waren. Neben den Raketen, die von den Predator Drohnen der CIA abgefeuert werden, so der Artikel, habe man laut der Antiterrorvertreter während des Jahres "neue Hardware in der afghanisch-pakistanischen Grenzregion zum Einsatz gebracht, die es erlaube, die Bewegungen vermuteter Kämpfer sehr genau zu verfolgen". Zur "neuen Hardware" für die "Identifizierung, Aufspürung und Lokalisierung", von der "viel unter Geheimhaltung" stehe, gehöre demnach der konzertierte Einsatz "leistungsfähiger Sensoren an Spionagesatelliten, von Flugzeugen, Luftschiffen und Drohnen jeder Größe verschiedenster Typen." Oder wie es der Staatssekretär für Geheimdienste im Pentagon James R. Clapper Jr., während einer Konferenz (wohl dem Geospatial Intelligence Symposium 2008) umschrieb: "Die neuen Produkte der Kriegsführung sind sehr Laser-ähnlich und präzise geworden. Mit ihnen hat man die Möglichkeit, sobald man weiß, hinter was man her ist, das sehr lückenlos und ununterbrochen zu beobachten und zu überwachen – beharrlich. Und dann, im richtigen, kritischen Augenblick, mit der nötigen Rücksicht zur Reduzierung von Kollateralschäden, dieses Individuum auzuschalten." Das es Unterschiede zwischen der Realität des verdeckten Drohnen-Krieges in Pakistan und den Umschreibungen des Geheimdienstlers gibt, zeigt der steigende Body Count ziviler Opfer mit jedem Drohnen-Angriff. ![]() ![]() Ein Modul zur Zielmarkierung und für die Zielerfassung durch die Raketen der Drohnen aus dem Text Guidance on the Ruling of the Muslim Spy des Al Qaida Führers Abu Yahya al-Libi (Quelle: FAS - Al Quaida: Western Spies Multiply "Like Locusts", 13.07.2009) Wir haben hier also alle Merkmale und Bestandteile eines schmutzigen Krieges, der mit neuen Mitteln der Überwachungs- und Kriegstechnik aufgrund geheimer, stillschweigender Vereinbarungen zwischen den USA und Pakistan geführt wird, bei dem die Bevölkerung auch als Versuchtiere für den Einsatz der Technik herhalten muss, wie sie in Zukunft in anderen Konflikt- und Kriegsgebieten zu sehen sein wird – alles nur, um eine Handvoll zu ersetzender Taliban und Al Qaida Kommandeure auszuschalten? Das es in der restlichen Presse, insbesondere der deutschen Presse, keine ähnlichen Berichte und Artikel gibt, kann ich mir nur noch mit dem stillschweigenden Einverständnis erklären, dass diese Handvoll es wert sind, dass in Pakistan der neue Typ des "Globalen Krieges gegen den Terror" durchexerziert wird und er auch deshalb legitim ist, weil er den Sicherheitsinteressen Deutschlands dient. Siehe auch: C-Span - Videojournalist David Axe Vignette (embedded with the U.S. Air Force at Kandahar Air Base in southern Afghanistan) on Reapers & Predator Drones (23.12.2009) The Nation - Blackwater's Secret War in Pakistan u. a. über den Drohnen-Krieg der US-Söldnerfirma Xe (ehemals Blackwater) im Auftrag des US Joint Special Operations Command (JSOC) in Pakistan (23.11.2009) Washington Post - U.S.-Funded Intelligence Center Struggles in Khyber Region (11.01.2009) New Yorker - The Predator War - What are the risks of the C.I.A.’s covert drone program? (26.10.2009) Washington Post - CIA base attacked in Afghanistan supported airstrikes against al-Qaeda, Taliban (01.01.2010)
Geschrieben von Kai Raven
in CCTV / Video, Chips, Drohnen, Geheimdienst / Polizei, Medien / Kultur, Menschenrecht, Politik, Terror, Überwachung
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20:01
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Zum Start von Europeana in einer Woche - Donnerstag, 13. November 2008
Ab dem 20. November wird es von der EU ein weiteres interessantes Angebot für Bürger geben, denn dann startet offiziell das Europeana Portal.
Bei Europeana handelt es sich um ein Projekt im Bereich Digitale Bibliotheken des eContentplus Programms der i2010 -Initiative zu Digitalen Bibliotheken der EU, das im Juli 2007 gestartet wurde. Ziel des Projekts war die Verwirklichung einer Kombination aus Digitalem Museum, Archiv und Digitaler Bibliothek, über die Filme, Fotografien, Gemälde, Musikaufnahmen, Karten, Manuskripte, Bücher, Zeitungsartikel und archivierte Dokumente zugänglich werden, die bereits von Bibliotheken, Museen, Archiven, Wissenschaftsinstitutionen und audio-visuellen Sammlungen in Europa digitalisiert wurden. Das Europeana Portal wird zum Start Zugriff auf 2 Millionen Objekte bieten, bis 2010 sollen über Europeana 6 Millionen Objekte zugänglich gemacht werden. Laut der epractice Meldung "Europeana": The European Digital Library is launched stehen für den Zeitraum von 2009 - 2010 ingesamt 119 Millionen € für Digitalisierungsprozesse, Forschungsaktivitäten zu digitalen Bibliotheken und zur digitalen Erschließung der Bestände zur Verfügung. Neben Europeana kann man natürlich auch in Angeboten wie der Europäischen Bibliothek in Beständen der europäischen Nationalbibliotheken forschen und stöbern, die von der Königlichen Bibliothek der Niederlande unterhalten wird. Es muss ja nicht immer die Wikipedia sein. Das Europeana Portal ist schönes Beispiel, was die Europäische Union auch sein kann und ein Dienst, der neben der Bereitstellung von Dokumenten und Mitteilungen über Feeds oder Live-Übertragungen von Ausschuss- oder Plenarsitzungen jedem Bürger ermöglicht, sich mit Hintergrundinformationen, geschichtlich-kulturellem Wissen und tagespolitischen News zu versorgen – wenn die nötige Offenheit und Transparenz der beteiligten Institutionen hinzukommt, die auch Grundlagen sind, damit sich Bürger überhaupt für politische, gesellschaftliche und kulturelle Aspekte interessieren und selbst aktiv werden – in welcher Form auch immer und jenseits der Frage, ob sie die Möglichkeiten, Dienste und Angebote auch nutzen und annehmen. Ein Punkt, bei dem es immer noch bei der Europäischen Union hapert, auf den insbesondere das Europäische Parlament und die Parlamente der Mitgliedsstaaten immer wieder hinweisen, ist die Mehrsprachigkeit der angebotenen Dienste und Informationen. Ich habe zum Beispiel mit englischsprachigen Dokuemnten kein Problem, aber wenn es dann sehr lange Texte sind, kostet es einfach mehr Zeit, die zu lesen und zu analysieren. Zu einem "geeinten Europa" gehört auch, dass der Einwohner einer Kleinstadt in Rumänien, der sich vielleicht keinen eigenen Computer und Internetzugang zulegen kann, in seine Stadtbibliothek geht und über den dortigen Internetzugang alle Objekte, Dokumente und Informationen in seiner Landessprache abrufen kann, statt nur Quellen in Sprachen eines "Kerneuropas" aus Deutschland, Frankreich usw. vorzufinden. Das Europeana Portal startet zum Beispiel mit deutsch-, englisch- und französischsprachiger Oberfläche, ein Hauptpunkt im Programm zur Weiterentwicklung des Portals liegt aber in der Umsetzung einer multilingualen Bedienung. ![]() "Under Construction" Meldung nach dem Launch der Europeana wie zu Urzeiten des WWW.
Geschrieben von Kai Raven
in Bürgerrecht, Gesellschaft, Linktipp, Medien / Kultur, Politik, Wissenschaft
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08:46
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Kommunistische Blogger stürzen die Welt ins Chaos und führen zu Verdummungsepidemien - Mittwoch, 12. November 2008
<anfang>
Macht das "Web 2.0" dumm, führt ins Chaos und zur Massenverdummung? Nein. Aber bei einigen überlasteten und elitären Internetunternehmern und Autoren bin ich mir nicht sicher. Will man im Internet und "Web 2.0" nur das "Wissen üblicher Experten" konsumieren und die Vorherrschaft einer "traditionelle Meritokratie von bewährten Experten", nur "kontrollierte Meinungsäußerungen" lesen und keine "anonymen" Meinungsäußerungen zulassen? Nein. Handelt es sich bei Weblogs, sozialen Netzwerken und Diensten um eine "Explosion der Selbstdarstellung", in denen "alle gleichzeitig reden, aber keiner dem anderen zuhört"? Nicht nur, aber immer mehr. Die Idee "einer Blogoshphäre" und des "Sich-Miteinander-Vernetzens" stinkt jedenfalls wie eine Leiche. Sollte man sich als Blogger oder "kommunistischer" Sozialnetzwerker in Mitleid mit und Rücksicht auf "Medien, deren klassisches Geschäftsmodell, Inhalte zu kaufen, (angeblich) ausgehebelt wird", hart arbeitenden und "an den Rand gedrängten Medienprofis, Plattenfirmen, Verlagen und Kreativen" üben? Nein, aber man sollte sich mit Verlinkung, Quellenangaben und Credit bedanken und sich überlegen, wie, wann und ob man andere Schöpfungen und Inhalte verwendet. Sollte man eigentlich Personen ignorieren, die das Antibild des partizipierenden, sich eigene Meinungen bildenden und sie äußernden Bürgers, der "Experten" und "Profis", die ihm die Welt erklären sollen, mit Distanz und Kritik begegnet, favorisieren, weil wir den Untertanentyp bestens kennen? Mit Sicherheit. </ende> Den Hintergund des Beitrags erfährt man im Artikel Macht Web 2.0 dumm? im Handelsblatt und die Postitionen anderer ungezogener Blogger bei Rivva.
Geschrieben von Kai Raven
in Dies und Das, Grundrecht, Medien / Kultur, Ökonomie, Weblog
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00:20
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